Kann man KI-Antworten überhaupt noch trauen?

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15. Dezember 2025 Marcus Schwarzbach

Geschäftsfrau interagiert mit KI-Schnittstelle auf virtuellem Bildschirm, zeigt Symbole für künstliche Intelligenz, neuronales Netzwerk, Automatisierung und intelligente Datentechnologie für digitale Innovation.

(Bild: FAMILY STOCK / Shutterstock.com)

Eine europaweite Studie zeigt: 81 Prozent der KI-Antworten enthalten Fehler – oft mit erfundenen Quellen und falschen Fakten.

Künstliche Intelligenz (KI) glänzt mit Halbwissen – das ist Ergebnis einer Untersuchung der Europäischen Rundfunkunion (EBU), an der 22 öffentlich-rechtliche Medienhäuser aus 18 Ländern beteiligt waren.

Fehler bei KI-Systemen treten nicht vereinzelt auf, sondern über alle Sprachen und Plattformen hinweg. Von über 3.000 geprüften Antworten auf 30 aktuelle Fragen enthielten 45 Prozent mindestens einen gravierenden Fehler.

Wurden auch kleinere Ungenauigkeiten einbezogen, stieg die Quote der mangelhaften Ergebnisse sogar auf 81 Prozent. Größtes Problem ist nach dieser Untersuchung die fehlerhafte Quellennachverfolgung.

In 31 Prozent der Antworten waren die Quellen falsch, unvollständig oder gar frei erfunden. In 20 Prozent der Fälle wurden falsche Fakten wiedergegeben – etwa veraltete Informationen, etwa Olaf Scholz als aktueller Bundeskanzler.

Zwischen Nutzen und Grenzen: Wie Beschäftigte KI erleben

KI zur Texterzeugung nutzen bereits zahlreiche Beschäftigte – das "experimentelle Herangehen" jedes Einzelnen sei unterschiedlich, so Uta Wilkens, Professorin der Ruhr-Universität Bochum:

"Ich denke aber, dass Individuen häufig zu wenig wissen über das, was dahintersteht. Also, ein Mitarbeiter von mir hat das in einer Promotion festgehalten. Kurzfristig wirkt es so, als sei das eigentlich eher so eine Effectuation, also dass wir uns durch KI auch anregen, auf neue Gedanken zu kommen. Aber das ist eigentlich mittel- und langfristig immer Causation, ist also immer nur ein Schließen aus dem, was aus der Vergangenheit schon da ist. Und dann entdeckt man gar nicht so viel Neues."

Selbst Beschäftigte, die KI entwickeln und trainieren, warnen. In einem offenen Brief fordern über 1.100 Amazon-Beschäftigte in den USA zu einem radikalen Kurswechsel in der KI-Entwicklung auf. Der derzeitige Entwicklungsansatz füge der "Demokratie, unseren Arbeitsplätzen und der Erde enormen Schaden" zu.

Die Unterzeichner des Aufrufs fordern ein Gegensteuern. Datenzentren sollen nur dort gebaut werden, wo sie ökologisch verträglich sind, beim KI-Einsatz sollten Arbeitskreise der Beschäftigten mitentschieden und Technik solle nicht für einen "stärker militarisierten Überwachungsstaat" eingesetzt werden.

KI in der Produktion: Neue Aufgaben, neue Kontrolle

Warnungen halten Unternehmen nicht davon ab, KI zunehmend einzusetzen. Von "KI in der Produktionsplanung" berichtet Claudia Dunst, Gewerkschaftssekretärin in der IG Metall in Baden-Württemberg.

"Bereits heute kann die KI viele Arbeitsschritte in der Produktionsplanung übernehmen, beispielsweise die manuelle Erstellung von Produktionsplänen, Kapazitätsberechnungen, Materialbedarfsplanung. Als menschliche Arbeitsaufgabe wird die Überwachung der KI bedeutsamer."

Software kann große Datenmengen analysieren, z. B. Maschinenzustände oder Lagerbestände. Die Aufgabe der Beschäftigten wird dann die "Interpretation der KI-Vorschläge" sein, so Dunst. "Zentrale Zukunftskompetenzen in diesem Kontext sind daher Datenkompetenz, Systemverständnis und strategische Entscheidungsfähigkeit".

In der Arbeitswelt sind die Entscheidungsmöglichkeiten der einzelnen Beschäftigten begrenzt. Mit KI-gestützten Programmen erreicht die Steuerung eine neue Dimension, schreibt Martin Lechner, Berater der gewerkschaftlichen Technologieberatung BTQ. Denn die präzise Verfolgung der Prozesse erlaubt es, Arbeitsschritte neu zu strukturieren.

"Unternehmen teilen Tätigkeiten in »wertschöpfend« und »nicht-wertschöpfend« ein. Ein Beispiel: Kurze Wege, die Beschäftigte als Abwechslung zum Stehen empfinden, gelten als unproduktive Zeit und sollen entfallen." Doch diese Logik sei problematisch. Das Tippen am Computer werde als Arbeit gewertet, ein Gespräch zur Problemlösung jedoch nicht, kritisiert Lechner.

Anpassungsdruck und schwindende Einstiegschancen

Ein Unternehmen könne festlegen, "Standard-Korrespondenz mit bestimmten Kundengruppen" nur noch per Technik vorzunehmen und so die Bearbeitung "wirklich vollständig standardisieren", schreiben Tünde Fülöp und David Walker für die Arbeiterkammer Wien.

Anstelle ganzer Berufe werden eher einzelne Tätigkeiten oder Aufgabenbereiche automatisiert. Durch generative KI lassen sich auch komplexe kognitive Aufgaben automatisieren, vom Programmieren bis hin zur Übersetzung. "Dadurch geraten zunehmend auch höher qualifizierte berufliche Tätigkeiten unter Anpassungsdruck", KI beinhalte das "Risiko von Kontrolle und Überlastung", so Fülöp und Walker:

"Als Instrument der Überwachung oder Arbeitsverdichtung droht durch KI eine Entwertung der Arbeit und ein Verlust an Gestaltungsspielraum. Aber auch durch die Verschiebung der Aufgaben hin zu komplexeren Tätigkeiten steigen oft die Anforderungen. Beschäftigte müssen sich schneller weiterqualifizieren und sich an neue Tools und Erwartungen anpassen."

KI macht jedoch den Einstieg in das Berufsleben schwerer. Die klassische Vorstellung, nach dem Studium eine Einstiegsposition zum Aufbau von Fachwissen zu übernehmen, bestätigt sich immer weniger.

Problematisch wird es für Bewerber, wenn KI genau die Aufgaben übernimmt, die früher Berufseinsteiger übernahmen. Eine Studie der Harvard University berichtet von dieser Entwicklung: Unternehmen, die generative KI einführen, reduzieren die Einstellungen von Berufseinsteigern im Durchschnitt um 7,7 Prozent – und das schon nach eineinhalb Jahren. Während erfahrene Kollegen weiterhin gefragt sind, sinkt der Bedarf an jungen Kräften deutlich.

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