US-Notenbank holt sich KI-Investor Andreessen als Berater

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US-Notenbankchef Kevin Warsh hat den Risikokapitalgeber Marc Andreessen berufen, um die Federal Reserve bei der Einschätzung der KI-Folgen für die Wirtschaft zu beraten.

Wie die Washington Post berichtet, ist Andreessen einer von drei gleichberechtigten Leitern der Arbeitsgruppe "Productivity and Jobs". Sie gehört zu fünf Arbeitsgruppen, deren Leitung und Ziele die Fed am Donnerstag, dem 9. Juli 2026, bekannt gab. Die Gruppe untersucht die Folgen neuer Basistechnologien einschließlich KI.

Neben Andreessen leiten sie der Stanford-Ökonom Charles I. Jones, derzeit beurlaubt beim KI-Unternehmen Anthropic, und die Microsoft-Managerin Asha Sharma. Andreessen ist zudem Mitglied von Trumps Beratergremium "President's Council of Advisors on Science and Technology".

Warum KI die Zinsen beeinflussen könnte

Die Arbeitsgruppe ist geldpolitisch besonders relevant, weil Warsh KI für eine Kraft hält, die den Preisauftrieb dämpfen kann. In einem Beitrag im Wall Street Journal vom November 2025 schrieb er, KI werde eine "bedeutende disinflationäre Kraft" sein. Seine These: Die Verbreitung von KI könnte die Produktivität und damit das Produktionspotenzial steigern, was den Preisdruck dämpfen und der Notenbank Spielraum für niedrigere Zinsen geben könnte.

Ganz eindeutig ist diese Kette aber nicht, denn höhere erwartete Einkommen und eine stärkere Investitionsnachfrage können zugleich den neutralen Zins anheben. Warsh selbst räumte laut Reuters ein, dass die Fed den Produktivitätseffekt noch nicht verlässlich abschätzen könne. Warsh zieht dabei Parallelen zu dem früheren Fed-Chef Alan Greenspan, der von Mitte 1996 bis Ende 1998 Forderungen nach höheren Zinsen weitgehend widerstand und den Leitzins nur einmal, im März 1997, leicht anhob.

Nicht alle teilen diese Sicht. Einige Fed-Vertreter und andere Ökonomen warnen, dass der Aufbau der KI-Infrastruktur kurzfristig vor allem die Nachfrage nach Kapital, Chips, Energie und Rohstoffen erhöht und dadurch Preisdruck erzeugen kann, während breitere Produktivitätsgewinne womöglich erst später eintreten.

Die Deutsche Bank schätzt laut Reuters die kumulierten KI-Rechenzentrumsinvestitionen auf möglicherweise mehr als vier Billionen Dollar bis 2030. Bei Speicherchips ist dieser Effekt bereits sichtbar, bei Energie warnen Fed-Vertreter vor inflationären Folgen möglicher Stromnetz- und Angebotsengpässe. Fed-Gouverneur Michael S. Barr sagte in einer Rede am 17. Februar 2026, der KI-Boom sei wahrscheinlich kein Grund für niedrigere Leitzinsen, langfristig erwartet aber auch er positive Produktivitätseffekte.

Die Berufung wirft zudem Fragen nach einem möglichen Interessenkonflikt auf, weil Andreessens Firma Andreessen Horowitz umfangreich in KI-Unternehmen investiert ist.

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