Elegoo Centauri Carbon 2 Combo im Ersteindruck

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Elegoo hat in dieser Woche mit dem Centauri Carbon 2 Combo einen neuen 3D-Drucker vorgestellt. Mit diesem Modell ist das so eine Sache. Denn das neue Modell bringt nun für den Multifarben-Druck ein Canvas-Modul mit, welches der Hersteller eigentlich auch für die erste Generation, hier Bennys Test, nachreichen wollte. Doch jene Pläne hat man inzwischen verworfen, was verständlicherweise vielen Besitzern sauer aufstößt. Trotzdem versuche ich, in meinem Bericht den Centauri Carbon 2 Combo für sich zu betrachten.

Der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo wird vom Hersteller als besonders gute Lösung für Einsteiger beworben. Ehrlicherweise zähle ich zu genau dieser Gruppe, da es sich hier um den allerersten 3D-Drucker überhaupt handelt, den ich unter die Lupe nehme. Entsprechend startete ich auch mit einigen Schwierigkeiten in diesen Erfahrungsbericht, die ich später noch für euch aufschlüsseln werde – und somit vielleicht anderen Newbies aus der Seele spreche bzw. ihnen ein wenig weiterhelfen kann.

Technische Eckdaten Elegoo Centauri Carbon 2 Combo

Eigenschaft Wert
Build Volume 256 × 256 × 256 mm
Max. Heated Bed Temperature 110 Grad
Product Size (Combo) 500 × 480 × 743 mm
Max. Nozzle Temperature 350°C
Net Weight 19,35 kg
Recommended Filament PLA, PETG, TPU, PLA-CF
Printing Speed Max. 500 mm/s
Filament Diameter 1,75 mm
Acceleration Max. 20.000 mm/s²
Slicing Software ELEGOO Slicer, Orca
Nozzle Diameter 0,4 mm (Default)
Supported File Formats STL, OBJ
Printing Accuracy ± 0.1 mm
Printing File Format G-code
Layer Thickness 0,1 – 0,4 mm
Display 5-Inch Full-Color Capacitive Touch Screen
Build Plate PLA Specific & Textured PEI Dual-Sided Plate
Connectivity USB, Wi-Fi
Leveling Method Automatic Leveling

Der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo bietet abseits des Canvas-Moduls für den Mehrfarbendruck ohne manuellen Filamentwechsel auch eine RFID-Erkennung für kompatibles Material. Spart euch die manuelle Zuordnung. Zudem arbeitet die Düse nun mit erhöhten Temperaturen von bis zu 350 Grad. Als Materialien empfiehlt der Hersteller aber weiterhin PLA, PETG, TPU und PLA-CF, das Gerät kann natürlich auch alle anderen gängigen Filamentsorten wie ABS, ASA und Co. Kostenpunkt für diesen 3D-Drucker: 439 Euro direkt über den Hersteller. Bei Amazon gibt es aktuell nur das Vorgängermodell.

Ausstattung und Verarbeitung

Der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo misst 500 x 480 x 743 mm und wiegt stramme 19,35 kg. Aus meiner Sicht ist der 3D-Drucker ein ganz schönes Geschoss. Da muss man also erst einmal den Platz für die Aufstellung haben. Zumal ihr wegen des austretenden Feinstaubs auch für eine gute Belüftung sorgen solltet. Elegoo bescheinigt dem Gerät dabei eine Betriebslautstärke von nur 45 dB. Ich habe zwar keine Lautstärkemessung durchgeführt, kann aber nur sagen, dass ich das Gerät auch dann werkeln höre, wenn es bei verschlossener Tür im Nebenzimmer steht. Im Idealfall räumt ihr da also eher einen trockenen Platz im Keller frei. Dabei braucht der Drucker einen sehr stabilen Untergrund, der möglichst nicht von Erschütterungen tangiert wird. Weder auf einem mitschwingenden Boden noch auf einem Tisch ist also ideal. Ja, genau da habe ich den 3D-Drucker fotografiert, allerdings im Verlauf des Tests zu einem Stellplatz im Keller umschwenken müssen.

Für den Zusammenbau des Geräts habe ich im Übrigen rund anderthalb Stunden mit einem Freund gebraucht. Das wird aber bei dem ein oder anderen Leser deutlich schneller von der Hand gehen, wenn ihr schon einmal einen 3D-Drucker ausgepackt habt. Zugutehalten will ich Elegoo, dass es fast unmöglich ist, etwas falsch zu machen. So erklärt die Anleitung jeden Schritt mit Bild und Text genau. Obendrein hat man jegliches Zubehör für einzelne Schritte und Komponenten einzeln verpackt und beschriftet. Selbst wenn also an zwei Stellen z. B. die gleichen Schrauben zum Einsatz kommen, sind sie separat verpackt und passend zum jeweiligen Bauteil beschriftet. Das ist vorbildlich.

