Bambu Lab H2S ausprobiert: Zuverlässiger 3D-Druck – ein Kinderspiel

2 months ago 8

Bambu Lab hat mit dem H2S im Sommer einen 3D-Drucker vorgestellt, der sich durch ein besonders großes Bauvolumen auszeichnet, statt auf zwei wie beim H2D aber wieder nur auf einen einzelnen Extruder setzt. Zudem verzichtet man auf das Vortek-System, um Hotends intelligent zu wechseln, um unterschiedliche Farben sowie Filamentmaterialien in einem Druck zu kombinieren, wie das der jüngst vorgestellte H2C auf dem Kasten hat.

Den H2S gibt es als günstiges Modell der H2-Serie, wie auch die anderen H2-Modelle als reinen 3D-Drucker sowie auch aufgerüstet zum Laser und Plotter – quasi zur DIY-All-in-One-Maschine. Die mir vorliegende Variante ist ein reiner 3D-Drucker und wurde von mir auch nur als solcher getestet, wenngleich man ihn auch nachträglich noch – mit entsprechender Umbauarbeit – aufrüsten könnte.

Technische Daten

  • Bauvolumen: 340 × 320 × 340 mm
  • Nozzles: Duales System, magnetische Aufnahme, 0,4 mm (kompatibel mit A1, aber optimiert)
  • Heizbett: Vollflächig beheizt, PEI-Flex, optional hochpräzise Vision-Encoding-Platte
  • AMS: 4-Spulen AMS 2 Pro inkl. Dryer (bis 65 °C), AMS HT für hochwertigere Materialien (bis 85 °C)
  • Max. Temperaturen: Nozzle bis 350 °C, Chamber bis 65 °C, Bed unbekannt (typisch: ~110 °C)
  • Filamente: PLA, PETG, TPU, ABS, PA(CF), PPS und mehr (Engineering-Grade)
  • Laser-Edition zusätzlich mit Laser-Modul: 10W, mit grünem Schutzglas, Bird’s Eye Kamera, Air-Assist & HEPA-Filter
  • Plotten/Schneiden: Pen- & Messerhalter, wechselbare Werkplatten (Magnet)
  • Kameras: 3x 1080p (Nozzle, Toolhead, Live), 1x 8MP Bird’s Eye (Laser-Version)
  • Bed Leveling: Automatisch, inkl. Dual-Alignment, Vibrationsausgleich
  • Display: 5-Zoll-Touchscreen, Zusatzkontrolle via App/Web
  • Kompatibilität: AMS, AMS 2 Pro, AMS HT und (limitiert) ältere AMS-Modelle
  • Konnektivität: USB, LAN, WiFi, optional Developer Mode (offline/USB-only)
  • Sicherheit: HEPA-Filter, Carbon, verschließbare Tür, automatisierte Vents, Temperaturüberwachung, Not-Aus

Ausgepackt & Inbetriebnahme

Der H2S kam in einem riesigen Karton bei mir an und bringt durchaus auch einige Kilo (knapp 30 Kilogramm) auf die Waage. Mit seinen Abmessungen von 49,2 x 51,4 x 62,6 Zentimetern (ohne AMS) ist er ein Bolide, für den man auch erstmal Platz haben muss. Großer Drucker, großer Bauraum eben. Bei seiner Ankunft war der Drucker mit zahlreichen Transportsicherungen versehen. Der „Zusammenbau“ grenzte mehr an ein Escape-Room-Spiel, mit der Anleitung, sämtliche dieser Sicherungen zu entfernen, als um einen wirklichen Aufbau in Ikea-Manier. Ließ sich trotz allem recht flott erledigen. Kaum waren die Sicherungen entfernt, konnte ich das AMS 2 Pro noch anstöpseln. Etwas unschön: Nicht alle Sticker lassen sich sauber und problemlos ablösen.

Die Verarbeitung ist erstklassig und der H2S macht einen sehr wertigen sowie professionellen Eindruck. Alles ist (sehr) hochwertig verarbeitet – die verbauten Materialien wie Aluminium sowie die Glasfront und der Aufbau mit stabilen Scharnieren sowie Türen tragen maßgeblich zu diesem positiven Eindruck bei. Für mich wirklich ein Benchmark in puncto 3D-Druck-Hardware für zu Hause. Das spielt alles auf einem sehr hohen Niveau und wirkt durchaus robust.

Vor der Erstinbetriebnahme durchläuft der H2S eine Kalibrierung, die gut und gerne etwas über eine halbe Stunde dauert. Das klappt aber alles ohne euer Zutun und ihr müsst da nicht dem Gerät Händchenhalten. Die automatischen Kalibrierungsmöglichkeiten sind prima. Das merkt man dem Gerät im Betrieb auch bei Vibrationen und Geräuschen an. So kann ich gut und gerne direkt nebenan arbeiten (vom Geruch ohne geöffnetes Fenster mal abgesehen). Und auch die Nutzung für längere Drucke, etwa über Nacht, ist ohne große Geräuschkulisse durchaus sehr angenehm.

