10. Februar 2026 Bernd Müller
(Bild: slexp880 / Shutterstock.com)
KI-Rechenzentren saugen den Markt leer – und zwingen selbst Tech-Giganten wie Apple zu drastischen Schritten. Verbraucher trifft es hart.
Wer seinen Computer aufrüsten möchte, kennt die aktuelle Situation: Der Markt für Speicherchips steht kopf. Seit mehreren Monaten steigen die Preise für DRAM-Bausteine kontinuierlich an – und ein Ende scheint noch nicht erreicht zu sein.
Das spaltet die Technologiebranche an den Börsen. Viel Geld verdienten die Hersteller von Speicherchips. Und alle, die sie in Computer, Handys, Spielekonsolen und andere Elektronik verbauen, haben spürbare Verluste gemacht.
Preise für Arbeitsspeicher vervielfachen sich erheblich
Kern des Problems ist der Boom bei der Künstlichen Intelligenz. Unternehmen wie Amazon investieren dreistellige Milliardenbeträge in den Ausbau von Rechenzentren. Und das hat die Nachfrage nach leistungsfähigen Speicherchips in die Höhe getrieben.
Die Folge: steigende Preise bei Smartphones, Autos, Spielekonsolen – und allen Geräten, die auf Speicherchips angewiesen sind. Und das, obwohl Verbraucher sich mit Neukäufen zurückhalten.
An den internationalen Börsen zeigen sich die Verwerfungen besonders deutlich. Wie Bloomberg berichtet, fiel ein Index für Unterhaltungselektronik seit September um zehn Prozent. Im gleichen Zeitraum schoss ein Vergleichsindex für Speicherproduzenten um 160 Prozent in die Höhe.
Aktienkurse namhafter Technologiekonzerne unter Druck
Für Nintendo, den Hersteller beliebter Spielekonsolen, ging es kürzlich um elf Prozent nach unten. An einem Tag. Zuvor hatte das Unternehmen vor schrumpfenden Margen gewarnt, was dem Chipengpass geschuldet war.
Der Aktienkurs von Qualcomm, dem US-Spezialisten für Mobilfunkchips, ging um mehr als acht Prozent in den Keller. Das Unternehmen hatte erklärt, dass der Mangel an Speicherchips die weltweite Handyproduktion merklich bremsen wird.
Selbst der Technologieriese Apple blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Der iPhone-Hersteller meldete zwar Rekorderlöse von 143,8 Milliarden US-Dollar im zurückliegenden Weihnachtsquartal.
Konzernchef Tim Cook dämpfte jedoch die Erwartungen für die kommenden Monate erheblich. Die steigenden Einkaufspreise für Speicherkomponenten würden die Gewinnmargen deutlich stärker belasten als im vorherigen Quartal, erklärte er gegenüber Finanzanalysten. Die Apple-Aktie gab daraufhin um bis zu 2,4 Prozent nach.
Computerhersteller prüfen alternative Bezugsquellen aus China
Die aktuelle Situation könnte den Markt stärker verändern, als viele bislang annahmen. Denn namhafte PC-Marken suchen inzwischen nach Alternativen zu bisherigen Chiplieferanten.
So hatte das Magazin Nikkei Asia kürzlich berichtet, dass Unternehmen wie HP, Dell, Acer und Asus erstmals ernsthaft erwägen, Speicherchips aus China zu beziehen. HP und Dell sollen demnach bereits Bauteile des chinesischen Herstellers ChangXin Memory Technologies prüfen, ob sie geeignet sind.
HP beobachte die Lage bis Mitte kommenden Jahres und würde den chinesischen Anbieter eher für Märkte außerhalb der USA in Betracht ziehen, heißt es in dem Bericht.
Ungewisse Aussichten für die kommenden Monate
Wie lange die Krise bei Speicherchips noch andauern wird, ist unklar. Analysten gehen laut Reuters davon aus, dass sich die Lage innerhalb weniger Quartale wieder normalisieren wird.
Bei Qualcomm gehen Führungskräfte dagegen davon aus, dass die Lieferprobleme noch bis zum Ende des Geschäftsjahres anhalten werden. Einige Experten erwarten sogar Engpässe bis ins Jahr 2027 hinein.
Der weltweite Umsatz mit Halbleitern soll in diesem Jahr erstmals die symbolisch wichtige Marke von einer Billion US-Dollar erreichen. Das teilte der amerikanische Branchenverband Semiconductor Industry Association kürzlich mit.
Speicherchips bilden dabei nach Prozessoren die zweitgrößte Produktkategorie und legten im vergangenen Jahr um beachtliche 35 Prozent zu.



