Superintelligenz? Von wegen – nur cleveres Marketing!

1 month ago 4

18. Januar 2026 Marcus Schwarzbach

Euro mit KI-Motiv In Seilzug

Im Betriebsalltag zeigt sich: Messbare Produktivitätssteigerungen bleiben aus, während Cyberrisiken steigen und erste Konzerne Tausende Jobs streichen.

Mancher Verfechter der Künstlichen Intelligenz spricht von "Superintelligenz" – im betrieblichen Alltag überwiegen aber Unsicherheiten und die vergebliche Suche nach Quantensprüngen bei der Produktivität.

Der Chefentwickler von Google, Ray Kurzweil, warnte vor einer Gefährdung der Menschheit durch KI: Die KI-Singularität soll der Zeitpunkt sein, an dem die künstliche die menschliche Intelligenz übertrifft und sich selbst so rasant verbessert, dass es unvorhersehbare Folgen hat.

Inzwischen stellen sich manche Ankündigungen als clevere Marketingideen der Tech-Konzerne heraus. "Die Realität des Jahres 2025 zeigt uns allerdings nur Systeme, die uns lediglich auf der Basis eines Trainings mit riesengroßen Datenmengen die wahrscheinlich brauchbarsten Antworten auf eine Anfrage liefern", schreibt Karl Schmitz von der Technologieberatungsstelle TSE Hamburg:

"Es scheint inzwischen, dass der Höhenflug der Künstlichen Intelligenz ins Stocken geraten ist. Zu deutlich wird die Diskrepanz zwischen den Versprechungen und den mageren Ergebnissen. Natürlich möchte niemand missen, wie elegant einfach es ist, mithilfe eines Chatbots eine Wissenslücke zu schließen."

Die Technik sei dabei, sich selber zu zerstören. Werbeversprechen werden oft nicht gehalten, "Investoren verdirbt sie die Laune, weil sie keine Returns on Investment sehen". Aber ein "qualitativer Fortschritt in Richtung einer mit der menschlichen Intelligenz mithaltenden oder sie übertreffenden Künstlichen Intelligenz ist nicht erkennbar".

KI-Investitionen steigen bei Industrie und Dienstleistern

Ungeachtet dieser Skepsis stellen Unternehmen große Budgets für Neuerung zur Verfügung. Eine Untersuchung der Managementberatung Horváth zeigt, dass Industrieunternehmen 21 Prozent mehr in KI investieren wollen und Dienstleister rund neun Prozent.

"Während es in den vergangenen zwei Jahren noch viel um das Ausloten der KI-Potenziale und der Realisierung erster Mehrwerte ging, sind die mit dem KI-Einsatz verfolgten Ziele der Unternehmen jetzt deutlich konkreter: Es geht um die Neugestaltung von Prozessen mit KI, um substanzielle Effizienzsteigerung zu realisieren."

Matthias Emler, Managementberatung Horváth

Die Untersuchung zeigt, dass sich Unternehmen von einem KI-Einsatz viel versprechen. Doch damit Erfolge erzielt werden können, müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Es reiche nicht aus, KI technisch einzuführen. Der Wandel müsse strukturell und von den Prozessen her begleitet werden, so die Beratungsfirma.

Professorin verweist auf den "Faktor Mensch"

Auf den Faktor "Mensch" verweist Uta Wilkens, Professorin der Ruhr-Universität Bochum. Derzeit werde viel ausprobiert. Das Nutzungsverhalten sei bei KI derzeit sehr experimentell:

"Also gar nicht, weil sie einfach nur eine Lösung generieren wollen, sondern weil sie die generative KI schon als zusätzliche Meinung, als erst mal Vorschlag, der im Raum steht, an dem man dann weiterarbeiten kann, gegebenenfalls sogar als Inspirator."

Produktivitätssteigerungen sind schwer messbar. Denn derzeit werde die Technik nicht in erster Linie zu Selbstautomatisierung von Prozessen genutzt. Umgang mit der Technik setze jedoch auch Kenntnisse der Beschäftigten voraus, so die Wissenschaftlerin gegenüber dem gewerkschaftlichen Online-Magazin DENK-doch-MAL.de.

"Man muss auch dort, wo man die Technologie einsetzt, bestimmte Fähigkeiten auch immer noch ohne diese Technologie vollständig erwerben. Das haben wir ja auch in anderen Zusammenhängen immer gemacht. Also muss da noch jemand irgendwas feilen oder wie auch immer. Das mag sich auch irgendwann verschieben. Ich habe nur den Eindruck, dass wir aktuell noch in einem Entwicklungsstadium sind, wo wir noch nicht sicher sagen können, das ist ja alles überhaupt nicht mehr notwendig und wird sowieso absolut sicher technologisch abgebildet."

Uta Wilkens

KI beinhaltet jedoch erhebliche Risiken – das zeigt eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft PWC. 67 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen in den Unternehmen stellen fest, dass generative KI die Angriffsfläche für Cyberangriffe deutlich vergrößert.

Neun von zehn Unternehmen hierzulande wurden in den vergangenen drei Jahren bereits Opfer von Datendiebstahl und -missbrauch. Dabei sorgte auch KI für erhebliche Angriffe.

Das schreckt eine Größe der Finanzbranche kaum: Ein Tochterunternehmen der Allianz-Versicherung will über 1.500 Mitarbeiter durch KI ersetzen. Einfache Kundenanrufe sollen zunehmend mit Technikeinsatz beantwortet werden, berichtet das Manager Magazin.

Die Firma prüfe "derzeit aktiv, wie sich der technologische Wandel auf uns alle auswirken wird", heißt es in einer Mitteilung. Das könne "auch Auswirkungen auf Rollen haben, die heute stark von manuellen Prozessen geprägt sind."

Bei Allianz Partners sollen demnach bis zu 1.800 Arbeitsplätze in den nächsten zwölf bis 18 Monaten wegfallen, vor allem in Callcentern. "Wen es nervt, bei Kunden-Hotlines mit Computerstimmen zu sprechen, der wird bei der Allianz künftig womöglich weniger Freude haben als bisher", kommentiert das Manager Magazin.

Read Entire Article