Stand: 19.07.2026, 11:09 Uhr
Eiszeit zwischen den Erzfeinden: Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist tot. Gleichzeitig droht eine beispiellose Eskalation an der Straße von Hormus.
Washington, D:C. – Das im Juni in Pakistan geschlossene Abkommen zwischen den USA und dem Iran war de facto längst tot – gestern zog Teheran nun offiziell den Schlussstrich. Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte schlicht, man habe sämtliche Verpflichtungen des Memorandum of Understanding ausgesetzt. Der Vorwurf: Washington habe das Abkommen durch „aggressive Aktionen“ in jedem einzelnen Punkt gebrochen.

Damit ist jedes weitere Format von Verhandlungen zwischen den beiden Erzfeinden vorerst beendet. Die Straße von Hormus ist so blockiert wie nie, Hisbollah-Milizen auf der einen und die Huthi auf der anderen Seite stehen bereit, den Ayatollahs zu Hilfe zu kommen. Und die Golfstaaten? Stehen unter Druck, weil sie vom Iran wegen ihrer Freundschaft zu den Vereinigten Staaten fortlaufend angegriffen werden. Die Politik, „gleichzeitig Krieg zu führen und zu verhandeln“, ist vorbei, wie es Mohsen Resaei, Militärberater des obersten iranischen Führers, Modschtaba Chamenei, formuliert.
Eskalation der Gewalt im Iran-Krieg: US-Angriffe legen Wasser- und Stromversorgung lahm
Die militärische Eskalation könnte Israel, das bislang aus den Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran nach dem Memorandum herausgehalten wurde, wieder auf die Bühne zurückbringen und zeigt sich in der zunehmenden Intensität und Zahl nächtlicher Angriffe des US-Zentralkommandos. Seit einer Woche sind die iranischen Nächte vom Donner der US-Raketen geprägt, die bereits Strominfrastrukturen und Brücken getroffen haben und gestern eine Meerwasserentsalzungsanlage in Dschask verwüsteten, wodurch 10.000 Menschen von schwerem Wassermangel betroffen sind.
Unterdessen meldet sich Chamenei aus seinem geheimen Versteck auch wieder zu Wort, der unsichtbare oberste Führer des Iran, der sich nach Angaben russischer Medienberichte erstmals der Weltöffentlichkeit zeigen könnte, indem er Präsident Wladimir Putin trifft oder mit ihm spricht. Iranische Medien schreiben Modschtaba Chamenei verschiedene Äußerungen zur aktuellen Lage zu. Die „wiederholten Verstöße“ der Vereinbarungen durch Trump „zeigen, dass seine Unterschrift wertlos, nutzlos und unzuverlässig ist“, heißt es in einer seiner Einschätzungen.
Aus dem Untergrund: Chamenei droht im Iran-Krieg dem „Großen Satan“
Weiter erklärt er: „Die geliebte iranische Nation und ihre Verbündeten der Achse des Widerstands haben unvergessliche Lektionen für den Großen Satan vorbereitet.“ Mit dem „Großen Satan“ ist selbstverständlich Amerika gemeint. Es sind Drohungen, ebenso wie die Botschaft, die der oberste Führer an jene Länder richtet, die US-Stützpunkte beherbergen: „Die Territorien der Region werden nicht länger der Schutzschild für US-Basen sein. Die Vereinigten Staaten werden in der Region keinen sicheren Ort mehr haben, von dem aus sie ihre feindseligen Aktionen durchführen und an dem sie Militärbasen errichten können.“
Das wissen Kuwait und Jordanien nur zu gut. Kuwait meldete Verletzte sowie Schäden an einer Ölraffinerie und einer Energieerzeugungsanlage. In Jordanien sollen dagegen zwei US-Militärstützpunkte getroffen worden sein, und das US-Zentralkommando teilte mit, dass „ein iranischer Angriff mit Raketen und Drohnen auf US-Truppen zwei Tote, einen Vermissten und vier Verletzte unter unseren Soldaten verursacht hat“.
Pulverfass Naher Osten: US-Botschaft warnt vor plötzlicher Eskalation
Höchste Alarmstufe herrscht in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nachdem ein iranischer Sicherheitsbeamter gestern erklärt hatte, „sollten die Vereinigten Staaten in dieser Nacht zivile iranische Infrastrukturen angreifen, müssten die Flughäfen von Dubai und Abu Dhabi sowie die Häfen von Fudschaira und Dschabal Ali sofort evakuiert werden“. Noch schärfer äußert sich Mohammad Marandi, Universitätsprofessor und einer der Unterhändler des Memorandums: „Wenn Trump zivile Ziele angreift, werden die Vereinigten Arabischen Emirate die Nächsten sein.“
Auch die US-Botschaft in Israel steht unter erhöhter Alarmbereitschaft und hat eine neue Sicherheitswarnung veröffentlicht: US-Bürger sollten „Reisen durch und in den Nahen Osten überdenken“, wo „die Sicherheitslage komplex bleibt und das Potenzial für eine plötzliche Eskalation besteht“. (Dieser Artikel von Giusi Fasano entstand in Kooperation mit Corriere della Sera)



