TRMNL: E-Ink-Display für Zuhause angeschaut

9 months ago 9

Der eine oder andere unter euch hat sicher schon einmal in Erwägung gezogen, sich nach einem smarten Display umzuschauen. Es gibt ja schon ein paar Geräte in diesem Bereich, für mich sollte es aber etwas Dummes sein. Etwas, das ich irgendwo hinstellen kann und entscheiden kann, was genau darauf angezeigt wird. TRMNL hat vor einiger Zeit ein Kickstarter-Projekt zu seinem E-Ink-Display gestartet. Ich habe mir mal zwei Modelle besorgt und Zuhause ausprobiert.

Design und Verarbeitung

Beim ersten Auspacken fällt direkt das minimalistische und funktionale Design auf. Das Gerät besteht aus einem Kunststoffgehäuse, das sich solide anfühlt und durch ein schlichtes Weiß überzeugt. Es geht sicherlich wertiger, aber für einen Bilderrahmen mit E-Ink-Darstellen ist das allemal ausreichend. Mit den kompakten Abmessungen von 171 × 116 × 10 mm ist es angenehm unauffällig und lässt sich problemlos an die Wand hängen oder auf einem Tisch platzieren. Für Letzteres liegt ein kleiner, verchromter Standfuß aus Stahl bei, der sich auf der Rückseite ausklappen lässt.

Die Front wird komplett vom E-Ink-Panel dominiert. Ab Werk kommt das Display in Schwarz-Weiß, was bei E-Ink-Geräten gängig ist.

Technische Daten und Ausstattung

  • Display: 7,5″ E-Ink (1-Bit, Schwarz-Weiß)
  • Innereien: ESP32-Mikrocontroller
  • Akku: 1.800 mAh Lithium-Akku (Herstellerangaben: bis zu 3 Monate Laufzeit)
  • Konnektivität: Wi-Fi für Datenaustausch, keine Kabelverbindung notwendig
  • Gehäuse: Soft-Touch ABS-Kunststoff (Farbe: Weiß), Standfuß aus Metall
  • Gewicht: Ca. 165 g

Der (laut Hersteller) bis zu drei Monate haltende Akku mit 1800 mAh ist das eigentliche Feature, das den langen autarken Betrieb ermöglichen soll. Keine Abhängigkeit von einer Steckdose und das über Monate hinweg. Nach dem Motto „Nur Strom bei Bedarf“ wird nämlich ausschließlich beim Neuladen oder Aktualisieren der Inhalte Energie verbraucht. Auf Wunsch kann man beim Kauf einen größeren Akku mit 2500 mAh verbauen lassen. Dieser hält je nach Aktualisierungsrate 6 Monate oder mehr.

Einrichtung und Praxis

Die Ersteinrichtung ist simpel und intuitiv. Nach dem Einschalten verbindet man das TRMNL per WLAN mit dem Netzwerk. Dazu wählt man im Setup-Menü sein Heimnetz aus und gibt das Passwort ein. Hier bin ich leider auf ein paar Problemchen gestoßen. Denn es gibt noch ein paar bekannte Probleme. Das WLAN hat am Anfang herumgezickt und die Geräte wollten sich nicht so recht verbinden. Nach ein paar Anpassungen am 2,4GHz-WLAN und dem Lesen des Support-Artikels hat es dann aber geklappt. Danach steuert man die Weboberfläche des Geräts (bzw. des Anbieters) an und legt dort fest, wie oft der Bildschirm aktualisiert werden soll und welche Inhalte erscheinen.

Was hier sofort auffällt, ist die Flexibilität des Systems. TRMNL selbst zeigt eigentlich nur Bitmap-Grafiken an. Diese 1-Bit-Bilder (im Schwarz-Weiß-Format) werden auf einem Server generiert. So kann man beliebige Informationen zu einem einzigen Bild zusammenfügen, ob Wetter, Kalender, RSS-Feeds, To-do-Listen oder sogar Grafiken aus selbst erstellten Apps. Einmal konfiguriert, weckt sich das Gerät in einem gewünschten Intervall (z. B. alle 15 oder 30 Minuten), holt die aktuellen Bilder ab und legt sich wieder schlafen. Je länger die Intervalle, desto länger die Akkulaufzeit.

