Hallo aus Hannover,
manchmal muss man ein bewährtes Werkzeug komplett zerlegen, damit es danach besser läuft. Genau das haben meine Kollegen Dennis Schirrmacher und Peter Siering mit Desinfec't gemacht, dem c't-Sicherheitstool, das seit Jahren digitales Ungeziefer auf Windows-Rechnern aufspürt. Herausgekommen ist eine Version 2026, die unter der Haube kaum wiederzuerkennen ist, sich aber angenehm vertraut bedienen lässt. In der aktuellen c't-Titelstrecke erklären wir, was neu ist und wie Sie rasch damit loslegen können. Viel Erfolg beim Ausprobieren!
Frisches Desinfec’t 2026
Desinfec't scannt Windows-PCs von einem transportablen Datenträger aus, etwa einem USB-Stick oder einer SSD. Während das Windows-System ruht, kann auch der Schadcode kein Unheil anrichten. So weit, so das bekannte und bewährte Prinzip. Neu ist praktisch alles darunter: Als Basis dient jetzt Ubuntu 26.04 LTS, das Dateisystem auf dem Stick ist Btrfs, und ein beim Erstellen angelegter Snapshot bringt den Datenträger auf Wunsch in den Auslieferungszustand zurück. Ebenfalls neu: RustDesk statt bisheriger Fernwartungslösung, ein SSH-Server für Kommandozeilenfans und der Spezialterminal AVCompanion für Malwareanalysten.
An Bord sind ESET Server Security, IKARUS cmd.scan, WithSecure ATLANT und ClamAV. Dazu gesellen sich Werkzeuge für Malware-Analysten wie Capa und FLOSS. Ein Jahr lang gibt es kostenlose Signaturupdates. Der neue Scanassistent AVRunner bündelt, was bisher über mehrere Tools verstreut war: Er bindet Windows-Laufwerke ein (inklusive BitLocker-Abfrage), zeigt den Fortschritt, überwacht die Systemressourcen und merkt sogar, wenn ein Scanner sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hat. Für Firmen und Unis gibt es Sonderkonditionen im heise shop.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung darf natürlich auch nicht fehlen. Meine Kollegen Dennis Schirrmacher und Peter Siering erklären im Detail, wie Sie Desinfec't auf den Stick und den Stick zum Laufen bekommen. Erstmals hat das Tool eine eigene Projektseite (ct.de/desinfect) mit Image und dem selbst entwickelten Imagewriter für Windows und macOS. Der überträgt die knapp 4 GByte große xz-Datei direkt auf den Datenträger, ohne vorheriges Entpacken. Wir empfehlen einen Marken-USB-Stick oder besser eine externe SSD mit mindestens 32 GByte Kapazität. Untaugliche Billigsticks werden von Desinfec't gnadenlos entlarvt – notfalls durch den kleinen Wächter „Flashguard", der Schreibfehler und Überlastung meldet.
Der Start klappt entweder aus dem laufenden Windows (Umschalt-Taste + Neustart) oder über die Bootweiche mit F9, F11 oder F12. Halten Sie unbedingt Ihren BitLocker-Schlüssel griffbereit, bevor Sie mit Experimenten beginnen.
Ist das System oben, übernimmt AVRunner: Windows-Laufwerke einbinden, Scanziele festlegen, Signaturen aktualisieren, loslegen. Vorfilter beschleunigen Scans, etwa indem sie nur ausführbare oder kürzlich geänderte Dateien prüfen. Parallel-Scans sind auf üppig ausgestatteten Rechnern möglich, für Ungeduldige gibt es „Scanner starten und herunterfahren". Die Ergebnisse landen als HTML- oder JSON-Bericht auf dem Datenaustauschbereich des Sticks. Für alle Funde werden SHA256-Prüfsummen berechnet. Per Doppelklick auf eine Prüfsumme zeigt der Onlinedienst VirusTotal Informationen über die jeweilige Datei.
Bei Funden hilft AVRunner mit einer minimalinvasiven Säuberung: An befallene Dateien wird „_desinfected" angehängt, damit Windows sie nicht mehr automatisch startet. Für Notfälle bringt das Bootmenü außerdem einen Systemdateischutz mit, der alle Änderungen ins RAM umleitet, und die Werkseinstellungen-Wiederherstellung setzt den Stick per Btrfs-Snapshot auf den Ursprungszustand zurück.
In der nächsten c't-Ausgabe verraten wir, welche technischen Entscheidungen hinter der Neuentwicklung stecken und welche Probleme dabei zu lösen waren. Bis dahin: gutes Gelingen!
(Bild: Martina Bruns / KI / heise medien)
Auch das noch!
Es birgt schon eine gewisse Ironie: Die versammelte Tech-Elite arbeitet fieberhaft an der Superintelligenz, kein Einsatz scheint zu hoch, dieses hehre Ziel zu erreichen. Aber wofür? Nach Deepfake-Pornografie, Propaganda und Überwachung befördert KI jetzt den Rückfall in die gute alte Zeit, und damit sind leider nicht die 50er-Jahre gemeint.
