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150 Entlassungen bei TikTok und Studien zu Jobverlusten: Wie KI Arbeit bedroht – und gleichzeitig neue Aufgaben schafft.
Droht vielen Beschäftigten das Aus? Laut ifo-Umfrage rechnet mehr als ein Viertel der Unternehmen in den nächsten fünf Jahren mit Stellenabbau durch KI. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Chancen.
Das ifo-Institut hat Unternehmen nach den Folgen von Künstlicher Intelligenz befragt. Ergebnis: Über 25 Prozent erwarten, dass KI Arbeitsplätze kosten wird.
Aktuell testen Firmen eher, wie KI die Produktivität steigert. Doch auf längere Sicht, so ifo-Experte Klaus Wohlrabe, könnte KI den deutschen Arbeitsmarkt spürbar verändern.
Der US-amerikanische Journalist Brian Merchant hat auf seine öffentlich gestellte Frage, wer schon erlebt hat, dass der eigene Job durch KI ersetzt wurde, so viele Zuschriften bekommen, dass daraus ein umfangreiches Projekt geworden ist.
Wenn KI schon Stellen ersetzt
Beim TikTok-Standort in Berlin sollen 150 Beschäftigte der Content-Moderation-Abteilung entlassen werden. Den Job soll KI übernehmen, meldet die taz. Dabei haben die Beschäftigten den KI-Algorithmus mit ihrer Arbeit selbst gefüttert.
"Wir trainieren die Maschinen, bezahlt uns, was wir verdienen", riefen Beschäftigte bei einer Kundgebung der Gewerkschaft Ver.di. "Die KI macht ständig Fehler und es wird keine Menschen geben, diese zu korrigieren", warnt Oliver Marsh von der Algorithmwatch gegenüber taz.
Experten: KI schafft auch neue Jobs
"KI wird nicht nur zum Rationalisierungsinstrument, sondern auch zum Ausgangspunkt neuer Tätigkeitsprofile", sagt Wohlrabe vom ifo-Institut. Unternehmen, die die Vorteile von KI am besten nutzen, werden sie nicht einsetzen, um menschliche Arbeitskraft zu ersetzen – das sagt Thomas Dohmke, der Chef der Software-Plattform GitHub.
Er glaubt, dass KI Software-Entwickler effizienter macht, aber nicht ersetzt. KI habe es viel einfacher gemacht, das Programmieren zu erlernen. "In dem Maße, in dem sich die Technologie weiterentwickelt, werden sich auch die Fähigkeiten der Entwickler verändern."
Obwohl einige Unternehmen in der Tech-Branche wegen KI weniger Einstellungen vornehmen oder sogar entlassen, hält Dohmke dies für einen "vorübergehenden Effekt": "Ich denke, die Vorstellung, dass man mit KI ohne Programmierkenntnisse einfach ein Milliardengeschäft aufbauen kann, ist falsch", sagte er.
Immer mehr Manager werden mit der Zeit erkennen, dass es mehr Wert hat, mehr Experten einzustellen. "Die Unternehmen, die am klügsten sind, werden mehr Entwickler einstellen. Denn wenn man einen einzelnen Entwickler verzehnfacht, können zehn Entwickler das 100-fache erreichen", so Dohmke.
Eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt die KI-Verbreitung auf. Bereits 62,1 Prozent der Beschäftigten nutzen KI-Anwendungen am Arbeitsplatz.
Während Unternehmen bei der offiziellen KI-Einführung zögerlich sind, setzen Beschäftigte auf eigene Initiative diese Tools ein. Nur etwa die Hälfte der Befragten mit intensivierter KI-Nutzung gibt an, dass ihre wichtigste KI-Anwendung offiziell vom Betrieb eingeführt wurde.
KI in der Ausbildung
Auch die betriebliche Ausbildung verändert sich. Immer mehr Unternehmen binden KI beim Vermitteln von Lerninhalten ein. Für viele Auszubildende gehören KI-Anwendungen inzwischen zum Alltag, meldet Metall, das Mitgliedermagazin der IG Metall.
Viele Unternehmen bieten über Lernplattformen interaktive Lerninhalte an, die für die jeweiligen Berufe zugeschnitten sind. KI wird genutzt für Wiederholungsfragen, um Lernstoff zu festigen.
"Ich achte darauf, dass die Fragen optimal auf Ausbildungsziele und das Niveau der Auszubildenden abgestimmt sind. Die eigentliche Wissensvermittlung, persönliche Betreuung, das Erklären komplexer Zusammenhänge bleiben aber in meiner Hand", so Sören Heiseler, Ausbilder für Automatisierungstechnik bei Siemens in Hamburg.
Bei Vorbereitung mündlicher IHK-Prüfungen hilft KI, verschiedene Fragestellungen zu entwickeln. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass man sich zu sehr auf die KI verlasse und die eigene kritische Überprüfung vernachlässige. "Nicht jede KI-generierte Antwort ist korrekt, auch wenn sie überzeugend klingt", betont Heiseler
Chancen und Risiken im Betrieb
Laut Dan Priest, Chief AI Officer von PricewaterhouseCoopers (PwC), hängt viel davon ab, wie Führungskräfte KI einsetzen:
- Jüngere Mitarbeiter verlassen sich oft zu stark auf KI.
- Ältere Beschäftigte nutzen sie dagegen häufig zu wenig.
Entscheidend sei, Teams durch Weiterbildung fit zu machen – sonst bleibe KI mehr Risiko als Chance.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Arbeitsalltags. Sie ersetzt erste Tätigkeiten, eröffnet aber auch neue Berufsbilder.
Ob sie mehr Jobs vernichtet oder neue schafft, entscheidet sich in den kommenden Jahren – und mit ihr die Zukunft der Arbeit in Deutschland.



