
Framework hat sich als Hersteller dem Thema Reparierbarkeit verschrieben. Die Hardware des Herstellers zeigt, dass Modularität und Reparierbarkeit kein Widerspruch zu einem kompakten, ansprechenden Design sind. Im Frühjahr hat man neue Modelle mit dem AMD Ryzen der AI-300-Serie vorgestellt. Dies ermöglicht potente Konfigurationen mit einem Chipsatz bis hinauf zum Ryzen AI 9 HX 370. Bereits seit längerem reizt mich die Hardware von Framework, weshalb ich es kaum erwarten konnte, eine der Neuvorstellungen unter meine Fittiche zu nehmen. Bislang, um kurz zu umreißen, was für mich Vergleichsgeräte sind, war ich mit Windows-Geräten eher bei Dell (XPS-Reihe) oder Microsoft (Surface-Geräte) beheimatet. Aufgrund der M1-Chips habe ich 2021 dann zum MacBook gegriffen. Umso spannender für mich, nun ein Gerät wie das Framework Laptop 13 unter die Lupe zu nehmen. Für das umfassende Framework-Erlebnis habe ich mich zudem für die DIY-Edition entschieden, wenngleich es die Notebooks auch als betriebsbereite Geräte „out of the box“ gibt.
Kurz zu den technischen Eckdaten: Die mir vorliegende Version des Framework Laptop 13 ist mit dem AMD Ryzen AI 9 HX 370 (12 Kerne, 24 Threads mit bis zu 5,1 GHz) ausgestattet. Zur Seite steht die Radeon 890M als Grafikeinheit mit 16 Kernen und einer Taktrate von bis zu 2,9 GHz. Die NPU gibt man mit bis zu 50 TOPS an. Zum Vergleich: Die NPU des M4-Chips von Apple ist mit 38 TOPS gelistet. Das 13,5-Zoll große Gerät kommt mit einem matten Display mit 2,8K-Auflösung und 120 Hz Bildwiederholrate. Unter der Haube sollen weiter auch 1 TB NVMe-SSD-Speicher im M2-Formfaktor (WD Black SN 7100) sowie zwei RAM-Riegel, mit jeweils 16 GB (DDR5) Arbeitsspeicher, ihren Platz finden. Der Akku kommt mit einer Kapazität von 61 Wh.
DIY-Edition: Zusammenbau einfacher als bei Ikea
Die diversen Einzelverpackungen gaben direkt einen Vibe an Zeiten zurück, in denen ich auch mal einen PC zusammengeschraubt habe – nur eben hier im Formfaktor eines Notebooks. Framework legt seinen Geräten einen Schraubendreher bei. Der alleine genügt, um das Gerät auseinanderzunehmen und/oder zusammenzusetzen.

Der Zusammenbau des Framework Laptop 13 gestaltete sich als spielend einfach und war in unter einer halben Stunde entspannt zu erledigen. (Je nach Geschick und Routine sicherlich problemlos in den von Framework beworbenen 10 Minuten machbar.) Framework gibt einem auch eine gut bebilderte sowie beschriftete Anleitung an die Hand. Einige Schritte sind gar mit einem kurzen Videoclip versehen. So war das Notebook wirklich mit wenigen Handgriffen zusammengebaut. Raffiniert: Die Komponenten liegen allesamt unter der Tastatur.
Nachdem die Arbeitsspeichermodule und die SSD an passender Stelle eingesetzt waren, hat es genügt, die Tastatur anzuklemmen und die Blende rund um das Display zu installieren sowie die Schrauben an der Rückseite vorsichtig anzuziehen. Alles in allem sehr schön aufbereitet und das Zusammenbauen ist einfacher als von so manchem Ikea-Möbelstück. Bei der Blende gibt es die Möglichkeit, zu personalisieren und beispielsweise zu einem Element mit transparenter oder farbiger Optik zu greifen.