Aktuell werden die für eine Weile aus der Mode gekommenen mittelalterlichen Praktiken Hexenjagd und Pranger wieder salonfähig, sie hüllen sich nur ins schicke Tech-Gewand. An der Hexenjagd kann sich jedermann bequem vom heimischen Sofa aus beteiligen, indem er abends noch ein paar journalistische Texte an den gehypten KI-Detektor Pangram verfüttert. In den USA wird diese Neuauflage der früher gegen Politiker und Wissenschaftler gerichteten Plagiatsjagd offenbar bereits im größeren Stil praktiziert; ein Opfer war die Tech-Journalistin Taylor Lorenz. Nach heftigem Widerspruch prüften die Pangram-Entwickler, gestanden den Irrtum und entschuldigten sich. In der Regel lässt sich nicht transparent nachvollziehen, wie genau Pangram zu seiner Einschätzung kommt und welches Trainingsmaterial seiner Prognosefähigkeit zugrunde liegt. Es spuckt nur einen Wahrscheinlichkeitswert aus.
Der Pranger wiederum erlebt sein Revival als Plattform für KI-getriebenes Journalisten-Ranking. Der von Palantir-Gründer Peter Thiel finanzierte Dienst startete ursprünglich unter dem Namen Objection und hatte das Ziel, Klagen gegen Journalisten zu unterstützen. Nach seiner Neuausrichtung heißt er Primary und gibt vor, die Qualität journalistischer Arbeit anhand „eines empirischen Scores, mithilfe einer konsistenten, transparenten und auf Grundprinzipien basierenden Methodik“ zu evaluieren. Doch mit welchen Texten und welchen Optimierungszielen dieses Verfahren trainiert wurde, bleibt offen.
Mein Kollege Jo Bager wirft einen Blick auf die aktuelle Diskussion rund um KI-generierte Texte in Politik und Journalismus. Unser Chefredakteur Volker Zota nimmt ebenfalls Stellung zum Thema. Aber ganz unabhängig von der inhaltlichen Auseinandersetzung zeigt die Debatte, wie wichtig es ist, die Funktionsweise KI-gestützter Prüfwerkzeuge zu verstehen. Denn sie liefern keine Beweise, sondern versuchen anhand von Mustern die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob ein Text KI-generiert ist oder nicht. Dabei können sie auch gründlich danebenliegen. Vor allem aber ist die Technik nicht per se "neutral" oder "unvoreingenommen", sondern ihr Training stützt sich auf menschliche Entscheidungen, Annahmen und Strategien.
- Autoren und KI Wie viel Hilfe ist legitim?
- Kommentar: Verantwortung ist nicht delegierbar
- Palantir: Thiel-Millionen gegen kritische Presse
Meine persönlichen Highlights
Kinder und Jugendliche wachsen heute selbstverständlich mit sozialen Netzwerken, Videoplattformen und KI auf. Politik fordert Verbote, Plattformen versprechen Besserung, doch für Kinder ändert sich wenig. Eine ernüchternde Bestandsaufnahme.
Jeden Sommer dasselbe Spiel: Werbebanner, Videos und Spam-Mails versprechen Linderung bei Hitze. Doch was – und wer – steckt dahinter?
Die praktischen Kombinationen aus USB-Webcam, einfacher Mikroskopoptik und Farbdisplay erleichtert das Arbeiten an filigraner Elektronik und Feinmechanik und unterstützt Sammler beim Begutachten von Münzen und Briefmarken. Die preisgünstigen und leicht zu bedienenden Geräte eignen sich auch gut für Kinder bei der Ersterforschung des Mikrokosmos.
In immer mehr Regionen in Deutschland und Europa gibt es für Fahrgäste bequeme Verfahren, um sich selbst in Bus und Bahn ein- und auszubuchen. Wir haben sie uns die universellen ÖPNV-Apps in Hannover, Kopenhagen und Amsterdam genauer angesehen.
Das E-Auto wird mit Vehicle-to-Grid (V2G) zum dezentralen Stromspeicher fürs öffentliche Netz. Wir erklären, wie V2G funktioniert und was Sie dafür benötigen.
Bald soll die EUDI-Wallet die Digitalisierung antreiben. Doch die Gefahr einer Bauchlandung ist real, weil anfangs nur eine abgespeckte Version der Brieftasche verfügbar sein wird und Nutzer ihre E-Perso-PIN benötigen.
Die Grammatik- und Schreibstilprüfung in Microsoft Word ist nur so mittelgut. Den wesentlich besseren Lektor gibt der Onlinedienst LanguageTool, den Sie per Add-in einfach in Word einbinden können. Wir zeigen, wie das geht und wie Sie einen LanguageTool-Server lokal installieren und mit Word verbinden können.
E-Reader gibt es in vielen Größen und Preisklassen. Wir zeigen, worauf es beim Kauf ankommt und welches Modell Ihre Anforderungen erfüllt.
(Bild: Andreas Wodrich / heise medien)
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(atr)



