Shutterstock-CEO nach geplatztem Getty-Deal weg – Fotonews der Woche 29/2026

1 month ago 11

Ein geplatztes Milliardengeschäft, und schon steht ein Konzern ohne Chef da. Bei Shutterstock war es genau dieser Ablauf. Die Bilderbranche verfolgt das Ganze mit einer Mischung aus Staunen und Kopfschütteln.

Das Titelbild der Ausgabe 03 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

(Bild: 

heise

)

Es hätte die größte Konsolidierung in der Geschichte der Stock-Fotografie werden können: Shutterstock und Getty Images, die beiden Schwergewichte der Branche, wollten zusammengehen. Ein Deal, der die Bilderwelt umgekrempelt hätte, mit einem gemeinsamen Archiv von weit über 500 Millionen Fotos, Illustrationen und Videos. Daraus wird nun nichts. Die Fusion ist geplatzt – und das ziemlich spektakulär.

Wie wir bereits in den Fotonews der Woche 27/2026 berichteten, liefen die Verhandlungen zwischen beiden Unternehmen offenbar in eine Sackgasse. Über die genauen Gründe schweigt man sich lieber aus. In der Unternehmenswelt heißt das dann „unterschiedliche strategische Vorstellungen“. Auf gut Deutsch: Man war sich einfach nicht einig.

Für Fotografen und Bildagenturen weltweit ist das eine zwiespältige Nachricht. Der Markt bleibt kompetitiver, das schon. Aber ein fusioniertes Mega-Unternehmen hätte den Kreativen ohnehin wenig genützt – mehr Marktmacht bedeutet selten höhere Ausschüttungen für Fotografen.

Als wäre das nicht genug, kam kurz darauf die nächste Hiobsbotschaft: Paul Hennessy, CEO von Shutterstock, verlässt das Unternehmen. In der offiziellen Mitteilung ist vornehm von einem „Leadership Transition“ die Rede. Im Klartext heißt das ungefähr: Der Kapitän geht von Bord, nachdem das Schiff auf ein Riff gelaufen ist.

Hennessy stand seit 2022 an der Spitze von Shutterstock und hatte den Deal mit Getty Images maßgeblich vorangetrieben. Dass er nun wenige Wochen nach dem geplatzten Zusammenschluss seinen Hut nimmt, überrascht niemanden – das ist Unternehmenslogik in Reinform. Wer den großen Coup nicht landet, trägt die Konsequenzen. Die Interimsführung übernimmt Finanzchef Rik Powell, ein permanenter Nachfolger ist bislang offen.

Shutterstock hat jetzt gleich zwei Baustellen: einen zerbrochenen Mega-Deal und eine unbesetzte Führungsposition. Und das in einem Markt, der ohnehin unter Druck steht. Denn die eigentliche Bedrohung für klassische Bildagenturen kommt nicht vom Wettbewerber nebenan, sondern von der Künstlichen Intelligenz. KI-Bildgeneratoren wie Midjourney, Dall-E oder Adobes Firefly liefern in Sekunden Bilder, für die Kunden früher tief in die Shutterstock-Datenbank gegriffen hätten.

Kurios daran: Shutterstock hat selbst früh auf KI gesetzt und unter anderem Partnerschaften mit OpenAI und weiteren KI-Unternehmen geschlossen. Nur reicht das, um langfristig relevant zu bleiben? Und wer treibt diese Strategie jetzt eigentlich weiter?

Für Getty Images ist die Lage kaum entspannter. Auch der Bildriese kämpft mit denselben strukturellen Problemen – nur eben ohne den erhofften Zusammenschluss, der Skaleneffekte und Kostensynergien gebracht hätte.

Die klassische Stockfoto-Branche steckt in einer Zäsur. Das Geschäftsmodell, das seit den 1990er-Jahren trägt – große Archive, Lizenzgebühren, Abonnements –, gerät so stark unter Druck wie nie. Wer die nächste Dekade überstehen will, muss sich neu erfinden. Ob das Shutterstock mit einer neuen Führung gelingt, wird sich zeigen.