Framework erfüllt seinen USP hier wirklich sehr gut. Bauteile rutschen, werden teils magnetisch in der passenden Position gehalten. Das gibt auch ein sehr gutes Gefühl, wenn man dann tatsächlich mal ein Bauteil selbst austauschen muss (sämtliche Einzelteile stehen als Zubehör separat zur Verfügung). Sämtliche Bauteile sind zudem mit QR-Codes versehen, um diese entsprechend zu benennen oder um auf die Anleitung zu verweisen. Framework gibt einem da nicht nur die Möglichkeit, Bauteile (Speicher, Arbeitsspeicher) aufzurüsten – und selbst das ist bei vielen Notebooks (in diesem Formfaktor) schlicht nicht (mehr) möglich. Auch das Mainboard lässt sich gegen ein Modell mit künftigem Chipsatz tauschen. Framework denkt dabei gar so weit mit, dass sich das (alte) Mainboard dann auch als Einplatinencomputer über die Lebensdauer im Notebook hinaus mit (3D-Druck)-Gehäuse weiter einsetzen lässt.
Look & Feel – das Framework 13 im Praxistest

Der erste Eindruck des frisch zusammengebauten Framework Laptop 13 ist durchaus hochwertig. Mit einem Gewicht von 1,3 Kilogramm muss es sich als kompaktes Notebook nicht vor Konkurrenten verstecken. Das Aluminium-Chassis macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Alles ist top verarbeitet und auch wenn es modular und somit gesteckt und verschraubt oder nicht verklebt ist: Es knarzt und knackt absolut nichts. Als Nutzer diverser Logitech-MX-Hardware und besagten MacBooks mit M1-Chipsatz war ich durchaus von der Tastatur angetan. Das Tippgefühl auf dem Framework 13 empfand ich als sehr angenehm. Klar, sicherlich eine persönliche Geschichte, aber der Hub der Tastatur stimmt hier für mich und das Tippen ist zudem angenehm leise.

Das Display-Panel macht ebenfalls einen hochwertigen Eindruck. Es ist in sehr schmale Ränder eingefasst und bietet – ohne nun eine entsprechende Messung vorzunehmen – eine gleichmäßige Ausleuchtung bei hohen Betrachtungswinkeln. Gewünscht hätte ich mir weitere Panel-Optionen, etwa mit einem OLED-Panel. 120 Hz Bildwiederholrate unterstützen die auch sonst durchweg hohe Performance des Geräts (später ein paar Worte mehr zu den Benchmarks): Alles wirkt butterweich.

Framework Laptop 13 mit AMD-Ryzen-Chip: Ein performantes Arbeitstier
Beim Betriebssystem lässt Framework Nutzern die Wahl. Man bietet auch eine breite und durchweg beliebte (offizielle) Unterstützung für verschiedene Linux-Distributionen. Weitere Distributionen werden durch eine breite und stark ausgebaute Community unterstützt. Für den Test der Massenkompatibilität war ich für meine ersten Tests vorwiegend mit Windows 11 unterwegs, auch um einige Benchmarks zu durchlaufen.
So habe ich nichts an den Einstellungen gedreht, entsprechend auch keinen dedizierten Performance-Modus eingeschaltet und ich war von der Performance durchweg begeistert. Auch rechenintensive Aufgaben und das eine oder andere Spiel sind für das kompakte Performance-Biest kein Problem. So punktet auch der verbaute AMD Ryzen AI 9 HX 370 mit seinen 12 Kernen und 24 Threads mit bis zu 5,1 GHz Taktrate, mit der Radeon 890M auf der Grafikseite auf den oberen Rängen der Benchmarkplätze – in einem kompakten Notebook wohlgemerkt. Im Single-Score-Ranking des Cinebench R23 gar Rang 1. Sowohl was die Performance im Single-Core, als auch dem Multi-Core-Benchmark angeht konnte man ordentlich punkten:

Auf der Kehrseite steht hier der verbaute Lüfter: Der dreht für meinen Geschmack teils auch zu sensibel und stark auf. Bei einfachen Aufgaben ist er allerdings still und nicht wahrnehmbar. Im Vergleich mit meinem derzeitigen ARM-Arbeitsgerät allerdings so der einzige Makel, den ich (sofern man systemseitig offen unterwegs ist) für mich mitgenommen habe. Zudem: Mit der hohen Leistung geht auch ein recht hoher Stromverbrauch einher. Durch einen Arbeitstag kommt man mit dem Framework 13 in dieser Ausstattung schon, allerdings ist auch durch den vergleichsweise hohen Verbrauch im Leerlauf nach etwa 8 Stunden Schluss. Klar, das variiert je nach Nutzerszenario doch sehr stark, lässt aber in mir den Wunsch wachwerden, dass Framework doch gerne auch einen ARM-Chipsatz (auf Snapdragon-X-Elite-Basis (?) zur Konfiguration stellt).
Auch die Anbindung der internen SSD kommt man sehr nahe an die Daten auf dem technischen Datenblatt. Sowohl, was das Schreiben, als auch das Lesen angeht – ein Wahnsinnstempo, was mit anderen Flaggschiff-Notebooks durchaus Schritthalten kann. Das sorgt auch für schnelle Boot-Zeiten und auch aus dem Standby heraus ist das Notebook quasi sofort einsatzbereit.

Die verbaute GPU/NPU punktet auch bei KI-Anwendungen. So lassen sich etwa problemlos auch lokale KI-Modelle ausführen. Etwa das Modell gpt-oss-20b von OpenAI, was potente und vergleichbare Ergebnisse zu OpenAIs o3 mini liefert, bekommt man teils binnen Sekunden die (mehr oder minder sinnvolle,) generierte Antwort des LLMs:

Zu guter Letzt: Auch die Wi-Fi-Geschwindigkeiten (Wi-Fi 7) waren in meinen Stichproben durchweg performant und ich kann da auch problemlos meine 500er-Leitung in voller Bandbreite nutzen. Lokal geht da deutlich mehr und so waren Übertragungen zum lokalen NAS auch problemlos mit konstanten 115 MB/s (ca. 920 MBit/s), sprich Gigabit-Geschwindigkeiten kabellos möglich.

Expansion-Cards: Modulare Anpassung des Geräts an (wechselnde) Bedürfnisse

Wahnsinnig cool sind die sogenannten Expansion-Cards. Die bieten nicht nur die Möglichkeit, das Notebook an persönliche oder gar tagesaktuelle Voraussetzungen anzupassen. Auch Upgrades auf potenziell weitere Anschlüsse und Standards sind, sofern die technischen Anbindungsgegebenheiten stimmen, möglich. HDMI 2.1 gibt es beispielsweise weiterhin nicht, wenngleich (minimal kastriert auf 40 Gpbs) das technisch möglich sein müsste.

Ich habe die Expansion-Cards aber noch aus einem weiteren Grund zu schätzen gelernt. So ist es beispielsweise problemlos möglich, die HDMI-Karte auf die andere Seite des Geräts zu stecken. So muss man sich nicht verbiegen zu müssen, was einen bequemen Anschluss angeht. Je nach Gegebenheit bietet sich da nämlich die eine Seite besser an, als die andere und man muss das Kabel dann auch nicht komisch um das Gerät herumlegen. Gilt natürlich auch für den USB-C-Anschluss, und die Möglichkeit zum Aufladen. Klar, das ist individuell, aber ich finde es super, optional beidseitig mindestens einmal USB-C zu haben.

Ansonsten: Auch für USB-A oder SD braucht es keine Adapter, die irgendwo herumfliegen. Das Gerät ist immer so ausgestattet, wie es mein Workflow für den Tag benötigt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass nur zwei Ports USB 4 bieten und nicht alle vier Expansion-Module. Entsprechend ist dieser Port auch für den Display Port jener, mit dem leistungsstärkeren Standard. Das ist mit Intel-Architektur wohl nicht der Fall, aber sicherlich ein verschmerzbares Detail, wenngleich viermal USB 4 sicherlich gern gesehen wäre.

