Schon kommende Woche will Donald Trump den Zollsatz auf Autos aus der EU deutlich anheben. Der Schritt kommt überraschend. Die EU droht mit Gegenmaßnahmen.
Aktualisiert am 1. Mai 2026, 21:01 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters, vvö
US-Präsident Donald Trump hat eine überraschende Zollerhöhung auf Autos und Lkw aus der EU angekündigt. »Der Zollsatz wird auf 25 Prozent angehoben«, schrieb Trump auf seiner Onlineplattform. Dies solle ab kommender Woche gelten. Trump warf der EU vor, sich nicht an das vereinbarte Handelsabkommen zu halten. Es war zunächst unklar, auf welche Punkte sich Trump mit seiner Aussage bezog, die EU halte das Handelsabkommen nicht ein. Details oder Belege nannte er nicht.
Zölle würden nicht anfallen, wenn die Fahrzeuge von Herstellern aus der EU in US-amerikanischen Werken hergestellt würden, schrieb Trump weiter. Der US-Präsident will Autobauer auf der ganzen Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA zu produzieren. Derzeit befänden sich »zahlreiche« Produktionsstätten im Bau, das Investitionsvolumen liege bei mehr als 100 Milliarden US-Dollar (knapp 85,5 Mrd. Euro), schreibt er in seinem Post.
Die EU behält sich Gegenmaßnahmen vor, falls US-Präsident Donald Trump die US-Zölle auf Autoimporte wie angekündigt anhebt. Das machte eine Sprecherin der EU-Kommission am Abend in Brüssel deutlich. »Wir bekennen uns weiterhin uneingeschränkt zu einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehung«, teilte die Sprecherin mit. Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich »alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen«.
EU-Parlamentarier nennt Trumps Verhalten »inakzeptabel«
Die Sprecherin versicherte, die EU setze die Vereinbarung im Einklang mit der üblichen Gesetzgebung um. »Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Partnern, auch um Klarheit über die Verpflichtungen der USA zu erlangen.«
Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, bezeichnete Trumps Verhalten als »inakzeptabel«. Dieser jüngste Schritt zeige, wie unzuverlässig die US-Seite sei. »So behandelt man enge Partner nicht. Jetzt können wir nur mit größter Klarheit und Entschlossenheit reagieren und dabei auf die Stärke unserer Position zurückgreifen«, sagte der Parlamentarier. Lange warf auch den USA vor, mehrfach gegen das Zollabkommen mit der EU verstoßen zu haben.
Trump und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatten sich im Juli vergangenen Jahres auf ein Handelsabkommen geeinigt. Darin wurde für die meisten Waren ein Zollsatz von 15 Prozent festgelegt. Der Status des Abkommens wurde jedoch durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs infrage gestellt. Dieser hatte entschieden, dass Trump nicht befugt ist, einen wirtschaftlichen Notstand auszurufen und Zölle auf EU-Waren zu erheben.
Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen. Nach Angaben des Vorsitzenden des Vorsitzenden des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, soll die entsprechende Gesetzgebung voraussichtlich im Juni abgeschlossen werden.
Deutschland von höheren Zöllen vermutlich hart getroffen
Trump hatte der EU immer wieder vorgeworfen, die USA auszunutzen und auf den Handelsüberschuss der EU bei Waren verwiesen. Brüssel argumentierte, Washington berücksichtige dabei nicht die starke Position der USA bei Dienstleistungen, vor allem im Bereich des Internets.
Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt angespannt. In den vergangenen Tagen war Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Kurz danach drohte er mit einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland.
Trump forderte Merz auf, sich auf die Beendigung des Ukraine-Kriegs zu konzentrieren, anstatt sich in die Angelegenheiten des Iran »einzumischen«. Zudem solle Merz »sein kaputtes Land in Ordnung bringen«, erklärte Trump in Onlinemedien. Deutschlands Autoindustrie ist für einen Großteil der Autoexporte aus der EU verantwortlich und würde von höheren Zöllen vermutlich hart getroffen werden.



