Creality Sermoon S1: 3D-Scanner mit blauem Laser im Kurztest

1 week ago 5

Mit dem Thema 3D-Druck beschäftige ich mich bereits seit längerem. In den vergangenen Wochen konnte ich nun auch erste Erfahrungen mit einem 3D-Scanner, genauer gesagt dem Sermoon S1 von Creality sammeln. Während ich bislang überwiegend fertige Modelle, oder 3D-Modelle aus dem CAD-Programm auf den Drucker werfe, erlaubt der Scanner das detaillierte Scannen von Objekten, etwa um Ersatzteile zu entwerfen und diese zu drucken. Damit entfällt unter anderem der Aufwand zu Vermessen und Konstruieren – gerade praktisch für komplexere Objekte. Das war letztlich auch mein Test-Usecase für den Sermoon S1.

Technische Daten

Der Sermoon S1 setzt auf blauen Laser, um 3D-Scans mit einer Genauigkeit von bis zu 0,02 Millimetern zu erfassen. Neben einem Single-Laser für Details und tiefere Einkerbungen gibt es 7 parallele Laser für kleinere Objekte oder 34 blaue Kreuzlinienlaser zur schnellen Erfassung größerer Objekte. Bis zu 90 Bilder pro Sekunde werden beim Scannen erfasst. Man setzt auf einen hybriden Ansatz, denn es gibt zudem Infrarot (genauer: NIR) nebst diversen Weitwinkelkameras, um strukturiertes Licht mit 30 FPS zu erfassen. Eine RGB-Kamera, mit 2 Megapixeln, kann zudem Farben aufnehmen. Dies soll den Scanner zum Allrounder für kleine Objekte mit hoher Genauigkeit bis hin zu größeren Objekten machen. Die Verbindung zum Laptop erfolgt per USB (USB-A bzw. USB-C mit Adapter). Zudem gibt es noch 12 LEDs.

Ausgepackt & ausprobiert: der Sermoon S1 im ersten Eindruck

Der Scanner kommt in einem robusten Koffer, in dem er verstaut werden kann und auch etwas Zubehör seinen Platz findet. Alles ist durch Schaumstoff ausgekleidet. Im Lieferumfang liegen neben Scanner sowie Netzteil und Kabellage auch eine Kalibrierplatte sowie Scan-Marker als Aufkleber bei. Die Verarbeitung des Scanners macht einen guten sowie hochwertigen Eindruck. So ist das Gehäuse mit Gummierungen eingefasst.

Der Scanner wird über ein zwei Meter langes Kabel mit einem Endgerät, z. B. Laptop verbunden. Auf jenem benötigt es die Software CrealityScan 4. Diese führt auch durch die Kalibrierung durch, welche mithilfe einer mitgelieferten Glasplatte erfolgt. Nachdem man den QR-Code (mit dem Scanner) auf deren Rückseite gescannt hat, führt die Software durch den einfachen Kalibrierungsprozess und visualisiert anschaulich, aus welchem Abstand sowie Winkel man den Scanner über die Kalibrierungsplatte halten soll.

Schön hätte ich gefunden, wenn sich die Rückseite zudem auch als Scannertisch einsetzen lassen könnte und diese bereits mit entsprechenden Markierungspunkten versehen wäre. Doch die Markierungspunkte liegen nur als Klebepunkte im Lieferumfang bei – später dazu aber etwas mehr.

Beim zwei Meter langen Y-Kabel handelt es sich um ein proprietäres Kabel. Jenes erfordert zudem die dauerhafte Stromzufuhr über einen separaten Netzteil-Anschluss. Zum Notebook geht es dann mit USB-A, USB-C nur per Adapter – das hätte ich mir dann zeitgemäß, wenn dann umgekehrt gewünscht. Zudem gestaltet sich die Kabellösung doch sehr unkomfortabel, gerade wenn man mit dem Scanner (im Querformat gehalten) um ein Objekt rotiert. Besonders der VGA-anmutende Anschluss am Scanner, USB-C, mit zwei Schrauben, ist da doch etwas sperrig. Zudem ist auch immer ein Endgerät mit Windows oder Mac zum Scannen wirklich nötig.

