
Es gibt mal wieder Neuigkeiten aus Brüssel, die Nutzer der Social-Media-Plattform TikTok betreffen. Die Europäische Kommission hat heute vorläufig festgestellt, dass das Unternehmen mit seinem Design gegen das Gesetz über digitale Dienste verstößt. Im Fokus stehen dabei Funktionen, die viele von euch sicher kennen und vielleicht auch hassen gelernt haben: das unendliche Scrollen, die Autoplay-Funktion, ständige Push-Benachrichtigungen und dieses hochgradig personalisierte Empfehlungssystem.
Die vorläufige Untersuchung ergab, dass TikTok anscheinend nicht ausreichend bewertet hat, wie sehr diese Mechanismen das körperliche und geistige Wohlbefinden der Nutzer beeinträchtigen können. Das betrifft sowohl Minderjährige als auch schutzbedürftige Erwachsene. Das Design scheint darauf ausgelegt zu sein, Nutzer ständig mit neuen Inhalten zu „belohnen“, was den Drang zum Weiterscrollen befeuert und das Gehirn quasi in einen Autopilot-Modus schaltet. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führen und die Selbstkontrolle verringern kann. Nun ja – aber trifft das nicht auf viele Dienste zu?
Ebenfalls kritisch sieht man, dass TikTok wichtige Indikatoren für zwanghafte Nutzung wohl ignoriert hat. Dazu gehören etwa die Zeit, die Minderjährige nachts in der App verbringen, oder wie oft die App überhaupt geöffnet wird. Zwar gibt es Tools zur Verwaltung der Bildschirmzeit und elterliche Kontrollen, doch die Kommission hält diese bisherigen Maßnahmen zur Risikominderung für unzureichend. Die Tools lassen sich zu leicht umgehen und bieten kaum Hürden, um die Nutzung wirklich einzuschränken. Auch die elterlichen Kontrollen sind oft zu kompliziert in der Einrichtung.
Der aktuelle Standpunkt der Kommission: TikTok muss wohl das grundlegende Design ändern. Denkbar wären das Abschalten des unendlichen Scrollens nach einer gewissen Zeit, effektivere Unterbrechungen der Bildschirmzeit, gerade auch in der Nacht, und Anpassungen am Empfehlungssystem. Wichtig zu wissen ist, dass es sich hierbei um vorläufige Feststellungen handelt, die auf einer tiefgehenden Analyse interner Daten und wissenschaftlicher Forschung basieren. Ein endgültiges Urteil ist das noch nicht.
TikTok hat nun die Möglichkeit, sich zu verteidigen, Akteneinsicht zu nehmen und schriftlich Stellung zu beziehen. Sollte sich die Ansicht der Kommission am Ende bestätigen, droht eine Nichteinhaltungsentscheidung. Das könnte teuer werden: Möglich sind Geldbußen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
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4 weeks ago
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