Im Lieferumfang liegen auch eine kleine Klinge zum Abschaben von Resten sowie etwas Schmiermittel für den Druckkopf bzw. dessen Metallleiste bei. Zur Bedienung gibt es einen integrierten Touchscreen mit 5 Zoll Diagonale. Die Sprache wählt ihr direkt bei der Einrichtung, auch Deutsch steht bereit. Updates könnt ihr sowohl selbst aus dem Netz ziehen und per USB-Stick aufspielen als auch nach der WiFi-Einrichtung OTA erhalten.

Sieht man von der wenig eleganten und etwas klapprigen, zweiteiligen Plastikabdeckung ab, ist der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo aus meiner Sicht sehr gut verarbeitet. Für die Tür kommt Glas zum Einsatz, der Rest des Gehäuses besteht aus Metall. „Geschlossenes Design“, mit dem hier geworben wird, stimmt hier zwar von der Begrifflichkeit her, von der Betrachtung/Optik her aber eher nicht. Denn die zweiteilige Plastikhaube sitzt recht lose und keinesfalls luftdicht auf dem restlichen Gehäuse. Hitze wird also unvermeidlich schnell nach oben aufsteigen und entweichen. Das wird die perfekte Temperatursteuerung erschweren, sehe sogar ich als Anfänger im Bereich 3D-Druck.

Mein Praxistest des Elegoo Centauri Carbon 2 Combo

Eingangs habe ich ja schon offengelegt, dass ich ein Neuling bin, was 3D-Drucker betrifft. So hat mich bei diversen Modellen bereits das Slicing in den Wahnsinn getrieben. Für Neulinge (wie mich): Damit ihr ein heruntergeladenes 3D-Modell überhaupt drucken könnt, müsst ihr es durch eure Slicer-Software jagen. Ich habe da die offizielle App von Elegoo, den Elegoo Slicer, verwendet. Den kenn ich jetzt gut, wirklich gut. Ich bin sozusagen Experte.

Nun ja, zumindest kann ich behaupten, dass ich wohl so gut wie jede Fehlermeldung gesehen habe, die man sich ausdenken kann: Modell schwebt teilweise in der Luft, Modell liegt außerhalb des druckbaren Bereichs, Modell ist zu komplex und sollte vereinfacht werden, Modelleinstellungen könnten den Drucker beschädigen, Modell kann das Universum zur Implosion bringen, wenn du nicht aufpasst …

Ok, den letzten habe ich mir ausgedacht, aber gewundert hätte mich so eine Meldung ehrlicherweise auch nicht mehr. Dabei will ich keinesfalls dem Elegoo Slicer oder dem Centauri Carbon 2 Combo die Schuld geben. Vielleicht habe ich mir abenteuerliche Modelle ausgesucht? Vielleicht bin ich zu dämlich, die richtigen Einstellungen zu setzen? Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, aber ich war stolz auf jeden Druck, den ich dann doch noch zustande bringen konnte.

Zwischenfälle hat es dennoch gegeben. Zweimal ging der Düse bei einem Druckversuch nur „Schnodder“ (sogenannte Spaghetti-Bildung) unten dran, die über die Platte geschliffen wurde. Obacht geben solltet ihr zudem generell bei der Befestigung der Filamentrollen. Ich habe nur Originale von Elegoo verwendet, aber in Rücksprache erfahren, dass die von Drittanbietern teilweise nicht sauber auf den gefederten Halterungen sitzen und dann nicht korrekt eingezogen werden. Da solltet ihr im Übrigen auf die richtige Befestigung beim Aufbau achten. Denn die kleinen „Stäbe“ sind durchnummeriert, müssen also an den richtigen Positionen sitzen, damit das Filament auch richtig abgerollt wird. Dafür prangt auf der Rückseite auch extra ein Aufkleber, das neben der Anleitung deutlich darauf verweist. Motoren kommen nämlich nicht zum Einsatz, läuft wirklich nur über eine Federung.

Elegoo hat mir auch ein paar RFID-Spulen zur Verfügung gestellt. Dieses wurde in meinem Test beim Scannen korrekt erkannt, sodass ich nichts mehr manuell eingeben musste – außer der Befestigungsposition natürlich. Ich finde die Menüführung des Druckers selbst dabei übrigens sehr gut nachvollziehbar und nicht zu verschnörkelt. Mit dem Slicer hatte ich hingegen ein, zwei kleine Hakeleien. So funktionierte erst die Einbindung des Centauri Carbon 2 Combo weder automatisch noch über die IP, weil mein Mac auf dem Router hing, während sich der Drucker den Repeater ausgesucht hatte. Da half nur temporär den Stecker des Repeaters zu ziehen.

Während des Tests konnte ich ein einziges Mal auch den bereits verbundenen Centauri Carbon 2 Combo partout nicht erreichen. Da halfen auch keine Neustarts des Slicers. Das Blatt wendete sich jedoch direkt, nachdem ich den 3D-Drucker kurz aus- und dann wieder anschaltete. Replizieren konnte ich diesen Bug danach nicht mehr. Kleiner Kritikpunkt: Die integrierte Kamera des Druckers ist eher so „meh“. Druckte ich etwas in der Farbe Schwarz, konnte ich erst nach einigen Spuren über die Kamera erkennen, ob sich da wirklich etwas tut oder nur die Düse zuckt. Die Bildqualität ist also eher so semi-gut. Da hat sich im Vergleich zum Vorgänger also eher wenig bis gar nichts getan.

