Zu reich selbst für die Reichen: KI-Boom schafft eine neue Geldelite im Silicon Valley

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Rund 10.000 Menschen im Silicon Valley haben durch den KI-Boom ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Dollar angehäuft. Alle anderen fühlen sich abgehängt. Ein Risikokapitalgeber beschreibt eine Branche zwischen Goldgräberstimmung und Existenzangst.

Die Stimmung in San Francisco sei "fieberhaft", die Kluft bei den wirtschaftlichen Ergebnissen "die schlimmste, die ich je gesehen habe". So beschreibt Deedy Das, Partner beim Risikokapitalgeber Menlo Ventures, die aktuelle Lage im Epizentrum der KI-Industrie. Die Gesellschaft sei in dieser Tech-Blase verzerrt: Was anderswo auf der Welt als wohlhabend gelte, sei in San Francisco Durchschnitt.

Laut Das hat eine Gruppe von rund 10.000 Personen in den vergangenen fünf Jahren ein Vermögen von weit über 20 Millionen Dollar aufgebaut: Mitarbeitende bei Anthropic, OpenAI, xAI, Meta TBD und Nvidia, dazu Gründerinnen und Gründer. OpenAI soll allein im letzten Herbst 75 Personen mit einem Vermögen von 30 Millionen US-Dollar ausgestattet haben.

Alle außerhalb dieses Kreises hätten das Gefühl, in ihrem "gut bezahlten, aber unter 500.000 Dollar liegenden Job" ein ganzes Berufsleben arbeiten zu können, ohne jemals in diese Sphären vorzudringen. Gleichzeitig seien Entlassungswellen in vollem Gange, viele Software-Ingenieure empfänden ihre Kernkompetenz als wertlos geworden.

Die Karriereleiter führt ins falsche Gebäude

Das beschreibt vier Konsequenzen dieser Spaltung. Erstens wirke die klassische Karriereleiter wie "das falsche Gebäude zum Klettern". Alle versuchten, sich an neuen Pfaden auszurichten: Soll ich gründen? Ist es zu spät für Anthropic oder OpenAI? Soll ich in KI einsteigen? Welche Aktie verzehnfacht sich als Nächstes? Die Forderungen nach höheren Gehältern und die Wechselbereitschaft nähmen zu.

Zweitens herrsche eine "tiefe Malaise" in Bezug auf Arbeit und deren Zukunft. "Warum überhaupt für Peanuts arbeiten?", fragten sich viele. Das Gespräch über eine "permanente Unterschicht" sei besonders unter jungen Menschen verbreitet. Es sei schwer, sich auf gute Arbeit zu konzentrieren, wenn man denke: "Hätte ich vor zwei Jahren bei Anthropic angefangen, könnte ich in Rente gehen."

Screenshot eines X-Posts von Deedy Das (@deedydas), in dem er beschreibt, dass rund 10.000 Personen bei Anthropic, OpenAI, xAI und Nvidia ein Vermögen von über 20 Millionen Dollar erreicht haben, während alle anderen sich abgehängt fühlen.Deedy Das, Partner bei Menlo Ventures, beschreibt auf X die wachsende Vermögenskluft im Silicon Valley. | Bild: Screenshot via X/@deedydas

Drittens fühlten sich Führungskräfte im mittleren Management gelähmt. Viele hätten Familien und weder die Energie noch das Netzwerk, um einfach ein Unternehmen zu gründen. Besondere KI-Fähigkeiten brächten sie nicht mit. "Sie sehen die Schrift an der Wand: Das mittlere Management wird in vielen Unternehmen ausgehöhlt", schreibt Das.

Auch 50 Millionen Dollar machen nicht glücklich

Viertens seien auch die Gewinner nicht besonders glücklich. Auch sie erlebten einen "tiefgreifenden Mangel an Sinn". Manche seien in wenigen Jahren von unter 150.000 auf über 50 Millionen Dollar gesprungen, ohne jede Übergangsphase. Das stelle sämtliche Lebenspläne auf den Kopf.

Einige flöhen nach New York, um "zu leben". Andere gründeten Unternehmen "einfach so", oft um Statuspunkte zu sammeln. "Sie hatten nie erwartet, dass sie mit 30 ausgesorgt haben würden", so Das.

"Anders als anderswo hängen Berufserfahrung, Intelligenz und harte Arbeit in der Bay Area nur lose mit dem wirtschaftlichen Erfolg zusammen. Wer einen gesellschaftlichen Umbruch dieses Ausmaßes in einem solchen Umfeld erlebt, kann davon gelähmt werden", schreibt Das. Der Zufall, zur richtigen Zeit beim richtigen KI-Unternehmen gewesen zu sein, übertrumpft alles.

Er zitiert einen befreundeten Gründer, der längst finanziell unabhängig sei. Auf die Frage, warum er sein Unternehmen nicht verkaufe, habe dieser geantwortet: "Und dann? Gerade will jeder mit mir reden. Wenn ich verkaufe, habe ich nur Geld."

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