Medwedew warnt vor Irans Blockade-Macht

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Stand: 10.07.2026, 09:05 Uhr

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Medwedew warnt nach Khamenei-Beerdigung vor Blockaden von Hormus und Bab el-Mandeb – und verrät, wie brüchig der Waffenstillstand wirklich ist.

Teheran – Dmitri Medwedew ist am 4. Juli mit einem russischen Regierungsflugzeug aus Teheran nach Moskau zurückgekehrt. Der derzeitige Vizevorsitzende des vom Kreml eingesetzten Sicherheitsrates, der zwischen 2008 und 2012 während eines Interludiums anstelle Wladimir Putins Präsident war, war tags zuvor in den Iran entsandt worden, um die Delegation Moskaus bei den Trauerfeiern für Ajatollah Ali Khamenei zu führen.

Iran-Krieg - Straße von Hormus

Der Iran könnte schon bald weitere Meerengen blockieren. © Uncredited/AP/dpa

Auf dem Rückflug äußerte der russische Funktionär nur wenige Sätze, die erkennen ließen, wie fragil das Gleichgewicht war, das Teheran und Washington rund um die Meerenge von Hormus erreicht hatten. Mit dem Krieg „hat der Iran sich im Besitz einer anderen Waffe wiedergefunden, nicht weniger mächtig als eine Atombombe: die Straße von Hormus“. Indem er die Durchfahrt blockierte, habe Teheran seine Macht demonstriert, sagte Medwedew.

Medwedew warnt vor Irans „thermonuklearer Waffe“ – Öltransporte schon bald blockiert?

Es liefen Diskussionen darüber, wie die Meerenge künftig funktionieren werde. Medwedew glaube, der Iran habe einen Trumpf in der Hand, der über diese „Atomwaffe“ hinausgehe: Er verfüge auch über eine „thermonukleare Waffe“, und damit meine er die Meerenge Bab el-Mandeb. Sie könne im Falle eines Konflikts eingesetzt werden, um eine Lage zu schaffen, in der alle Transporte von Öl oder anderen Gütern vollständig blockiert würden.

Er hoffe, dass es nicht dazu komme, aber alle Staaten, die Konflikte suchten, müssten dies berücksichtigen. Der ehemalige russische Präsident hatte sich gerade erst bei den Führungskadern in Teheran informiert. Es geschah nur zwei Tage, bevor die Revolutionsgarden Teherans erneut einen Flüssiggastanker aus Katar, einen saudischen Öltanker und einen dritten Rohöltanker ins Visier nahmen, dessen Identität bislang unbekannt ist. Zur selben Zeit wagte sich ein weiterer indischer Öltanker, die Lila Vadinar, in Richtung Ausgang der Meerenge. Dieser kehrte jedoch um und fuhr in den Golf zurück, ganz offensichtlich, weil er sich von den Pasdaran bedroht fühlte.

Regierung in Teheran fordert Lizenzpflicht und neue „Behörde der Meerenge“

Die Schiffe hatten keine Durchfahrtslizenz bei den iranischen Revolutionsgarden beantragt. Sie hatten sich nicht bei der „Behörde der Meerenge des Persischen Golfs“ registrieren lassen. Diese hatte das Regime in Teheran im Mai geschaffen, um das Recht auf Kontrolle über diesen Seeabschnitt einzufordern. Die neue Eskalation des Krieges hängt mit diesem Missverständnis zusammen, das den Waffenstillstand untergräbt, der sich schon in den ersten Stunden nach der Ankündigung der Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran über Friedensverhandlungen abzeichnete.

Teheran fordert die Einführung eines Lizenzsystems für den Zugang zum und den Austritt aus dem Golf, möglichst verbunden mit Bezahlmechanismen. Das Weiße Haus hatte in den 14 Punkten des Mitte Juni vereinbarten Waffenstillstands einen entscheidenden Passus unterzeichnet: Iran – so heißt es in Punkt fünf – werde mit Oman über die künftige Verwaltung und die maritimen Dienste der Meerenge von Hormus verhandeln (…) im Einklang mit den souveränen Rechten der Küstenstaaten der Meerenge. Schon dieser Satz, den die Amerikaner akzeptierten, kommt der Verletzung jener Prinzipien der Freiheit der Navigation sehr nahe, die die Vereinigten Staaten selbst seit 80 Jahren auf Grundlage des Völkerrechts durchgesetzt haben. Zuletzt ordnete Präsident Trump einen US-Militärschlag auf den Iran während des NATO-Gipfels an.

Bedrohung für die Freiheit der Meere: Iran probte bereits 2023 die Blockade wichtiger Meerengen

Der Iran hat den Passus als Recht auf eine Art Maut – ausdrücklich oder unausgesprochen – oder zumindest als Kontrollbefugnis über die Gewässer gelesen. Dass Medwedew die Drohung zugleich auf die Meerenge Bab el-Mandeb ausgedehnt hat, die Sues und das Mittelmeer mit Asien verbindet und durch die heute ein Teil des saudischen Rohöls transportiert wird, ließ erkennen, dass die Verhandlungen über Hormus schlecht liefen. Teheran hatte bereits 2023 eine Generalprobe für die Blockade von Meerengen veranstaltet, indem es gezielt die jemenitische Huthi-Miliz dazu angestiftet hatte, Bab el-Mandeb zu blockieren. Seither hat sich der Verkehr dort nicht wieder erholt.

Beschwingt vom relativen militärischen Erfolg ist es sehr wahrscheinlich, dass der Iran versucht hat, den Einsatz zu erhöhen, indem er Bezahlformen für die Nutzung von Hormus verlangte. Doch es ist kein Zufall, dass der Vorgang die Russen so sehr interessiert: Moskau erhebt bereits Lizenzen und Zölle von Schiffen, die aufgrund der globalen Erwärmung zunehmend die Arktis in internationalen Gewässern zwischen dem Atlantik und den asiatischen Küsten des Pazifiks durchqueren.

Ein Präzedenzfall für die Kontrolle von Hormus, womöglich mit Maut, würde nichts anderes bewirken, als neue russische Ansprüche in der Arktis und auf die Beringstraße zu befeuern oder später vielleicht malaysische auf Malakka und chinesische auf die Meerenge von Taiwan. So ist die Freiheit der Navigation, die den globalen Handel in der Nachkriegszeit getragen hat, in eine neue, unwegsamere Ära eingetreten. (Dieser Artikel von Federico Fubini entstand in Kooperation mit Corriere della Sera)

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