Plugins, Playlists & Open Source

Das Webinterface von TRMNL stellt ein Plugin-System bereit, mit dem man bestehende Module (z.?B. für Google-Kalender oder Reddit) sehr einfach einrichten kann. Man authentifiziert sich gegebenenfalls über OAuth und wählt, wie die Inhalte dargestellt werden sollen. Anschließend lassen sich verschiedene Plugins in einer Playlist oder einem „Mash-up“ zusammenführen. So kann man etwa morgens einen Kalender einblenden, später ein To-do-Widget und abends eine Übersicht über bevorstehende Serienstarts oder Sportergebnisse.

Eine Besonderheit ist, dass man mehrere Plugins auch gleichzeitig auf dem Display anzeigen kann, indem man sie in Kacheln anordnet. Es wird dann nur eine große Bitmap erzeugt, in der jede Kachel an der richtigen Stelle sitzt.

Spannend wird es bei der offenen Architektur. Die Firmware des TRMNL steht unter GPLv3-Lizenz. Das bedeutet, wer basteln möchte, kann sich den Code anschauen, eigene Anpassungen vornehmen oder sogar versuchen, mit ähnlicher Hardware ein eigenes Gerät zu bauen. Der Hersteller spricht von einem offenen Ökosystem, das einerseits Endanwendern dienen soll (die einfach ein fertiges Produkt möchten), andererseits Tüftlern und Entwicklern mit einer API zur Verfügung steht.

Um komplett eigene Plugins über den Server des Herstellers laufen zu lassen, zahlt man einmalig 20,00?€ für eine API-Lizenz. Wer das umgehen möchte, setzt einen eigenen Server auf – ebenfalls vom Hersteller dokumentiert – und kann so seine Datenverarbeitung unabhängig betreiben. So entsteht kein Zwang zu Abomodellen, was gerade in Zeiten zunehmender „Abo-Trends“ wohlwollend hingenommen wird.

TRMNL in der Praxis

In meinem Test machte das Display einen sehr guten Job. Die Inhalte, die ich mir eingerichtet hatte – Kalender, Wetter, RSS-Feed meines Lieblingsblogs 😉 – aktualisierten sich reibungslos. Der Wechsel der Bilder dauert nur ein bis zwei Sekunden. Auch wenn die Anzeige nicht für Videos gedacht ist (Schaltzeiten von E-Ink sind dafür viel zu langsam), macht das Display einen tollen Job als reines Info-Board. Mehr möchte es auch nicht sein, dann Touch ist hier eh Mangelware.

Die Darstellung bleibt selbst bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut lesbar. Wer einen E-Reader schätzt, wird sich hier direkt heimisch fühlen. Ob im Home-Office oder an der Küchenwand, das TRMNL fügt sich optisch gut ein und wirkt weder zu groß noch zu klein.

Das Fazit

Natürlich ist der TRMNL mit rund 130 € kein Spontankauf. Für ein 7,5-Zoll-E-Ink-Display mag das manchen hoch erscheinen. Andererseits bekommt man dafür ein langfristiges Setup, das ohne laufende Kosten auskommt, monatelang ohne Steckdose betrieben werden kann und eine tolle offene Softwarestruktur für eigene Ideen bietet. Besonders Technikbegeisterte werden die Freiheit lieben, eigene Plugins zu bauen oder die Firmware anzupassen. Wer hingegen einfach nur einen stromsparenden Info-Screen haben möchte, wird schon mit den vorkonfigurierten Optionen glücklich.

In meinen Augen ist das TRMNL ein guter Mix aus Minimalismus und Flexibilität. Für Live-Videos oder schnelles Surfen taugt es nicht, dafür ist E-Ink einfach ungeeignet. Doch als dezentes Dashboard für Kalender, To-dos oder Wetterdaten erfüllt es voll seinen Zweck. Solltet ihr euch das Display anschauen wollen, nutzt beim Kauf gern den Code „CASCHYS“ über den ihr 10 Euro Rabatt und der Blog auch 10 Euro bekommt.

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