Apple verklagt OpenAI wegen systematischen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen

1 month ago 14

Der iPhone-Hersteller wirft OpenAI vor, über abgeworbene Mitarbeiter gezielt vertrauliche Informationen über unveröffentlichte Produkte gestohlen zu haben. 

Apple hat OpenAI vor einem Bundesgericht in Kalifornien verklagt und dem KI-Unternehmen eine "koordinierte Kampagne" zum Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen, berichtet Bloomberg. Laut der Klage soll OpenAI Apple-Mitarbeiter systematisch dazu ermutigt haben, Informationen, Komponenten, Zeichnungen und andere Materialien zu unveröffentlichten Produkten weiterzugeben.

Auf jeder Ebene, von Mitgliedern des technischen Personals bis zum Chief Hardware Officer, habe OpenAI Apples Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Informationen gestohlen, heißt es in der Klageschrift laut Bloomberg. OpenAIs geplantes Hardware-Geschäft ruhe auf einem äußerst wackligen Fundament, "bis auf den Kern verrottet" durch illegal angeeignete Geschäftsgeheimnisse.

OpenAI wies die Vorwürfe zurück. Man habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen und konzentriere sich auf den Aufbau innovativer Technologie, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

Über 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter arbeiten bei OpenAI

Im Zentrum der Klage steht Tang Tan, OpenAIs Chief Hardware Officer, der zuvor als Vice President of Product Design bei Apple die Entwicklung von iPhone, Apple Watch und AirPods leitete. Laut Apple soll Tan Mitarbeiter in Bewerbungsgesprächen dazu ermutigt haben, Informationen über kommende Produkte preiszugeben.

Namentlich genannt wird auch der ehemalige iPhone-Hardware-Ingenieur Chang Liu, der im Januar zu OpenAI wechselte. Liu soll über mehrere Wochen hinweg heimlich dutzende vertrauliche Dateien heruntergeladen haben, darunter detaillierte Informationen über unveröffentlichte Produkte, technische Spezifikationen und proprietäre Projektdaten. Erst im vergangenen Monat wechselte auch der Leiter von Apples Smart-Glasses- und Vision-Pro-Abteilung Paul Meade zu OpenAI.

Insgesamt arbeiten laut der Klageschrift mittlerweile mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter bei OpenAI. Apple wirft dem KI-Unternehmen vor, abwandernde Mitarbeiter "aktiv gecoacht" zu haben. OpenAI habe ihnen geraten, ihren neuen Arbeitgeber nicht zu nennen und den sofortigen Rauswurf zu vermeiden, um während der üblichen zweiwöchigen Kündigungsfrist weiterhin auf vertrauliche Informationen zugreifen zu können.

Apple fordert in der Klage, dass OpenAI seine Praktiken einstellt, sämtliche proprietären Materialien vernichtet und kommende Produkte so umgestaltet, dass sie keine Apple-Technologie enthalten. Das Unternehmen verlangt ein Geschworenenverfahren.

Von der Partnerschaft zur Gerichtsverhandlung

Hintergrund der Klage sind OpenAIs wachsende Ambitionen im Hardware-Bereich. Tan hatte Apple 2024 verlassen, um gemeinsam mit dem ehemaligen Apple-Designchef Jony Ive und der Apple-Designveteranin Evans Hankey das KI-Geräte-Startup io Products zu gründen. OpenAI übernahm das Startup im vergangenen Jahr für 6,5 Milliarden Dollar. Ive und Hankey werden in der Klage nicht namentlich genannt.

Noch im Juni 2024 hatten die beiden Unternehmen auf Apples Worldwide Developers Conference eine enge Zusammenarbeit angekündigt. Damals wurde ChatGPT in Apple Intelligence integriert, eine Partnerschaft, von der sich insbesondere OpenAI viel versprach, die aber wohl keine große Wirkung erzielte. Seit Anfang des Jahres arbeitet Apple verstärkt mit Google zu Siri zusammen.

OpenAIs Hardware kommt frühestens 2027

Wann die KI-Hardware von OpenAI erscheint und wie sie aussehen wird, ist weiter unbekannt: Das Projekt kämpft angeblich mit erheblichen Herausforderungen bei Software, Datenschutz und Infrastruktur. Zudem hat OpenAI den ursprünglich geplanten Markennamen "io" verworfen und angegeben, dass das erste Hardware-Gerät frühestens Ende Februar 2027 ausgeliefert wird – später als zunächst kommuniziert.

OpenAI arbeitet intern an verschiedenen Formfaktoren, darunter ein stiftähnliches Gerät mit Kamera und Mikrofon (Projektname "Gumdrop"), smarte Brillen und ein Lautsprecher ohne Bildschirm. Letztlich könnte das erste massentaugliche Produkt dann doch "nur" ein Smartphone sein: Laut Analyst Ming-Chi Kuo arbeitet OpenAI mit MediaTek, Qualcomm und Luxshare an einem eigenen Gerät, dessen Massenproduktion in der ersten Hälfte 2027 starten könnte, und das Smartphone per KI-Agent steuert, den der Mensch per Sprache anleitet. Die technische Grundlage dafür dürfte OpenAI mit seinem neuen ChatGPT-Live-Modus gelegt haben.

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