Eines ist sicher: Unter den Fotos, die in den Shutterstock-Archiven schlummern, ist garantiert auch eines dabei, das jemanden ratlos vor einem leeren Schreibtisch zeigt. Stockfoto-Karma, sozusagen.

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Während die Stockfoto-Branche ihre internen Dramen abarbeitet, gibt es für Fotografen anderswo erfreulichere Neuigkeiten: Der Wellcome Photography Prize hat seine neue Einreichungsrunde geöffnet und lockt mit einem Preistopf von insgesamt 52.000 britischen Pfund.

Der Wellcome Photography Prize zählt zu den renommiertesten Fotowettbewerben weltweit und wird von der Wellcome-Stiftung ausgerichtet, einer der größten gemeinnützigen Organisationen im Bereich Wissenschaft und Gesundheit. Entsprechend dreht sich das Wettbewerbsthema um den Menschen – Gesundheit, Wissenschaft, das Leben selbst. Gesucht werden Bilder, die komplexe wissenschaftliche und medizinische Themen sichtbar und zugänglich machen, ohne den künstlerischen Anspruch fallen zu lassen.

Das Besondere am Wellcome Prize: Er steht Profis wie Amateuren offen. Wer also bisher gezögert hat, seinen besten Schnappschuss aus dem Krankenhaus, dem Labor oder dem Alltag einzureichen – jetzt ist der Moment. Das Gewinnerbild der letzten Runde, eine kontrastreiche Aufnahme eines ländlichen Picknicks auf einem städtischen Dach, zeigt eindrucksvoll, wie weit sich der Begriff „Gesundheit“ hier dehnen lässt: Es geht um Wohlbefinden, um Gemeinschaft, um das, was Menschen am Leben hält – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Einreichen lassen sich die Bilder direkt über das offizielle Portal unter photoprizeentry.wellcome.org. Kategorien, Teilnahmebedingungen und die aktuelle Deadline stehen ebenfalls dort. Ein Tipp aus der Redaktion: Nicht bis zur letzten Minute warten – gute Bilder verdienen eine sorgfältige Einreichung.

Wer professionell im Studio fotografiert, kennt das Ritual: Kamera per Kabel an den Rechner, Capture One starten, und jedes Bild landet in Echtzeit auf dem großen Monitor. Praktisch, aber eben auch eine ordentliche Kabelsalat-Orgie. Damit könnte jetzt Schluss sein, denn Capture One hat drahtloses Tethering für mobile Geräte eingeführt.

Konkret heißt das: Fotografen verbinden ihre Kamera künftig kabellos mit der Capture One Mobile App und übertragen Bilder direkt auf ein iPad oder iPhone – in Echtzeit, ohne USB-Kabel, ohne den üblichen Stolperfallen-Parcours durchs Studio. Gerade bei Location-Shootings, wo ein Laptop am Set oft nur im Weg steht, ist das ein echter Fortschritt.

Bislang galt Capture One Mobile vor allem als Companion-App – nützlich, aber nicht zwingend unverzichtbar. Mit dem drahtlosen Tethering bekommt sie nun ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Professionelle Fotografen, die viel unterwegs oder außerhalb des Studios arbeiten, dürften hellhörig werden.

Technisch setzt Capture One auf eine direkte WLAN-Verbindung zwischen Kamera und Mobilgerät, ganz ohne Umweg über einen externen Router. Das drückt die Latenz und macht das System deutlich praxistauglicher als frühere Ansätze. Vorerst werden nur die Canon EOS R5 Mark II und EOS R1 unterstützt; ob es Einschränkungen bei Bildqualität oder Metadaten gibt, steht in den aktuellen Feature-Übersichten auf der Capture One Website.

Der Trend ist klar: Capture One entwickelt sich in Richtung mobiler Workflow, und das ist eine Ansage an die Konkurrenz. Adobe Lightroom Mobile hatte in diesem Feld lange die Nase vorn. Der Abstand schrumpft.

Wir machen das, was ein gutes Foto manchmal braucht: eine Pause zum Nachschärfen. Die Fotonews gehen für drei Wochen in die Sommerpause – Kamera aus, Sonnencreme drauf, Speicherkarten formatieren. Wir sind danach mit frischem Blick und geladenem Akku zurück.

(tho)

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