Mistral AI tauft Le Chat in Vibe um und positioniert den ehemaligen Chatbot als Arbeitswerkzeug, das E-Mails abarbeitet, Berichte schreibt und Code bis zum Pull Request bringt. Bestehende Gespräche und Einstellungen werden übernommen, die Tarifstruktur ist allerdings neu.
Im Zentrum steht der neue Work Mode: Vibe hängt sich an Google Workspace, Outlook, SharePoint, Slack oder GitHub und arbeitet von dort aus Aufgaben ab: Posteingang sichten, Zahlen aus einer Tabelle ziehen, daraus einen Bericht bauen und ihn nach Notion oder SharePoint schieben.
Bevor der Agent loslegt, zeigt er seinen Plan und wartet auf ein OK. Jeder Zwischenschritt lässt sich aufklappen und prüfen. Wer will, lässt Aufgaben täglich, wöchentlich oder monatlich wiederholen. Sogenannte Skills speichern wiederkehrende Abläufe als Vorlagen, ähnlich wie Anthropic das letztes Jahr für Claude eingeführt hat.
Der Code Mode setzt Programmier-Agenten in isolierte Sandboxes. Die bauen Features, fixen Bugs, schreiben Tests und öffnen am Ende einen Pull Request. Sessions laufen parallel, überleben einen ausgeschalteten Rechner und sollen sich ab Juni auch aus Slack starten lassen. Dazu liefert Mistral eine neue VS-Code-Erweiterung und ein Update fürs CLI-Tool mit einem /teleport-Befehl, der laufende Sessions mitsamt Verlauf zwischen Terminal und Cloud verschiebt.
Vier Preisstufen
Vibe gibt es in vier Tarifen: Free kostet nichts, Pro 14,99 Euro im Monat, Team 24,99 Euro pro Nutzer und Monat, Enterprise auf Anfrage. Alle Preise versteht Mistral zuzüglich Steuern, Studierende bekommen die Hälfte auf den Pro-Tarif, und bei jährlicher Zahlung sinkt Team auf 19,99 Euro pro Nutzer.
Was genau in welchem Tarif steckt, bleibt weiterhin schwer greifbar. Mistral nennt zwar Zahlen, aber nur als Vielfaches des kostenlosen Tarifs: bis zu sechsmal so viele Nachrichten, bis zu 40-mal so viele Bildgenerierungen wie im Free-Plan. Wie hoch die Grenzen im Free-Tarif absolut liegen, beziffert das Unternehmen aber nirgends. Damit bleibt auch das Sechsfache eines unbekannten Werts ein Fragezeichen. Konkrete Zahlen gibt es nur bei wenigen Posten, etwa 15 Gigabyte Speicherplatz statt "limitiert".
Auffällig ist, dass Pro und Team identische Nutzungslimits haben. Der Aufpreis von zehn Euro pro Nutzer und Monat kauft keine höheren Kontingente, sondern mehr Speicher, eine Domain-Verifizierung, Datenexport und Admin-Funktionen für gemeinsame Workspaces. Ob sich das lohnt, hängt also weniger vom Nutzungsbedarf als vom Wunsch nach Team-Verwaltung ab.
Auch die Abgrenzung über Begriffe wie "komplexe Aufgaben" und "tieferes Reasoning" bleibt vage. Dahinter steckt allerdings ein technisches Detail: Mistral Medium 3.5 lässt sich per reasoning_effort zwischen einem schnellen und einem gründlicheren LeModus umschalten. Wer testen will, findet einen kostenlosen Experiment-Plan in Mistral Studio.
Den Namen "Vibe" gab es übrigens schon: Bis zur Umbenennung bezeichnete er Mistrals Coding-Tool, das seit Vibe 2.0 kostenpflichtig über die Pro- und Team-Tarife läuft. Nun wandert er vom Coding-Agenten auf den gesamten Assistenten.
Vibe läuft auf chat.mistral.ai, als App im App Store und bei Google Play. Die Code-Oberfläche liegt unter code.mistral.ai
Agentische Zusammenführung
Die Umbenennung ist weniger Neustart als Zusammenführung: Le Chat bekam im vergangenen Jahr schrittweise Deep Research, einen Sprachmodus und Bildbearbeitung, dann MCP-Integrationen und eine Memory-Funktion. Anfang Mai folgten Work Mode und Cloud-Agenten fürs Coding. Mit Vibe packt Mistral das alles unter eine Marke und positioniert sich damit klarer gegen die agentische Evolution von ChatGPT, Gemini und Claude.
Das Coding-Konzept mit parallelen Sandbox-Agenten ist dabei kein Alleinstellungsmerkmal. OpenAI hat Codex, Anthropic Claude Code im Browser, Cursor steuert in Version drei ganze Agenten-Flotten. Etwas verwirrend: Der Name Vibe bezeichnete bisher Mistrals Coding-Assistenten Vibe 2.0, jetzt steht er für das gesamte Produkt inklusive Work Mode.
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