Speicher-Krise: Warum PCs und Tablets jetzt deutlich teurer werden

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13. März 2026 Matthias Lindner

Hintergründe zu Speicherkonzepten mit hoher Bandbreite. 3D-Darstellung

(Bild: MeshCube / Shutterstock.com)

DRAM-Mangel treibt die Preise für Computer und Tablets in die Höhe. Marktforscher erwarten keine Entspannung vor 2028. Was Käufer jetzt wissen müssen.

Wer sich in den kommenden Monaten einen neuen Laptop, Desktop-PC oder ein Tablet zulegen möchte, wird beim Blick auf die Preisschilder eine unangenehme Überraschung erleben. Der Grund: Weltweit fehlt es an Arbeitsspeicher – also jenen DRAM-Chips, die dafür sorgen, dass Programme flüssig laufen und mehrere Anwendungen gleichzeitig geöffnet bleiben können.

Laut einer aktuellen Analyse des Marktforschungsunternehmens IDC dürften die weltweiten PC-Verkäufe 2026 um mehr als elf Prozent einbrechen, bei Tablets um rund 7,6 Prozent.

Weniger Geräte verkauft, trotzdem höhere Umsätze

Auch wenn der Absatz sinken dürfte, geht die Branche von steigenden Umsätzen aus.

IDC rechnet beim Umsatz im PC-Segment mit einem Plus von 1,6 Prozent, insgesamt dürften die Umsätze dann auf etwa 274 Milliarden US-Dollar wachsen. Bei Tablets soll der Umsatz sogar um knapp vier Prozent auf etwa 66,8 Milliarden US-Dollar klettern.

Diese Tendenz hat ihren Grund: Die Hersteller geben die gestiegenen Einkaufspreise für Speicherchips schlicht an ihre Kunden weiter.

Wie drastisch sich die Kostenstruktur verschoben hat, zeigt ein Blick auf den Notebook-Hersteller HP: Speicherchips machen dort inzwischen rund 35 Prozent der gesamten Materialkosten eines Laptops aus. Noch vor wenigen Monaten lag dieser Anteil bei 15 bis 18 Prozent.

Auch Konkurrenten wie Dell und ASUS drehen an der Preisschraube. Manche Hersteller greifen zudem zu einem anderen Mittel: Sie verbauen in einigen Modellen schlicht weniger Arbeitsspeicher – was Geräte zwar günstiger hält, aber auf Kosten der Geschwindigkeit geht. Wahrscheinlich werden die Geräte dann auch schneller ersetzt werden müssen, weil sie künftigen Anforderungen nicht mehr gewachsen sein dürften.

Künstliche Intelligenz frisst den Speichermarkt auf

Die zentrale Ursache für die Knappheit liegt nicht in kaputten Fabriken, sondern in einer massiven Verschiebung der Nachfrage. Große Technologiekonzerne wie Amazon, Google und Microsoft stecken 2026 voraussichtlich rund 650 Milliarden US-Dollar in den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz.

Diese KI-Systeme benötigen spezielle Hochleistungsspeicher – sogenannte High-Bandwidth Memory, kurz HBM. Dabei handelt es sich um mehrere übereinander gestapelte Speicherschichten, die Daten um ein Vielfaches schneller transportieren als herkömmliche Chips.

Die drei großen Hersteller – Samsung und SK Hynix aus Südkorea sowie Micron aus den USA – konzentrieren ihre Fabriken deshalb zunehmend auf diese lukrativen KI-Chips. Für den gewöhnlichen Arbeitsspeicher, der in Laptops, Tablets und Smartphones steckt, bleibt dadurch immer weniger Produktionskapazität übrig.

Hersteller von Alltagselektronik stehen bei der Chipvergabe praktisch ganz hinten in der Schlange, weil KI-Kunden bereitwillig höhere Preise zahlen und sich Lieferungen langfristig sichern.

Konflikte und Rohstoffmangel als zusätzliche Belastung

Neben dem KI-Boom verschärfen geopolitische Krisen die Situation weiter. IDC-Manager Ryan Reith beschreibt die Lage als eine Häufung von Problemen, die Unternehmen die Planung nahezu unmöglich mache.

Besonders der Konflikt im Nahen Osten sorgt für Unruhe in der Branche: Die Region liefert große Mengen Helium – ein Gas, ohne das Chipfabriken ihre Siliziumscheiben nicht kühlen können.

Nachdem ein Drohnenangriff eine zentrale Erdgasanlage in Katar lahmlegte, stiegen die Heliumpreise sprunghaft an. Gleichzeitig treiben steigende Ölpreise die ohnehin hohen Stromkosten der energiehungrigen Chipfabriken weiter nach oben.

Nicht alle Branchenakteure teilen jedoch die düstere Einschätzung. Der taiwanesische Chipfertiger TSMC etwa sieht bislang keine gravierenden Auswirkungen auf sein Geschäft und beobachtet die Entwicklung vorerst nur.

Was Käufer in den nächsten Jahren erwartet

So schnell wird man also wohl nicht damit rechnen können, dass die Preise wieder sinken. IDC-Analyst Jitesh Ubrani schätzt, dass der Speichermangel bis weit ins Jahr 2027 anhalten wird.

Auch wenn sich dann die Lage vielleicht etwas lockern dürfte, so Ubrani, gehen die Preise wohl nicht wieder auf das Niveau von 2025 zurück. Dass die Elektronik teuer ist, wird wohl zum Normalfall.

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