Der Spiegel hat mehrere Bilder aus seiner Iran-Berichterstattung entfernt, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit per KI erzeugt oder verändert wurden.
Die Fotos stammten von der Agentur SalamPix und gelangten über die französische Agentur Abaca Press in das Angebot deutscher Bildagenturen. Betroffen sind laut dem Spiegel auch zahlreiche andere Medien, darunter Zeit, Süddeutsche Zeitung, WDR, Stern, Deutschlandfunk, Deutsche Welle, Welt, taz und B.Z.
Das auf digitale Bildforensik spezialisierte deutsche Unternehmen Neuramancer analysierte im Auftrag des Spiegel fünf Verdachtsfälle. Ergebnis: Ein Bild eines iranischen Flugzeugträgers aus der Vogelperspektive, ein Foto von Ali Khamenei mit seinem Sohn Mojtaba sowie das Bild eines Botschaftsgebäudes in Niger wurden als wahrscheinlich KI-generiert eingestuft. Bei einem Explosionsbild aus Teheran fanden sich Hinweise auf das KI-Tool Flux 2. Nur ein Bild iranischer Schulmädchen erwies sich als unauffällig.
Das vermeintliche Bild des iranischen Flugzeugträgers, weißt einige Fehler auf, wie hier die markierten Schatten. | Bild: [KI] (Kennzeichnung durch den SPIEGEL eingefügt) / SalamPix / ABACAPRESS / picture alliance
Die IRGC betreibt zudem einen umfangreichen Propaganda-Apparat mit eigenen Nachrichtenagenturen, Medienproduktionen und Cyber-Einheiten. Erst kürzlich veröffentlichte die regimenahe Tehran Times ein angebliches Satellitenbild der Zerstörung eines US-Radars in Katar – es stellte sich als per KI manipuliertes Google-Earth-Bild heraus.
Analyst Tal Hagin deckte den Fake der Tehran Times auf.Den Anstoß zur Spiegel-Recherche gab die niederländische Nachrichtenagentur ANP, die bereits rund 1.000 SalamPix-Bilder gesperrt hatte. Auch RTL Niederlande berichtete über den Vorfall. Die deutschen Agenturen dpa Picture Alliance, Imago und ddp sperrten SalamPix daraufhin ebenfalls. Der Spiegel betont, dass KI-generierte Bilder in der Berichterstattung ein klares Tabu seien, und will den Fall intern aufarbeiten.
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