EU-Bürger zahlen für die Korruption in Zypern – jetzt kommt alles ans Licht!

8 hours ago 1

11. Januar 2026 Wassilis Aswestopoulos

Nikos Christodoulides und der Umriß Zyperns mit zwei Händen und Geld

Der zyprische Präsident Nikos Christodoulides 2023.

(Bild: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com / Grafik: TP)

Ein heimlich aufgenommenes Video zeigt mutmaßlich, wie Vertraute des Präsidenten über Bargeld-Tricks und Vorzugsbehandlung sprechen.

Ein knapp achtminütiges Video auf X, früher Twitter, hat in Zypern, aber auch in Griechenland für Aufruhr gesorgt. Es enthält mutmaßlich private Gespräche zwischen engen Vertrauten des zyprischen Präsidenten und einem Geschäftsmann.

Darin geht es unter anderem um illegale Methoden zur Finanzierung des Wahlkampfs für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Zypern im Jahr 2028. Die zypriotische Regierung bezeichnet das Video als bösartig und manipuliert. Parallelen zur Ibiza-Affäre, die Österreich ab 2019 erschütterte, sind durchaus vorhanden.

Ein kleines X-Profil wirbelt die Politik durcheinander

Das fragliche Video wurde von einem Profil mit überschaubarer Zahl von Followern, rund 856, namens Emily Thomson aka @EmilyTanalyst veröffentlicht. Die Person hinter dem Profil schreibt über sich selbst, "Ich bin ein unabhängiger Forscher, Analyst und Dozent mit Schwerpunkt auf amerikanischer Innen- und Außenpolitik."

Es handelt sich um ein bezahltes Profil, bei dem es gegen Abo-Gebühren das zu Twitter-Zeiten heiß ersehnte "blaue Häkchen" gibt.

Eigentlich würde niemand erwarten, dass eine Veröffentlichung so eines Profils viel Aufsehen erregen könnte. Der Text zum Video ist reißerisch in einer Art Telegrammstil mit gewöhnungsbedürftigem Satzbau gehalten und besagt:

"Ich kann gar nicht beschreiben, was ich gerade erhalten habe! Ein sensationelles Video enthüllt die geheime Geldmaschine des zypriotischen Präsidenten!

Präsident Nikos Christodoulides soll die Finanzierungsobergrenze von 1 Million Euro für seinen Wahlkampf durch ein dubioses Familiennetzwerk gesprengt haben!

Sein Schwager Charalambos Charalambous (Direktor des Präsidialamts) sammelt heimlich Bargeld, um die Beschränkungen zu umgehen! Ehefrau Philippa Karsera-Christodoulides (Leiterin der "Wohltätigkeitsorganisation" Independent Social Support Body) leitet riesige Spenden von Wirtschaftsmagnaten und Firmen weiter und erhält dafür bevorzugte Behandlung?

Das ist Vetternwirtschaft und Korruption im extremsten Ausmaß – so etwas erwartet man nicht von der EU-Ratspräsidentschaft! Wer hat ihnen diese Positionen bloß gegeben?

Ansehen, bevor es zensiert wird!"

Im Video selbst sind der ehemalige Energieminister George Lakkotrypis, der Direktor des Büros des Präsidenten der Republik, Charalambos Charalambous, und der Direktor der Cyfield-Group, George Chrysochoos, zu sehen. Die Cyfield-Group ist das größte Bauunternehmen der Inselrepublik.

Das Video liefert, so es denn echt ist, Einblicke in private Gespräche über die Wahlkampffinanzierung für den Präsidentschaftswahlkampf von 2023. Es wird darüber beraten, wie der kommende Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen von 2028 finanziert werden könnte.

Thematisiert wird zudem der Zugang zum Umfeld des zyprischen Präsidenten im Hinblick auf staatlich geförderte Investitionsinitiativen. Demnach dreht sich ein Großteil der Diskussion um die rechtlich zulässigen Höchstgrenzen bei Wahlkampffinanzierungen.

Brisante Details: Bargeld und Zugänge zum Präsidenten

George Lakkotrypis hat demnach mutmaßlich vorgeschlagen, man müsse "manchmal auf Bargeld zurückgegriffen werden", um die bei knapp einer Million Euro liegende Höchstgrenze der Wahlkampffinanzierung zu überschreiten.

Charalambous erklärt, dass er und sein Team im Präsidentenpalast die Hauptansprechpartner "direkt neben dem Präsidenten" seien. Es wird darauf hingewiesen, dass Interessierte sich an den Präsidenten wenden können, um ihre geplanten Aktivitäten und die dafür verfügbaren Mittel darzulegen, die als Beiträge für Corporate Social Responsibility (CSR)-Projekte genutzt werden könnten.

Der CEO von Cyfield, Chrysochoos, spricht in einem weiteren Ausschnitt des Videos über seine enge Beziehung zum Präsidenten: "Wenn ich ihn jetzt anrufe, geht er ran." Er spricht von Christodoulides als seiner "Freundin". Er betont, die Treffen seien nicht öffentlich, um den Eindruck von Beeinflussung (Nepotismus oder Korruption) zu vermeiden.

Ein weiterer Gesprächsschwerpunkt ist Philippa Karsera-Christodoulides, die Ehefrau von Präsident Christodoulides, Ihre Rolle in der "Sozialen Unterstützungsagentur" wird in Verbindung mit Korruption gebracht. Denn gegen hohe Spenden von Geschäftsleuten und Unternehmen an ihre Wohltätigkeitsorganisation habe es im Gegenzug vom Präsidenten eine Vorzugsbehandlung gegeben.

