USA und Taiwan einigen sich auf Handelsabkommen mit 250 Milliarden Dollar Chip-Investitionen

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Taiwanesische Halbleiterunternehmen sollen massiv in US-Produktionskapazitäten investieren. Im Gegenzug senkt Washington die Zölle. Das Abkommen verschafft TSMC Planungssicherheit, doch die Drohkulisse bleibt bestehen.

Die USA und Taiwan haben ein Handelsabkommen geschlossen, das taiwanesische Chip- und Technologieunternehmen zu Investitionen von mindestens 250 Milliarden Dollar in amerikanische Produktionskapazitäten verpflichtet. Die taiwanesische Regierung soll Kreditgarantien in gleicher Höhe bereitstellen, wie die Financial Times und CNBC berichten.

Im Gegenzug senken die USA die reziproken Zölle auf taiwanesische Waren von 20 auf 15 Prozent. Generika, Flugzeugteile und in den USA nicht verfügbare Rohstoffe sollen komplett zollfrei bleiben. Taiwan erhält damit einen Meistbegünstigungsstatus, der das Land mit Japan, Südkorea und der EU gleichstellt. Taiwan erhält damit einen Meistbegünstigungsstatus gleichauf mit Japan, Südkorea und der EU.

Quotensystem für Chip-Importe

Das Abkommen enthält ein komplexes Quotensystem für Chip-Importe. Unternehmen, die neue Fabriken in den USA errichten, dürfen während der Bauphase das 2,5-fache der geplanten Kapazität zollfrei aus Taiwan importieren. Nach Fertigstellung sinkt diese Quote auf das 1,5-fache der tatsächlichen US-Produktion. Laut Bernstein-Analyst Mark Li wäre TSMCs gesamter Taiwan-Export zollfrei, sobald das Unternehmen 40 Prozent seiner Kapazität in den USA hat.

TSMC, das etwa 90 Prozent der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter produziert, hat bereits 165 Milliarden Dollar US-Investitionen zugesagt. Ende 2025 startete die Volumenproduktion in Arizona für Nvidia und Apple. Bis Anfang der 2030er Jahre sollen 30 Prozent der modernsten Produktionskapazität von 2 Nanometern und darunter in den USA angesiedelt sein.

Diese Zahl klingt beeindruckend, entspricht aber laut Financial Times nur etwa 10 Prozent der aktuellen globalen TSMC-Gesamtkapazität. Da das Unternehmen weitere drastische Kapitalinvestitionen plant, dürfte dieser Anteil in den kommenden Jahren sogar noch schrumpfen.

Commerce Secretary Howard Lutnick sagte gegenüber CNBC, TSMC habe "Hunderte Acres" Land neben seinem bestehenden Gelände in Arizona erworben. Er überließ es dem Unternehmen, Details zu weiteren Expansionsplänen zu erklären. TSMC selbst äußerte sich zurückhaltend: Alle Investitionsentscheidungen basierten auf "Marktbedingungen und Kundenanforderungen".

Drohkulisse bleibt bestehen

Hinter dem Abkommen steht eine klare Drohung. Lutnick erklärte gegenüber CNBC, taiwanesische Chip-Unternehmen, die nicht in den USA bauten, müssten mit einem Zoll von 100 Prozent rechnen. Das erklärte Ziel der US-Regierung sei es, 40 Prozent der taiwanesischen Halbleiter-Lieferkette in die USA zu verlagern.

"Wir werden alles hierher bringen, damit wir in der Halbleiterproduktion autark werden", sagte Lutnick.

Die Trump-Administration hatte im vergangenen Jahr weitreichende reziproke Zölle verhängt, Halbleiter davon jedoch ausgenommen und stattdessen eine nationale Sicherheitsuntersuchung eingeleitet. Das Abkommen schafft nun Klarheit für Unternehmen, die ein Jahr lang mit Unsicherheit über die künftige Zollpolitik leben mussten.

Taiwans Vizepremierministerin Cheng Li-chiun betonte, die Investitionssumme basiere auf bereits existierenden Expansionsplänen der Unternehmen. Es gehe nicht darum, die taiwanesische Chip-Industrie ins Ausland zu verlagern. Das taiwanesische Parlament, das von der Opposition kontrolliert wird, muss dem Abkommen noch zustimmen.

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