Praxistest: Verschiedene Materialien – Easy to Print mit sehr guter Druckqualität

Ich gehöre nicht zur Fraktion: „Ich (habe viel Zeit und) frickel ewig mit 3D-Druck herum“, sondern wenn ich etwas aufs Druckbett schmeiße, dann soll das, möglichst recht simpel und zuverlässig, funktionieren. Eine Anforderung, welche der H2S bestens erfüllt. Während ich bislang vorrangig PLA druckte, hatte ich wenig Mühe – auch mit anderen Filament-Sorten. So lässt sich brüchiges ASA-CF mit dem H2S und unter Verwendung des AMS2 Pro fast ebenso einfach und mühelos drucken wie PLA – mit sauberen Kanten sowie knackigen Konturen. Probleme wie Blobs oder Stringing hatte ich keine bzw. nichts, was sich, auch bei Feuchte, mit dem AMS2 Pro durchs Filamenttrocknen (binnen recht kurzer Zeit) in den Griff bekommen ließ. Vier Spulen lassen sich hier gleichzeitig trocknen.

ASA-CF habe ebenfalls für mich entdeckt, da das Druckergebnis wesentlich temperaturbeständiger ist, etwa für einen Organizer im Auto (voriger aus PLA hat sich im Sommer doch sehr stark verformt). Ich drucke gerne praktische und pragmatische Dinge und hier kommt mir das sehr gelegen. Auch hier: Kaum Unterschiede in der Handhabe, ich habe lediglich zusätzlich noch mit dem Klebstift eine Trennschicht auf das Druckbett aufgetragen. Der geschlossene Bauraum sowie ein ausgeklügeltes Lüftungskonzept mit automatischer Belüftung sorgen dafür, dass immer die temperaturtechnischen Gegebenheiten passen, die für das Filament benötigt werden. Dazu gehört auch das Öffnen bzw. Schließen der Klappen. Man kann also, ohne sich viele Gedanken zu machen, sämtliche Drucke bedenkenlos mit geschlossener Türe durchführen.

Erfahrungen zum Drucken mit TPU hat Olli in seinem Test zum H2D niedergeschrieben. Das benötigt auch beim H2D bzw. H2S etwas mehr Vorlauf und Vorbereitung, da man hier nicht mal eben die Filament-Spule in das AMS einlegt. TPU soll beim H2S aufgrund des flexiblen und verformbaren Filaments mit möglichst reduziertem Vorschubwiderstand gedruckt werden. Bambu Lab stellt da beispielsweise eine Druckvorlage für eine Filament-Halterung über dem Druckraum des H2D (bzw. H2S) zur Verfügung, um dies zu gewährleisten. Für die genaue Handhabe lege ich euch folgendes Wiki ans Herz. Zur Trocknung ist überdies hinaus ein AMS HT vonnöten, welches mir nicht vorliegt.

Anders als beim H2D und beim H2C setzt der Bambu Lab H2S auf ein Single-Nozzle-System. Für meinen persönlichen Einsatzzweck reicht das völlig aus, denn ich drucke vorrangig einfarbig – pragmatische Lösungen eben. Mehrfarbige Drucke sind mit einem (oder theoretisch mehreren) AMS-Systemen problemlos möglich. Je nachdem wie oft es letztlich zu Farbwechseln kommt, verursacht dies mehr Abfall („Poop“ sowie der Purge-Turm) und der Druck dauert länger. Wer einen 3D-Drucker, wie ich, privat nutzt und zudem nur wenig mit Multimaterial oder Multifarben macht, der kann das sicherlich verschmerzen – zumal einfarbige Drucke aufgrund der leichteren Aufhängung schneller vonstatten gehen als es bei der Dual-Nozzle-Lösung (H2D) oder mit Vortex-System (H2C) der Fall sein soll. Möglich sind Drucke mit mehreren Materialien bzw. Farben ja dennoch.

Ein Vorzug vom H2C könnte noch sein, dass hier unterschiedliche Nozzles vorgehalten werden können, etwa eine größere Nozzle für stabilere und schnellere Drucke oder eine kleinere für detailliertere Druck-Ergebnisse. Ich selbst habe das AMS vorrangig nicht für mehrfarbige Drucke eingesetzt, sondern für den einfachen Zugriff auf eine größere Filament-Auswahl ohne Wechsel – ebenso ähnlich könnte ich mir da auch das Vortex-System komfortabler vorstellen. Ob das die Mehrkosten oder andersherum die Ersparnisse für euch rechtfertigt, das müsst ihr selbst entscheiden. (Auch wenn der Nozzle-Wechsel schnell geht, ist man da halt oftmals zu faul für und man nimmt den einfachen Weg, auf standardmäßige 0,4 Millimeter zu setzen.)

