18. Februar 2026 Thomas Pany
Bild: shutterstock.com
ZDF nutzte KI-Bilder für ICE-Bericht im heute-journal. Die Panne wurde auf X aufgedeckt, bevor Leitmedien reagierten. Ein Kommentar.
Das ZDF hat bei einem Beitrag für das heute-journal gepfuscht. Die Redaktion wollte zeigen, wie brutal die Einwanderungsbehörde ICE in den USA vorgeht.
Um dies mit Bildern aus dem echten Leben zu dokumentieren, griff sie zu KI-generiertem Bildmaterial und zu einem Ausschnitt aus einem älteren Video aus einem ganz anderen Kontext, der nichts mit der Vorgehensweise von ICE zu tun hatte.
Dem doppelten Bock, der hier geschossen wurde, schließt sich eine ganze Reihe von Fragen an. Beginnen wir mit dem Klassiker, dem großen Schlüssel zum Vorwurf der manipulierten Öffentlichkeit: cui bono?
Das ist in diesem Fall recht eindeutig zu beantworten: Es profitieren die Kritiker und Gegner der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Sie waren wacher als andere und sahen das Wasserzeichen, mit dem die KI-generierten Bilder gekennzeichnet waren, früher und schneller.
Das Desaster
Ausgerechnet auf X – jener Plattform, die von vielen seriösen Journalisten mehr oder weniger ausdrücklich als trashige Bühne bezeichnet wird, von der man sich besser fernhält, weil dort zu viel Fake, Hate und Verschwörungserzählungen kursieren –, kamen die ersten Hinweise darauf, dass etwas in dem heute-journal-Beitrag nicht journalistisch sauber war.
Die Quellen reichten von alternativen Medien und dem ÖRR-Blog bis hin zu namhaften Medienkritikern wie Peter Welchering sowie politischen Akteuren wie dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. Letztere werden von Leitmedien in der Regel kaum oder nur ausnahmsweise zitiert. Das Thema war dort bereits ausführlich bearbeitet, bevor Medien wie die SZ, die FAZ oder Die Zeit sich der Sache annahmen – offenkundig auch deshalb, weil die Fehler zu eklatant waren, um sie zu ignorieren.
Die Fehler räumte schließlich auch das ZDF ein. Allerdings auf eine Weise, die den Kritikern weiter Wasser auf die Mühlen lieferte. In kleinen Zügen ruderte die heute-journal-Redaktion zurück. Die Versuche des Senders, das Desaster zu managen, machten die Sache nicht besser, sondern eher schlimmer. Man tat sich ganz offensichtlich schwer damit, eigene Fehler in der Berichterstattung klar einzugestehen.
Zunächst korrigierte man sich auf eine unaufrichtige, kleinliche Art, die den Widerspruch zu den hohen Ansprüchen des ZDF beim Umgang mit KI, Fake-News und Faktenchecks nur noch deutlicher hervortreten ließ. Schließlich wurde eine Entschuldigung in einem eigenen heute-journal-Beitrag nachgereicht – nachdem alle Retusche vergebens gewesen war.
Paradoxe Situation
Das mündete in der paradoxen Situation, dass ausgerechnet das Lager derjenigen, die Faktenchecks grundsätzlich anzweifeln, sich nun als die eigentlichen Faktenchecker darstellen konnte.
Das ist politisches Kapital, das der riesige Apparat des ZDF – der über ausreichend Ressourcen zur Überprüfung von Inhalten verfügen müsste – seinen Gegnern selbst zur Verfügung gestellt hat.
Das hätte nicht passieren dürfen. Wer sich an Medienstaatsverträge hält, muss zu dem Schluss kommen: KI-Bilder haben in der Informationsberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender nichts verloren.



