Wird KI zur Kostenfalle für Ihr Unternehmen?

4 months ago 6
Ein Manager steuert mit Künstlicher Intelligenz die Arbeitsprozesse.

(Bild: UnImages / Shutterstock.com)

Eine zu hastige Einführung von Künstlicher Intelligenz kann Unternehmen hohe Kosten verursachen, warnen Experten. Rechtliche Fallstricke und komplexe Projekte bergen Risiken.

Künstliche Intelligenz (KI) ist als Thema hochaktuell. Die Bundesregierung verfolgt eine "Nationale Strategie Künstliche Intelligenz", um die Bundesrepublik zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz zu machen.

Bundesbildungsministerin Karin Prien will KI an Schulen fördern. Auch bei der Gamescom, der weltweit größten Messe für Computerspiele, war das Thema bedeutsam. Künstliche Intelligenz ist längst fester Bestandteil des Gamings – "und macht das Spielerlebnis realistischer, dynamischer und individueller denn je", meldet die Agentur infokontor. "KI hebt Gaming auf ein neues Level".

Es häufen sich aber auch die kritischen Stimmen. Vergangene Woche sackte der Aktienkurs von Nvidia um 3,6 Prozent ab. Nvidia entwickelt und verkauft die entscheidenden Mikrochips. Der Kurs blieb damit aber immer noch gut 36 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn.

"Kommt das Ende des großen KI-Booms? Platzt hier eine Blase? Oder wird KI am Ende doch die hochgesteckten Erwartungen erfüllen und damit auch die extrem hohen Börsenbewertungen rechtfertigen?", fragt handelsblatt.de bereits.

Skepsis bezieht sich aber nicht nur auf den Aktienmarkt, der immer durch Hochs und Krisen geprägt ist. Experten warnen, dass clevere Verkaufsstrategien der IT-Konzerne Unternehmen in eine riskante Abhängigkeit drängen.

Eine "sorgfältige Bewertung der tatsächlichen Geschäftsergebnisse im Vergleich zu den Aussagen der Anbieter", empfiehlt Faram Medhora vom Analysehaus Forrester.

Skepsis bei der Umsetzung von Künstlicher Intelligenz

Für viele Unternehmen stellt sich die Frage, wie KI das Unternehmen spürbar voranbringt. Künstliche Intelligenz zur Texterstellung zu nutzen, ist für Angestellte über ChatGPT leicht umsetzbar. Die Auftragssteuerung oder Kundenberatung mit KI zu organisieren, erfordert jedoch umfassende Projekte.

Firmen müssen interne Abläufe anpassen und Kundendaten in spezielle Plattformen überführen. Dies setzt häufig eine Prozessanalyse voraus. Die Abläufe im Betrieb können als Geschäftsprozess dargestellt werden. Ein Geschäftsprozess ist die Abfolge von Einzeltätigkeiten, die von außen – etwa durch die Anfrage eines Kunden – angestoßen werden und nach einem sich wiederholenden Schema erfolgen.

Prozessanalyse ist die systematische Untersuchung von Prozessen, sie beinhaltet eine besondere Herangehensweise: Wurde bisher ein Arbeitsablauf mit Blick auf die einzelnen Aufgaben und die Leistungsfähigkeit einzelner Abteilungen betrachtet, konzentriert sich die Prozess-Prüfungen auf die Kooperation zwischen den Abteilungen.

Dies ist meist nur durch eine umfassende Projektorganisation möglich, die viele Beschäftigte bindet und spezielle Software benötigt. Der Einbezug von Unternehmensberatern erhöht den Aufwand.

Kosten steigern Marketingstrategien. Denn Software-Anbieter versuchen zunehmend, Paketlösungen zu verkaufen. Dies zeigen viele Beispiele. Soll der digitale Agent von Salesforce eingesetzt werden, um Kundenanfragen weitgehend automatisch zu beantworten, muss außer der Plattform Agentforce die Data Cloud des amerikanischen Konzerns bezahlt werden.

Manche KI-Agenten von SAP sind nur über die neue Business Data Cloud nutzbar. Die Bündelung von KI-Produkten und Standardanwendungen "verwandelt optionale Innovationen" für die Softwarekonzerne "in garantierte Einnahmen", sagt Analyst Medhora.

Rechtliche Stolperfallen bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz

Rechtliche Stolperfallen werden meist unterschätzt. Auch IT-Verträge müssen durchdacht sein. Unklare Verträge können den Erfolg eines IT-Projekts gefährden. Ein weiterer häufiger Fehler bei IT-Verträgen liegt in "unklaren Formulierungen, aus denen ohne Hintergrundinformationen nicht verständlich ist, wer was leisten soll.

Beispiele hierfür sind kryptische Leistungs- oder Projektbeschreibungen (gerne gespickt mit zahlreichen Abkürzungen), eine Auflistung von Tätigkeiten ohne Zuweisung zu einer Vertragspartei oder eine fehlende eindeutige Verantwortlichkeitsallokation, etwa für bestimmte Meilensteine oder Teilprojekte", erläutert Rechtsanwältin Fiona Savary, tätig bei der Kanzlei CMS. Vorgaben zu Projektbesprechungen müssen realistisch sein.

"Regelmäßige Meetings auf verschiedenen Projektebenen und eine strukturierte Berichterstattung sind zwar wertvoll für den Erfolg eines IT-Projekts. Zu häufige Meetings oder zu umfangreiche Reportingpflichten können hingegen Projektbeteiligte übermäßig binden, die dann zu wenige Zeit für die "eigentliche" Projektarbeit haben", schreibt Savary.

Ohne beschriebene Streitbeilegungsverfahren fehlt Unternehmen oft ein vertragliches Gerüst, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Änderungswünsche bei der IT-Umsetzung lassen sich so nur schleppend durchsetzen. "Es drohen Projektblockaden, warnt die Rechtsanwältin.

Dazu passen Meldungen, dass sich 42 Prozent der digital Arbeitenden von ihrem digitalen Arbeitsplatz überfordert fühlen. Das zeigt eine YouGov-Umfrage, die vom Beratungsunternehmen für digitale Arbeitsplatzlösungen Hirschtec und dem Softwareunternehmen Powell in Auftrag gegeben wurde.

Häufige Neuerungen durch Software-Anbieter sorgen ebenfalls für Probleme. Für drei von zehn Befragten gehören außerdem ständige Updates und Änderungen zu den größten Stressfaktoren.

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