CDU und CSU debattieren Maßnahmen für den Schutz von Jugendlichen im digitalen Raum. Wenn TikTok wie eine Droge wirke, "müssen wir was tun", sagt Jens Spahn.
29. September 2025, 2:25 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, sbo
Die Union debattiert nach Angaben von Fraktionschef Jens Spahn über eine Altersgrenze ab 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien. In CDU und CSU werde die Frage nach zusätzlichen Regeln für den Jugendschutz intensiv diskutiert, sagte der CDU-Politiker der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Wir wägen noch ab", erwiderte Spahn auf die Frage nach einem Verbot für die App TikTok und fügte hinzu: "Eine Möglichkeit wäre eine Altersgrenze für Social Media bei 16 Jahren."
Spahn sagte, Hirnforschern zufolge sprächen die Apps wie Instagram und TikTok das Belohnungssystem im Hirn in etwa so an wie Heroin. "Wer schon mal versucht hat, einem Zwölfjährigen das Smartphone wegzunehmen, während der bei TikTok unterwegs ist, weiß um die Entzugserscheinungen."
Verbote seien "ein scharfes Schwert". "Aber wir verbieten Jugendlichen auch Alkohol und Nikotin, um das noch wachsende Gehirn zu schützen. Und wenn TikTok wie eine noch härtere Droge wirkt, müssen wir was tun", sagte der Unionsfraktionsvorsitzende. Noch sei keine Entscheidung gefallen, "wir wägen noch ab", sagte Spahn weiter.
Thüringens Ministerpräsident für Altersgrenze
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sprach sich für eine Altersgrenze bei der Nutzung von Social Media aus. "Wir haben die erste Generation, an der wir ein digitales Experiment ohne jegliche Kontrolle durchführen", sagte der CDU-Politiker am Montag der Mediengruppe Bayern. "Manche sagen, das wäre alleinige Aufgabe der Eltern, aber das greift zu kurz. Wir lassen nicht zu, dass ein 14-Jähriger Auto fährt, ein 13-Jähriger raucht oder Alkohol trinkt. Aber wir lassen zu, dass sich Kinder und Jugendliche auf Plattformen herumtreiben, die Süchte, psychische Erkrankungen, eine Kultur des ewigen Vergleichens befördern, die nicht akzeptabel ist."
Jeder fünfte Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren sei schon einmal von einem fremden Erwachsenen durch einen Fake-Account nach einem Nacktbild gefragt worden, fügte Voigt hinzu. "Unser Rechtsstaat muss auch im Digitalen funktionieren. Handys raus aus den Schulen, klare Beschränkungen für Social Media unter 16 Jahren. Kinder und Jugendliche sollen ihre Kindheit unbeschwert erleben können."
Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt zu stärken. In den vergangenen Monaten äußerten sich Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien zu einer Altersgrenze in den sozialen Medien. CSU-Chef Markus Söder lehnt sie ab. Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hält solche Vorgaben für schwer durchsetzbar. Grünenchefin Franziska Brantner hingegen hat sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ausgesprochen.