Ansonsten sei bereits an dieser Stelle erwähnt, dass ein Griff für eine kabellose Lösung zwar als Zubehör zum Nachrüsten bereitsteht, dieses aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist. Ohne Griff gestaltete sich für mich, wenngleich die meisten Scans recht flott vonstattengehen, der Scanner (im mir vorliegenden Lieferumfang) doch als wenig ergonomisch. Immerhin bringt er ein Gewicht von einem knappen halben Kilogramm auf die Waage. Für eine erwünschte, horizontale Ausrichtung muss man sein Handgelenk immer abknicken, oder zweihändig zugreifen.

3D-Scannen mit dem Sermoon S1 in der Praxis

Der Scan-Vorgang selbst geht einfach und auf Wunsch auch sehr detailreich vonstatten. So habe ich mir für meinen Test ein Ersatzteil in der Größenordnung weniger Zentimeter vorgenommen, was aufgrund von Details und Bohrungen durchaus auch etwas herausfordernd sein dürfte. Selbst feine Prägungen, wie Schriftzüge, waren nachher auf dem Scan zu sehen. Entsprechend geeignet war hier eine Kombination aus den parallelen sowie Single-Laser.

Der Scanner liefert über die Tasten direkt die Möglichkeit, den Scan zu starten und jenen zu unterbrechen. Auch kann per Doppelklick zwischen den verschiedenen Scan-Modi gewechselt werden. Das ist praktisch, denn so kann man Details wie Bohrungen mit dem Single-Laser im selben Scan-Vorgang mit erledigen. Schön ist ein farblicher Indikator, welcher angibt, ob man eine optimale Entfernung zum Scanobjekt hat oder man zu nah bzw. zu weit entfernt ist. Der Indikator ist je nach Position aber leicht sprunghaft. Auf dem Bildschirm kann dann verfolgt werden, wie sich das Objekt, sukzessive blau färbt. Dies ist der Indikator, dass für diese Flächen genügend Scan-Informationen vorhanden sind.

Deutliche Verbesserungen konnte ich zudem erzielen, als ich mir weitere Marker aus dem 3D-Drucker gelassen habe. Diese liefern Markierungspunkte von allen Seiten, Winkeln und Höhen aus. Das hatte einen erheblichen Einfluss auf das letztliche Scan-Resultat. Zudem kleiner Tipp zur späteren Nachbearbeitung per Software: Ich habe die kleinen Ersatzteile immer aufgebockt, sodass sie dann später fast „schwebend“ in der Software waren, um sie einfacher freizustellen.

Eine Gelinggarantie gibt es keine und so bedarf es doch durchaus an einigen Kniffen sowie etwas Experimentierfreude. So sollten Objekte nicht transparent sein oder spiegeln (müssten entsprechend maskiert werden), dank blauem Laser sind aber auch dunkle Objekte kein Problem. Möglicherweise müsst ihr zudem etwas mit eurer Umgebungsbeleuchtung spielen – so hatte ich aufgrund von Spiegelungen und Lichtreflexionen anfänglich auch mal Probleme, dass das Modell doppelt auf dem Bildschirm auftauchte.

Im Nahinfrarot-Modus habe ich testweise auch mal mein Gesicht gescannt, da kommen durchaus gute und detailreiche Ergebnisse bei raus. Es gibt hierfür auch einen Körper-Modus in der Software. Da es hierfür (für mich) aber eher weniger praktische Einsatzzwecke gibt, habe ich das letztlich auch nicht sonderlich weiter verfolgt.

Etwas nervig, aber für die kurze Scan-Dauer verschmerzbar: Der Scanner kommt mit einem Lüfter und ist entsprechend durchaus laut hörbar.

CrealityScan 4: Software mit Schwächen und Übersetzungslücken

Zum Betrieb der Scan-Software CrealityScan 4 sollte ein Endgerät mit entsprechender Power, vorrangig entsprechendem Arbeitsspeicher, verwendet werden. Diverse Verarbeitungsschritte sind da durchaus recht rechenintensiv.