Auch sonst macht man für mich die richtigen Abstriche im Vergleich zu den besser ausgestatteten Geschwistern. So verzichtet man auf eine Düsenkamera und Seitenfenster, ansonsten ist die Ausstattung – und somit auch das Druckergebnis – nahezu identisch und das ist bekanntlich auf einem sehr hohen Niveau.

Zur Software-Lösung Bambu Studio muss ich wohl nicht allzu viele Worte verlieren. Diese dürfte von anderen Druckern allumfassend bekannt sein. Sie umfasst neben der Möglichkeit, die Druckeinstellungen und den Druckprozess zu verfolgen, auch integrierte Slicer-Tools. Das integrierte Touch-Panel habe ich daher selten benutzt, wenngleich es sich hierbei wirklich um ein hervorragendes Panel handelt, welches darüber hinaus auch schnell und latenzfrei reagiert und einen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen bietet.

Über Makerworld gibt es unfassbar viele fertige 3D-Objekte, die sich auch bequem per App auf den Drucker schicken lassen. Die mobile App bietet logischerweise nicht die umfassenden Slicing-Funktionen, aber vor allem die wichtigsten Druckdaten und Druckfortschritte lassen sich hier ebenfalls auf dem mobilen Endgerät abrufen. Inklusive Push-Benachrichtigung, wenn der Druck abgeschlossen wurde.

Potpourri an weiteren Gedanken – bunt gemischte Eindrücke

  • Der Innenraum ist stets optimal und hell ausgeleuchtet. So gibt es auch per App-Zugriff immer einen brauchbaren Livestream.
  • Mit dem großen Bauraum bin ich bis dato nicht an die Grenzen meiner Möglichkeiten gestoßen.
  • Im Zusammenspiel mit Bambu-Lab-eigenen Filamenten mit RFID-Chip und dem AMS 2 Pro werden Farbe, Filamenttyp sowie grober „Füllstand“ des Filaments immer an die Software übermittelt. Es ist super simpel, das passende Filament für unterschiedliche Bauteile auszuwählen.
  • Auch wenn ich grundsätzlich verstehe, warum das Filament zum Trocknen im AMS2 Pro vollständig aufgerollt sein sollte. Fände ich eine Lösung schön, bei der Filament eine gewisse Zeit getrocknet wird, bevor dann automatisch ein Druckprozess beginnt.
  • Ich hätte mir noch gewünscht, einen Schalter für das integrierte Netzteil zu haben. So fährt der Drucker immer hoch, wenn er Strom bekommt. Und das, da er an einer Mehrfachsteckdose hängt, auch dann, wenn ich ihn eigentlich nicht benötige. Hier bieten sich dann beispielsweise smarte Steckdosen als Lösung an.
  • Etwas schade, dass die Birdseye-Kamera nur Teil der Laser-Edition ist und somit das Zeichnen sowie Plotten mit dem H2S nicht ohne weitere Umrüstung möglich ist.
  • Support mit demselben Material (PLA bei PLA-Drucken) konnte ich ohne größeren Aufwand oder Rückstände entfernen.

Unterm Strich? Zuverlässiger Allrounder für verschiedenste 3D-Druck-Anwendungen

Der Bambulab H2S zeigt wieder einmal mehr, dass 3D-Druck kein nischiges und frickeliges Thema mehr ist. So machte der H2S in meinem Test mit verschiedensten Materialien eine gute Figur, was ihn wahrlich zum Allrounder macht. Hatte ich mich bisher nur an Drucke mit PLA gewagt, so sind hier verschiedenste Filamenttypen kein Problem – und man muss sich dank automatischen Kniffen und der Belüftung nicht um irgendwelche besonderen Befindlichkeiten (offene Türe oder Ähnliches) kümmern, sondern der Drucker druckt halt.

Mit einer durchdachten Software und Upgrade-Möglichkeiten bekommt man beim H2S ein durchaus rundes und vor allem solides Gesamtpaket. Den Laser brauchen sicherlich nicht alle (und man muss sich fragen, ob man das überhaupt sinnvollerweise im selben Gerät möchte), aber zumindest die Zeichen- und Plotting-Fähigkeiten hätten mich auch beim Standard-Modell erfreut – ohne größere Upgrade-Nöte. Im Vergleich zu seinen teureren Geschwistern macht Bambu Lab meiner Ansicht nach ansonsten die richtigen Abstriche. So richtet man sich vor allem an Personen, die mit dem AMS2 Pro zwar in der Lage sind, Multi-Color und -Material-Drucke durchzuführen, dies aber nicht regelmäßig tun – weshalb Druckgeschwindigkeiten durch Filament-Wechsel und der dadurch entstehende Müll vernachlässigbar sind. Bambu Lab schickt für solche Nutzer einen potenten und sehr hochwertig verarbeiteten und leicht zu bedienenden Kandidaten ins Rennen.

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