USB-C (mit USB 4 und Thunderbolt-Kompatibilität) sei dank, kann ich gewohnten Workflows nachgehen und das Framework Laptop 13 an meinem Thunderbolt-Monitor mit einem Kabel betreiben. Neben Bild und Ton wird hier auch direkt mit voller Leistung geladen – es bedarf also nicht eines dedizierten Power-Delivery-Netzteils, wenngleich hier handelsübliche Netzteile problemlos ihren Zweck tun.

Positiv überrascht hat mich auch das Speichermodul, was mit einem Terabyte auf kleinstem Raum dennoch Schreib- und Lesegeschwindigkeiten von knapp über 1000 MB/s anbietet. Bei einem so modularen Notebook ist es aber auch kein (großes) Thema, bei Bedarf einfach einen neuen Festplatten-Riegel einzuschieben.
Ansonsten?

Der Fingerabdruckscanner reagiert schnell und zuverlässig. Die Webcam taugt allemal etwas für gelegentliche Webcams, aber nicht für alltägliche Videokonferenzen. Gerade die Low-Light-Performance verursacht doch starkes Bildrauschen und ist auch sonst von Bildschärfe und Bildeindruck nicht „State of the Arts“. Auch die Farbgebung ist nicht sehr realistisch und tendiert eher zu einem leichten Rotstich. Willkommen sind die beiden hardwareseitigen Schalter, um die Webcam, als auch das Mikrofon zu trennen.

Auch über die verbauten Lautsprecher muss ich schimpfen: Die klingen dumpf, blechern und ohne jeglichen Bass. Selbst ein günstiger Bluetooth-Lautsprecher klingt da um Welten besser. Das sind eher Lautsprecher für ein kurzes YouTube-Video, alles darüber hinaus würde ich am Framework Laptop 13 nur mit Kopfhörern beackern – und das liegt nicht nur daran, dass ich im Alltag meist mein MacBook als Arbeitsgerät heranziehe, dazwischen liegen Welten. Das verbaute Mikrofon haut da in eine ähnliche Kerbe, ist insgesamt aber etwas taugiger als die Lautsprecher.
Unterm Strich?

In Sachen Reparierbarkeit, Aufrüstbarkeit und Personalisierungsoptionen macht Framework wohl keiner etwas vor. Die Geräte sind in dieser Hinsicht mehr als durchdacht. Für mich schön zu sehen, dass das nicht im Kompromiss zu einem kompakten und leichten Gerät (1,3 Kilogramm) stehen muss. Auch Haptik und Verarbeitung wissen zu gefallen. Während mir die Tastatur ganz gut gefiel, hat man Nachholbedarf beim Touchpad.
Leistungstechnisch liefert man in Kombination aus Ryzen-Chipsatz und der 120 Hz-Bildwiederholrate ein performantes Erlebnis mit schnellen Boot- und Ladezeiten sowie ordentlich Leistung, auch bei der Nutzung von lokalen KI-Modellen. So viel Leistung resultiert leider in teils sehr sensiblen Reaktionen der verbauten Lüfter. Wenn diese zu Hochtouren auflaufen, dann hört man das durchaus. Auch in puncto Effizienz hat man, das ist aber eher Chipsache, Nachholbedarf. Wünschenswert wäre optional für Kunden, die Wert auf Effizienz legen vielleicht auch das Angebot eines ARM-Chipsatzes.

Alles in allem bietet das Framework Laptop 13 ein stimmiges und vor allem zukunftsfähiges Gesamtpaket durch seine Nachrüstfähigkeit und Personalisierungsoptionen. Preislich geht es bei fairen 1059 Euro (allerdings noch blank bei Arbeitsspeicher sowie Speicher) für die Ryzen-Modelle in der DIY-Edition los. Sparen kann man hier vor allem, wenn man Arbeitsspeicher und Speicher möglicherweise etwas günstiger selbst beschafft oder gar auf Halde liegen hat.
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2 months ago
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