Google erweitert die Gemini-Serie um zwei Flash-Modelle und eine spezialisierte Cyber-Version. Das eigentlich erwartete Frontier-Modell Gemini 3.5 Pro bleibt jedoch aus, während Wettbewerber davonziehen.
Google hat drei neue Modelle der Gemini-Flash-Familie angekündigt: 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und das cybersecurity-spezialisierte 3.5 Flash Cyber. Was Google nur am Rande erwähnt: Das eigentlich erwartete Flaggschiff Gemini 3.5 Pro wird weiterhin nur mit Partnern getestet und soll verfügbar werden, sobald es bereit sei. Parallel läuft laut Google bereits das Pre-Training für Gemini 4, dem bislang "ehrgeizigsten Trainingslauf" des Unternehmens, und bis jetzt sei man "begeistert von den Fortschritten". Das ist Schadenskontrolle.
Effizienz statt Größe: 3.6 Flash als "Arbeitspferd"
Gemini 3.6 Flash soll laut dem Benchmark-Aggregator Artificial Analysis Index rund 17 Prozent weniger Output-Tokens verbrauchen als der Vorgänger 3.5 Flash. In spezifischen Benchmarks wie DeepSWE liegt die Einsparung Google zufolge bei bis zu 65 Prozent. Der Preis fällt auf 1,50 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 7,50 US-Dollar pro Million Output-Tokens, womit es deutlich günstiger als der Vorgänger 3.1 Pro ist, den es auf Benchmarks durchweg übertrifft.
In allen vier agentischen Benchmarks setzt sich 3.6 Flash gegen die Vorgängergeneration durch – am deutlichsten beim Machine-Learning-Engineering. | Bild: GoogleBei den Benchmarks meldet Google auch Zuwächse gegenüber 3.5 Flash: DeepSWE steigt von 37 auf 49 Prozent, MLE Bench von 49,7 auf 63,9 Prozent, OSWorld-Verified von 78,4 auf 83 Prozent. Der Wissensarbeits-Benchmark GDPval-AA v2 verbessert sich von 1349 auf 1421 Punkte. Computer Use ist nun ein eingebautes clientseitiges Tool in der Gemini API und Gemini Enterprise. Zusätzlich hat Google Frontier-Safety-Schutzmaßnahmen für CBRN-Missbrauch (chemisch, biologisch, radiologisch, nuklear) und Cyber-Offensive verstärkt.
Der Sprung bei der Token-Effizienz ist das eigentliche Verkaufsargument: In DeepSWE braucht 3.6 Flash nur noch gut ein Drittel der Ausgabe-Token. | Bild: GoogleTrotz der Fortschritte, auch bei multimodalen Aufgaben und Größe des Kontextfensters mit einer Million Token, bleibt Google hinter den besten Modellen der Konkurrenz sowohl aus den USA als auch China zurück. Logan Kilpatrick, Mitglied des Technical Staffs, entgegnet dieser Kritik auf X, das Ziel sei ausdrücklich gewesen, das Modell effizienter, nutzbarer und günstiger zu machen. Leistungszuwächse habe man dennoch mitgenommen. Das passt zur Gesamtstrategie der Ankündigung: Google verkauft 3.6 Flash als Optimierung im Preis-Leistungs-Segment.
3.5 Flash-Lite: Durchsatz für Massenaufgaben
Das kleinere Gemini 3.5 Flash-Lite ist auf Latenz und Durchsatz getrimmt und liefert laut Artificial Analysis 350 Output-Tokens pro Sekunde. Der Preis liegt bei 0,30 US-Dollar pro Million Input-Tokens und 2,50 US-Dollar pro Million Output-Tokens.
Gegenüber der eigenen Vorgängergeneration legt Flash-Lite besonders beim agentischen Coding kräftig zu. | Bild: GoogleAuf mehreren agentischen und Coding-Benchmarks übertrifft Flash-Lite laut Google das ältere 3 Flash, darunter SWE-Bench Pro und OSWorld-Verified. Gegenüber dem direkten Vorgänger 3.1 Flash-Lite steigt Terminal-Bench 2.1 von 31 auf 54 Prozent.
Das kleine Flash-Lite überholt in agentischen Aufgaben sogar das deutlich größere 3 Flash. | Bild: GoogleGemini 3.5 Flash war auf der letzten I/O als Herzstück der agentischen Google-Strategie eingeführt und später um native Computer-Use-Fähigkeiten erweitert worden, mit denen das Modell Browser, Desktop und mobile Geräte eigenständig bedienen kann.
Spezialmodell für Sicherheitslücken bleibt exklusiv
Mit Gemini 3.5 Flash Cyber führt Google ein auf Cybersecurity spezialisiertes, auf 3.5 Flash aufbauendes Modell ein. Es ist in CodeMender eingebettet, dem Code-Security-Agenten von Google DeepMind. Mehrere Flash-Cyber-Sub-Agents arbeiten parallel und erzeugen einen kombinierten Report. Auf dem CyberGym-Benchmark erreicht die Kombination laut Google eine wettbewerbsfähige Leistung im Vergleich zu deutlich größeren Modellen.
Im CyberGym-Vergleich liegt das Feld eng beieinander: Googles Cyber-Modell zahlt seinen Vorteil vor allem über die Kosten pro Token ein. | Bild: GoogleIn einer internen Evaluation des Big-Sleep-Teams, das kritische Lücken in Chrome und Safari suchte, übertraf 3.5 Flash Cyber sowohl die Standard-Flash-Modelle als auch Anthropics Claude Opus 4.6. Beim Commit-Scanning der V8-JavaScript-Engine fand 3.5 Flash Cyber 55 bestätigte Einzelfunde gegenüber 47 (3.5 Flash) und 36 (Opus 4.6), darunter zehn Funde, die kein anderes Modell entdeckte. Als Praxisbeispiel nennt Google, dass das Cloud Vulnerability Research Team innerhalb von zwei Stunden Remote-Code-Execution-Lücken in öffentlichen APIs entdeckte, inklusive eines funktionsfähigen Exploits, der Schutzmechanismen umging.
Wegen der Dual-Use-Natur beschränkt Google den Zugang: 3.5 Flash Cyber wird ausschließlich Regierungen und vertrauenswürdigen Partnern über CodeMender im Rahmen eines Pilotprogramms bereitgestellt. Der CodeMender-Agent selbst wird parallel als Preview über die Gemini Enterprise Agent Platform allgemein verfügbar, jedoch mit den regulär verfügbaren Gemini-Modellen. Er unterstützt C/C++, Go, Java, Python, Ruby, Rust und TypeScript.
Die Pro-Lücke: Google verliert Boden
Der eigentliche Elefant im Raum ist das Ausbleiben des neuen Frontier-Modells Gemini 3.5 Pro. Während OpenAI mit GPT-5.6, Anthropic mit Fable bzw. Mythos und selbst chinesische Labore wie Moonshot mit Kimi K3 oder Zhipu mit GLM-5.2 die Frontier-Modellklasse bedienen, veröffentlicht Google eine weitere Flash-Iteration, die eher die breite Masse bei Alltagsaufgaben bedienen soll. Auch Meta hat zuletzt ein neues Modell veröffentlicht, das Googles aktuelle Angebote beim Code-Schreiben überholt. Laut einem Bericht von Bloomberg liegt Google mit dem Flaggschiff-Modell Monate hinter dem Zeitplan zurück, weil das Unternehmen versucht, insbesondere die Coding-Fähigkeiten zu verbessern.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.



