Thunderbird: Native Exchange-Unterstützung für E-Mails

1 month ago 3

Thunderbird bringt mit Version 145 etwas mit, auf das viele (in Firmenumgebungen) länger gewartet haben: Der Mail-Client spricht jetzt direkt mit Microsoft Exchange über Exchange Web Services (EWS). Bedeutet: Für den Abruf von Exchange-Mails ist kein extra Add-on mehr nötig, EWS steckt direkt in Thunderbird. Kalender und Adressbuch hängen noch hinterher, stehen laut Entwicklern aber auf der Liste.

Bislang war der Weg zu Exchange unter Thunderbird eher umständlich. Entweder lief alles über IMAP oder POP, sofern der Admin das freigab, oder es kamen Erweiterungen zum Einsatz, die EWS nachrüsteten. Mit der nativen EWS-Integration in Thunderbird 145 entfällt dieser Umweg. Der Client kann Exchange-Postfächer mit vollständiger Ordnerstruktur ansprechen, Mails synchronisieren, Ordner auf Server- und Client-Seite verwalten und Anhänge handhaben.

Die Einrichtung richtet sich an Nutzer, die von Outlook mit Microsoft-gehosteten Konten wie Microsoft 365 oder Office 365 rüberziehen. Thunderbird nutzt dabei Microsofts eigene Anmeldestrecke via OAuth2 und versucht, die Kontoeinstellungen automatisch zu erkennen. Im Idealfall läuft es so: In Thunderbird 145 oder neuer ein neues Konto anlegen, im Account Hub „Exchange“ auswählen – in älteren Dialogen heißt das noch „Exchange Web Services“ – und den Rest die Software erledigen lassen. Die Authentifizierung hängt dann an Microsofts Anmeldeseite, inklusive eventueller Zwei-Faktor-Absicherung.

Ganz ohne Ecken läuft es aber nicht. Bestimmte Auth-Konstellationen deckt Thunderbird aktuell noch nicht ab. Wer bei der Einrichtung auf unerwartete Abfragen oder Fehlermeldungen stößt, landet im Zweifel bei der Dokumentation und den Hilfe-Seiten der Entwickler. Auch Admins mit streng angepassten Mandanten-Einstellungen sollten genau hinschauen, ob die eigene Microsoft-365-Umgebung zum jetzigen Stand passt oder noch auf ein kommendes Update warten muss.

Beim Funktionsumfang setzt Thunderbird mit EWS derzeit den Schwerpunkt auf E-Mail. Konten lassen sich per Auto-Konfiguration anlegen, Ordnerstrukturen auf dem Server erstellen, verschieben oder löschen. Mails können gelesen, verschickt, beantwortet und weitergeleitet werden, auch Verschieben, Kopieren und Löschen von Nachrichten ist drin. Anhänge lassen sich speichern und anzeigen, es gibt Optionen zum Ablösen oder Entfernen aus Mails. Suchen in Betreff und Text sowie schnelle Filterung von Nachrichten sind integriert, Aktionen, die vollständigen Nachrichteninhalt im Hintergrund verarbeiten, fehlen allerdings noch.

Auf der Kontenseite sieht es so aus: Standard-Microsoft-365-Domains, die den normalen OAuth2-Endpunkt verwenden, sind abgedeckt. Installationen, bei denen eigene OAuth2-Anwendungs- und Mandanten-IDs verlangt werden, müssen sich noch gedulden. On-Premises-Server mit Password-Login über Basic Authentication laufen, NTLM-basierte Anmeldung und OAuth2 für lokale Exchange-Installationen stehen laut Roadmap noch aus. Wer so eine Umgebung betreibt, kommt derzeit nicht am Testen vorbei und muss eventuell vorerst bei bestehenden Lösungen bleiben.

Kalender und Kontakte bleiben mit Version 145 außen vor. Es gibt noch keinen Abgleich von Exchange-Kalendern, keine Synchronisation von Adressbüchern aus der Exchange-Welt. Die Entwickler sprechen offen davon, dass das in Arbeit ist, inklusive besserer Verzahnung mit den bestehenden Kalender- und Kontaktmodulen von Thunderbird.

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