Deepmind-Pionier David Silver sucht mit eigenem Start-up nach neuen Wegen zur Super-KI

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Google Deepmind verliert mit David Silver einen führenden KI-Forscher und das Narrativ, dass aktuelle Sprachmodelle allein zu Super-KI führen, ein weiteres Mosaik.

Silver war einer der ersten Mitarbeiter des KI-Labors und maßgeblich an berühmten Projekten wie AlphaGo, AlphaZero und MuZero beteiligt. Wie Fortune berichtet, hat Silver das Unternehmen verlassen, um in London sein eigenes Start-up namens Ineffable Intelligence zu gründen. Das Unternehmen wurde im November 2025 registriert und sucht derzeit Investoren sowie KI-Forscher.

Silver will sich auf Superintelligenz konzentrieren – also KI, die Menschen in jeder Hinsicht weit übertrifft. Er sieht große Sprachmodelle als begrenzt an, da sie auf menschlichem Wissen basieren. Stattdessen setzt er auf Reinforcement Learning, bei dem KI durch Versuch und Irrtum selbst lernt. Ein Google-Deepmind-Sprecher bestätigte Silvers Abgang gegenüber Fortune und würdigte seine Arbeit als "unschätzbar wertvoll".

Die "Ära der Erfahrungen"

Silver hatte im April 2025 gemeinsam mit dem bekannten KI-Forscher Richard Sutton ein Paper veröffentlicht, in dem beide einen Paradigmenwechsel fordern: Weg vom Training mit menschlichem Wissen, hin zu Systemen, die aus eigener Erfahrung lernen.

Die Autoren nennen dies die "Era of Experience" und setzen dabei auf sogenannte Weltmodelle – interne Simulationen, mit denen KI-Agenten die Folgen ihrer Handlungen vorhersagen können. Ein Schlüsselelement ist kontinuierliches Lernen: Statt einmalig trainiert zu werden, sollen KI-Agenten sich über Monate oder Jahre an ihre Umwelt anpassen, ähnlich wie Menschen oder Tiere. Dazu passt, dass Silver zufolge Ineffable Intelligence eine "endlos lernende Superintelligenz bauen soll, die selbst die Grundlagen allen Wissens entdeckt".

Silver reiht sich damit in eine wachsende Zahl führender KI-Forscher ein, die nicht glauben, dass die aktuelle Transformer-Architektur zu Superintelligenz führt. Ilya Sutskever etwa, ehemaliger Chefwissenschaftler von OpenAI, hat mit Safe Superintelligence ein eigenes Start-up gegründet, das abseits großer Sprachmodelle nach neuen Ansätzen sucht.

Auch Jerry Tworek, der bei OpenAI maßgeblich an der Entwicklung der Reasoning-Modelle beteiligt war, hat das Unternehmen kürzlich verlassen. Er sieht, wie Silver, kontinuierliches Lernen als einen der letzten wichtigen Bausteine vor echter KI: Menschen hätten keinen separaten Lernmodus, alles passiere gleichzeitig, sagte Tworek in einem Podcast-Interview. Solange Modelle nicht unmittelbar aus Daten lernten, blieben ihre Fähigkeiten begrenzt. Eine solch grundlegende Forschung sei bei einem stark kommerziell orientierten Unternehmen wie OpenAI nicht mehr möglich.

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