Die Software ist recht übersichtlich und nachvollziehbar aufgebaut und man findet sich durchaus schnell zurecht. Schwieriger ist es da beim Dschungel rund um alle Einstellungsmöglichkeiten des Scanners. Da hab ich mich doch recht häufig alleingelassen gefühlt, was das Thema Transparenz und Erklärungen angeht. Beispiele aus der Praxis, was eine Option letztlich anstellt, hätten mich da eher weitergebracht als kurze Erklärungen hinter einem „i“. Zudem weist die Software mit deutscher Sprachoption doch vielseitige Übersetzungslücken und -fehler auf. Wenn man schon eine Sprache anbietet, dann sollte man diese meiner Meinung nach auch ordentlich übersetzen und es ansonsten lieber bleiben lassen.

Auch sonst gibt es kleinere Probleme und Hakeleien. Etwa wird beim Ein/Ausblenden von „Ebenen“ in den Scans – etwa den Markierungen – nicht automatisch gespeichert. Befindet man sich also in der Nachbearbeitung, möchte dann doch nochmals die Markierungen flott ein- oder ausblenden, dann ist der Bearbeitungsfortschritt seit dem letzten Scan dahin.

Es gibt zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten, um aus den Punktewolken letztlich ein 3D-Modell zu machen. Hierbei kann man auch mehrere Scans kombinieren, wenngleich der automatischen Funktion durch Markierungen da teils auf die Sprünge geholfen werden muss.

Möglich ist auch das Glätten von Oberflächen und das Stopfen von Löchern. Geht es dann aber um weitere Bearbeitungsschritte, so lassen sich diese nur schwer mit der Software – ohne weitere Software von Drittanbietern – umsetzen. So hatte ich Probleme damit Fragmente zu entfernen, die direkt am Objekt klebten und es gab für mich auch nicht die Möglichkeiten Unebebenheiten auszugleichen. So waren Objekte, teils auch durch Prägungen, in manchen Teilbereichen minimal dünner – was letztlich dann auch den Druck erschwerte.

Unterm Strich machen es diverse Software-Schritte recht wenig transparent und einige Möglichkeiten fehlen letztlich auch, um ein ordentliches fertiges 3D-Modell zu erhalten. Was man letztlich als STL exportiert, dann auch direkt wieder mit dem 3D-Drucker drucken kann. Die Ergebnisse sind als Prototypen durchaus taugig. Durch die Nachbearbeitung und den anschließenden Druck gibt es aber auch wieder einige Ungenauigkeiten, gerade etwa bei der Präzision kleinerer Löcher bzw. Bohrlöcher, die es schwierig machen dann exakt nachgedruckte Ergebnisse zu erhalten. Am meisten enttäuscht hatte mich aber, dass es nicht mit einfachen Boardmitteln möglich war, einzelne Lücken in den Ebenen aufzufüllen, um letztlich eine plane Oberfläche zu erhalten. Gerade mit einfachen Geometrien müsste das durchaus machbar sein.

Unterm Strich

Der Sermoon S1 ist in der Lage, detailgetreue 3D-Scans zu erstellen. Für den aufgerufenen Preis von knapp 2500 Euro hätte ich erwartet, dass Punkte, wie die Ergonomie, kein Problem darstellen und dass auch die Software-Qualität nicht so lückenhaft ist. Zudem muss man für die endgültige Weiterverarbeitung doch diverse Anpassungen vornehmen – die mit Boardmitteln letztlich alleine nicht möglich sind und die zudem auch noch einiges an Zeit kosten. Da hätte ich mir bei einfachen Geometrien oder letztlich planen Ebenen schon mehr Unterstützung und Zeitersparnis bei der Nachbearbeitung gewünscht, sodass ich die Objekte dann durchaus ohne viel herumzufummeln auch mit dem 3D-Drucker nachdrucken kann. Preislich und auch in der Handhabe nichts für den Normalo.

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