Gut sind hingegen für meine Begriffe die erstellten 3D-Drucke, auch wenn ich da nur Vergleiche aus dem weiteren Bekanntenkreis habe. So seht ihr etwa, dass das 3D-Benchy im Mehrfarbendruck sehr ordentlich aussieht. Auch das Stringing ist gering. Ich hatte bei dem zu sehenden Hasen und meiner Katze sehr leichte Fäden nach dem Druck, die sich aber sofort von Hand lösen ließen, ohne dass es negative Konsequenzen hatte. Allerdings: Beim Eiffelturm gab es in der Mitte nervige Fäden, die schwer zu entfernen gewesen sind. Zudem wurde da der äußere Zaun mit einem Fehler gedruckt, mutmaßlich durch eine Erschütterung, sodass ich diesen komplett entfernen musste. Allerdings kann das natürlich auch je nach Material variieren. Getestet habe ich nur mit PLA und PLA+.

Bei der in einem Zug / Teil mehrfarbig gedruckten Katze erkennt man noch gut die Layer, was aber eher am Modell liegt.

Filamentwechsel haben in meinem Test wunderbar und ohne Probleme funktioniert. Allerdings dauert es jeweils 2-3 Minuten, bis bei / nach einem Wechsel mit der neuen Farbe weitergedruckt werden kann. Das führt auch zu falschen Restzeitangaben. Die Katze mit den mehrfarbigen Augen etwa sollte zu Beginn des Kopfdruckes angeblich laut dem Elegoo Centauri Carbon 2 Combo nur noch ca. 14 Minuten benötigen. Doch beim Druck der Augen musste sehr oft das Filament gewechselt werden. So dauerte der restliche Druck in Wahrheit noch über eine Stunde. Die Angaben sind also nicht immer verlässlich. Dafür kann ich bescheinigen, dass auch bei längeren Drucken keine Probleme mit dem Multicolor-Canvas auftreten.

Auch steigen die Temperaturen im Drucker schneller als ich das angesichts der hohen „Dachkonstruktion“ gedacht hätte. In 1-2 Minuten kann der Druck in der Regel losgehen. Was mich „beeindruckt“ hat, ist jedoch der Müll, welcher besonders bei Mehrfarbdrucken entsteht. Beim Druck der kleinen Katze mit den mehrfarbigen Augen musste zum einen ein Wipe-Tower mitgedruckt werden, der größer als die Katze selbst gewesen ist. Schon das ist also eine Menge Überschuss für die Tonne. Was der Drucker dann aber hinten an sogenanntem „Poop“ ausgespuckt hat, entsprach sicher noch einmal mindestens der gleichen Menge. Nachhaltigkeits-Fans gefällt das nicht. Hier haben Drucker mit Multi-Toolhead-Lösungen ganz klar die Nase vorn – siehe Bambu Lab H2C, Prusa XL oder auch der Snapmaker U1.

Es gibt im übrigen für den mobilen Einsatz auch die App Elegoo Matrix. In der App könnt ihr ebenfalls den Druck verfolgen und etwa die Temperaturen und Canvas-Settings einsehen. Zudem dürft ihr z. B. sogar in die Lüftersteuerung eingreifen. Drucke könnt ihr über die App aber im Grunde nicht initiieren, denn im Gegensatz zum Desktop-Slicer ist die hauseigene Datenbank für 3D-Modelle, Nexprint, nicht eingebunden.

Mein Fazit

Mein erster Eindruck des Elegoo Centauri Carbon 2 Combo ist der eines absoluten 3D-Druck-Laiens, der seine ersten Erfahrungen sammelt. Ich werde euch eventuell aber noch später ein Update geben, um z. B. Effekte wie Warping genauer zu prüfen. Denn etwa lässt die vordere Tür links etwas Luft, sodass die Frage ist, wie das den Druck bei großen Objekten beeinflussen könnte. Bei meinen gedruckten Objekten spielte das jedoch noch keine Rolle.

So erledigt der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo Farbwechsel sauber und erstellt ansehnliche Multifarbdrucke. Er arbeitet aber oft länger, als er selbst zunächst in der App ausweist und produziert bei Mehrfarbdrucken dann leider sehr viel Müll nebenbei. Auch die Lautstärke und der Platzbedarf sind nicht zu verachten. Wenn ich mich allerdings so nach vergleichbaren Modellen umschaue, dann bietet dieser 3D-Drucker zum ausgerufenen Preis von 439 Euro schon eine ganze Menge. Auch wenn ich als exakte Zielgruppe, Einsteiger, beim Testen mit Sicherheit ein paar neue, graue Haare bekommen habe.

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