In der griechischen Presse wird dazu unter anderem in der EfSyn vermerkt, dass die Spender weiterhin nicht öffentlich bekannt sind und trotz Forderungen nach Transparenz von der Organisation keine Informationen zu den Finanziers vorgelegt wurden.

Die Rolle der Präsidentengattin in der Affäre

Der Regierungssprecher Konstantinos Letymbiotis kanzelte das Video in einer schriftlichen Stellungnahme als Fälschung ab:

"Seit einigen Stunden kursiert ein Video, das nach erster Einschätzung des zuständigen Staatsdienstes als bösartig und manipuliert einzustufen ist. Das Video versucht (sic!), das Ansehen der Regierung und des Landes durch falsche und irreführende Behauptungen sowie willkürliche Schlussfolgerungen zu schädigen."

Es heißt zudem, "aufgrund weiterer Ermittlungen und bereits vom zuständigen Dienst gesammelter Informationen wird ein Fall hybrider Aktivitäten gegen die Republik Zypern geprüft. Der Generalstaatsanwalt und der Polizeichef wurden informiert."

Auch die im Video als Beteiligte gezeigten Personen meldeten sich zu Wort. George Lakkotrypis behauptet, seine Aussagen seien bearbeitet und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er erklärt im Einzelnen:

"Als Reaktion auf ein heute von einem gefälschten Profil auf der Plattform X veröffentlichtes Video, in dem ich angeblich mit Investoren über die Finanzierung des Wahlkampfs des Präsidenten der Republik diskutiere, möchte ich Folgendes klarstellen: Aus dem Video geht eindeutig hervor, dass die mir zugeschriebenen Aussagen manipuliert wurden, um den Kontext der Gespräche zu verfälschen. Ziel ist es, unserem Land, dem Präsidenten der Republik und mir persönlich zu schaden.

Es ist kein Zufall, dass das Video einen Tag nach der Eröffnungszeremonie der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft veröffentlicht wurde. Ich habe bereits Anzeige beim Finanzgericht Nikosia erstattet und werde diesem alle mir vorliegenden Informationen zukommen lassen."

George Chrysochoos erklärte sich bei AlphaNewsLive zu dem "schlecht bearbeiteten Video". Er bestreitet, dass seine Aussagen über ein sehr gutes Verhältnis "zu seiner Freundin" den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides betreffen.

Er bestätigt jedoch, dass Cyfield die Unabhängige Sozialhilfe-Agentur finanziell unterstützt hat, wie Tausende andere Unternehmen auch:

"Es stimmt, dass wir im Rahmen unserer Sozialpolitik aktiv waren und 250.000 an verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen gespendet haben. Das ist nichts Schlimmes, wir haben nichts Schlechtes getan, und es wird nichts Schlechtes über uns verbreitet."

Opposition fordert Aufklärung

Die Opposition, aber auch der Politik des Präsidenten nahestehende politische Funktionäre verlangen rasche Aufklärung und Konsequenzen. Noch kann nicht bewiesen werden, ob das Video ein Deepfake ist und ob es eventuell türkische oder russische Agenten gestreut haben.

Die Parlamentspräsidentin und damit protokollarisch zweitmächtigste Person im Staat, die Vorsitzende des Demokratischen Sammelbündnisses, Annita Demetriou, äußerte in ihrem Beitrag auf X die Hoffnung, dass die im Umlauf befindlichen Aufnahmen, die den engen Kreis von Präsident Christodoulides zeigen, nicht der Realität entsprechen:

"Seit geraumer Zeit kursiert ein Video, das Einzelpersonen und die Regierung in illegale Praktiken verwickelt. Ich hoffe, dass es nicht der Realität entspricht. Ich erwarte von den zuständigen Behörden, dass sie das Naheliegende tun."

Forderungen nach Konsequenzen werden lauter

Noch sind die Reaktionen im Land vom Schock gezeichnet. So fordert auch der Vorsitzende der Demokratischen Partei Nikolaos Papadopoulos ebenfalls auf X, "seit einigen Stunden kursiert in den sozialen Medien ein Video, das auf Zahlungen an den Präsidenten der Republik hinweist. Im Sinne der Transparenz haben die Bürger Anspruch auf und erwarten eine Erklärung zum Inhalt des Videos."

Einen Schritt weiter als die Politiker Zyperns geht der US-Grieche Stefanos Kasselakis. Der kurzzeitige Vorsitzende von Syriza und Gründer der "Bewegung der Demokratie" verlangt – auch über X – den Rücktritt von Christodoulides als "einzige ehrbare Option". Er behauptet, es gäbe ähnliche Schwarzgeldzahlungen auch in Griechenland:

"Ich habe das Video über Schwarzgeld in Zypern und insbesondere über Präsident Christodoulides gesehen. Es überrascht mich überhaupt nicht. Nicht aus Zynismus, sondern weil mir andere Politiker in Nikosia erklärt hatten, wie das ganze System funktioniert, als ich mich in Griechenland für dieses Thema einsetzte.

Stellen Sie sich vor, wie angreifbar ein Präsident oder Premierminister ist, wenn Schwarzgeld zu ihm und seiner Frau fließt. Oder sogar 'gewaschenes' Geld durch Dreiecksgeschäfte. Was Griechenland betrifft, so sind die im Video genannten Summen aus Zypern bei uns mindestens zehnmal so hoch."

Die nächsten Wochen müssen zeigen, ob die Regierung in Zypern sich mit ihrer Version des "hybriden Angriffs von außen" über Wasser halten kann. Der Verweis auf ein Deepfake vonseiten der Mächte, die aus Feindschaft das Böse der Regierung wollen, erscheint wohlfeil. Zu sehr glauben große Teile der Bevölkerung im Südosten Europas daran, dass ihre Politiker korrupt sind.

Read Entire Article