
Foto von Taylor Vick auf Unsplash
Der Deutsche fremdelt angeblich mit dem technologischen Wandel. Der aktuelle Bosch Tech Compass, durchgeführt von der Gesellschaft für Innovative Marktforschung, zeichnet ein Bild, das im internationalen Vergleich durchaus nachdenklich stimmt. Während anderswo die Zukunft kaum schnell genug kommen kann, würde hierzulande laut der Erhebung jeder Zweite am liebsten die Pausentaste drücken.
Es ist schon bezeichnend, dass nur 59 Prozent der Befragten in Deutschland glauben, technologischer Fortschritt mache die Welt zu einem besseren Ort. Damit liegen wir zwar noch vor den Franzosen mit 53 Prozent, schauen aber neidisch auf die Zahlen aus China oder Indien, wo 87 beziehungsweise 84 Prozent Technik als Schlüssel für eine bessere Zukunft sehen.
Richtig deutlich wird die Abneigung, wenn es um konkrete Zukunftsszenarien geht, die nach Science-Fiction klingen. Die Vorstellung, auf einem anderen Planeten zu leben, lockt hierzulande nicht einmal jeden Fünften hinter dem Ofen hervor. In Indien wären dazu zwei Drittel bereit. Auch das Thema Neurotechnologie, also die Verbindung des eigenen Gehirns mit dem Internet à la Neuralink, stößt auf massive Ablehnung. Nur 13 Prozent könnten sich das vorstellen. Selbst wenn es um die Gesundheit geht, bleibt das Misstrauen groß: Fast drei Viertel würden ihre privaten Daten nicht herausgeben, selbst wenn dies eine bessere Versorgung garantieren würde. Wobei ich vermute, dass es nicht um die Datenherausgabe selbst geht, sondern die Angst, dass etwas in die falschen Hände gelangt. Das kann man schon nachvollziehen.
Interessant ist der Blick auf das Thema Künstliche Intelligenz. 77 Prozent sehen darin zwar die einflussreichste Technologie der kommenden Jahre, aber nur 40 Prozent fühlen sich darauf vorbereitet. Diese Diskrepanz ist in keinem anderen der sieben untersuchten Länder so groß wie bei uns.
Übrigens: nicht einmal jeder Dritte nimmt das deutsche Bildungssystem als Förderer von innovativem Denken wahr. Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen kommen schlecht weg; weniger als ein Viertel glaubt, dass diese Innovationen begünstigen.
Bosch-Chef Stefan Hartung zieht daraus den Schluss, dass wir dringend an der gesellschaftlichen Akzeptanz für Neues arbeiten müssen. Er fordert bessere Rahmenbedingungen wie steuerliche Entlastungen für Investitionen, weniger Bürokratie und mehr Agilität. Vor allem aber wünscht er sich mehr Mut zum Risiko, eine Eigenschaft, die uns laut dieser Zahlen wohl gerade etwas abhandengekommen ist.
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5 days ago
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