Zuckerbergs Milliarden-Offensive für KI

4 months ago 6

Liebe Leserin, lieber Leser.

Irgendwie hat es Meta-Chef Mark Zuckerberg (40) geschafft, zu einem der unbeliebtesten Typen im ganzen Silicon Valley zu werden. Eine wichtige Rolle dürfte dabei die Tatsache spielen, dass er gerade all seinen Konkurrenten deren wichtigste KI-Köpfe wegschnappt. Und zwar, indem er sie mit obszön großen Geldpaketen lockt. Ganz ehrlich, für 1,5 Milliarden Dollar würde ich mir als OpenAI-Mitarbeiterin vermutlich noch mal überlegen, wie groß meine Verbundenheit mit Sam Altman wirklich ist. Was Zuckerberg sonst noch so macht, um den Unwillen seiner Mitstreiter auf sich zu ziehen, lest ihr heute in unserer Top-Story .

Das sind unsere Topthemen diese Woche:

  • Mark Zuckerbergs Raubzug im Silicon Valley

  • Ein Deutscher verkaufte seine Firma an FTX – die „größte Fehleinschätzung“ seines Lebens

  • Neuer Chefaufseher bei N26: Der ehemalige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret soll’s richten

Top-Story: Zuckerbergs riskanter Raubzug im Silicon Valley

 Meta-Chef Mark Zuckerberg

Macht sich gerade keine Freunde im Valley: Meta-Chef Mark Zuckerberg

Foto: Godofredo A. Vásquez / AP

Meta-Chef Mark Zuckerberg (40) hat sich ein Ziel gesetzt: Er will mit seinem Unternehmen nicht weniger als eine persönliche Superintelligenz für jedermann entwickeln. Mit riesigen Investments schreitet er zur KI-Aufholjagd. Nicht genug damit, dass er Milliarden in Zukäufe und Personal steckt, er kündigte auch Hunderte Milliarden Dollar Investitionen in neue Rechenzentren an, von denen eines fast so groß sein soll wie Manhattan.

Floppt sein Plan, droht Meta ein ähnlich großer Rückschlag wie bei seiner Metaverse-Strategie vor vier Jahren. Die kostete den Social-Media-Konzern binnen eines Jahres mehr als die Hälfte seines Börsenwerts. Ein Misserfolg, von dem sich das Unternehmen mittlerweile wieder mehr als erholt hat. Zuckerbergs rabiates Vorgehen könnte die Machtbalance der Techgiganten grundlegend ins Wanken  bringen, beschreibt meine Kollegin Mirjam Hecking, die für uns aus den USA berichtet.

Köpfe: Andreas Dombret ++ Saskia Meier-Andrae ++ Lionel Souque ++ Elon Musk

 Der ehemalige Vorstand der Bundesbank Andreas Dombret

Hat schon viel gesehen: Der ehemalige Vorstand der Bundesbank Andreas Dombret

Foto: Anna Ziegler / manager magazin

Zahl der Woche: 4 Milliarden US-Dollar

Gerade vergangenen Monat hat die gehypte KI-Firma Lovable aus Schweden eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, die sie mit 1,8 Milliarden Dollar bewertete. Nun sollen es schon 4 Milliarden Dollar sein, also mehr als doppelt so viel. Wie die „Financial Times“  berichtete, hat das Start-up im Nachgang zu seiner letzten Runde neue Investmentangebote mit einer 4-Milliarden-Bewertung erhalten.

Round-up: Nvidia ++ PayPal ++ Tether ++ Apple ++ OpenAI

 Von den Zahlen, die Nvidia-Chef Jensen Huang diese Woche präsentierte, hatten sich die Anleger mehr erhofft

Kein Pfeil nach oben: Von den Zahlen, die Nvidia-Chef Jensen Huang diese Woche präsentierte, hatten sich die Anleger mehr erhofft

Foto: Allison Dinner / EPA
  • Wie bitte, nur 59 Prozent Wachstum beim Gewinn? Das war den Aktionären des KI-Riesen Nvidia dann doch zu wenig. Der teuerste Konzern der Welt hat zwar mit einem Umsatzsprung im zweiten Quartal die Erwartungen des Marktes getroffen – doch er konnte sie nicht so deutlich übertreffen wie zuletzt. Die Aktie gibt nach.

  • Von wegen „CO₂-neutral“: Apple hat mehrere seiner Smartwatches als CO₂-neutrale Produkte angepriesen. Das ist irreführend, urteilte das Landgericht Frankfurt und untersagt Apple die Werbung mit dem angeblichen Klimaschutz.

  • Wegen mangelnder Sicherheitskontrollen haben deutsche Banken in den vergangenen Tagen PayPal-Zahlungen in Milliardenhöhe eingefroren. Inzwischen sei das Problem allerdings behoben, so der weltgrößte Zahlungsdienstleister.

  • Tether, der Liebling von Kryptofans und Kriminellen, drängt in den Mainstream. Das Stablecoin-Unternehmen verdient Milliarden, seine Geschichte ist genauso obskur wie die seiner Hinterleute um den ehemaligen Schönheitschirurgen Giancarlo Devasini. Meine Kollegin Hannah Schwär über die profitabelste Untergrundfirma der Welt, die jetzt aus dem Halbdunkel strebt .

  • Ein schrecklicher Fall: Ein Teenager tötet sich selbst, die Eltern sehen die Verantwortung dafür bei ChatGPT – und ziehen vor Gericht gegen die Mutterfirma OpenAI. Die kündigt nun Änderungen an, um besser mit „sensiblen Situationen“ umzugehen.

Podcast-Tipp der Woche: Der Verkauf seiner Firma an FTX wurde zur „größten Fehleinschätzung“ seines Lebens

An Höhen und Tiefen mangelte es dem Unternehmer Patrick Gruhn (44) zuletzt nicht. Er hatte sein Start-up Digital Assets AG erst für 320 Millionen Dollar an die Kryptobörse FTX verkauft und dann dort als Topmanager angeheuert – bis schließlich der Crash kam. In der aktuellen Folge des „Finance Forward“-Podcasts spricht Gruhn über diese chaotische Zeit, warum er seine Firma zurückkaufte und wie er wieder angreifen will.

Error 404 – das hat noch gefehlt: Vibe Hacking

 KI-Chatbot Claude von Anthropic

Auch beim Erpressen dabei: KI-Chatbot Claude von Anthropic

Foto: Rüdiger Wölk / IMAGO

„Vibe Coding“, also die Möglichkeit, auch als Laie mithilfe von KI Code zu erzeugen, gilt als Megatrend (früher gern „No Code“/„Low Code“ genannt). Diese Funktion machte sich kürzlich allerdings auch eine Bande von Cyberkriminellen zunutze, bevor die KI-Firma Anthropic sie auffliegen ließ. Die Gruppe nutzte die Anthropic-KI Claude, um im großen Stil Daten zu klauen und damit Firmen zu erpressen.

Claude machte bei allem fleißig mit – es formulierte „psychologisch zielgerichtete“ Erpressungsschreiben und analysierte Finanzdaten, um angemessene Lösegeldbeiträge zu ermitteln. „Vibe Hacking“ nennt Anthropic das in seinem aktuellen Bedrohungsbericht . Auch „No-Code-Malware“ wurde dem Bericht nach bereits verkauft, also mit Claude-KI generierte Erpressungssoftware. Wer sagt denn, dass sich mit KI kein Geld verdienen lässt?

Nun wünschen wir Ihnen einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leiten Sie den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren können Sie uns hier, damit Sie auch in Zukunft keine Ausgabe verpassen.

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