Tech-News: Milliarden für Fusion und KI

4 months ago 5

Liebe Leserin, lieber Leser.

Die Sommerpause nähert sich spürbar dem Ende. Das lässt sich gut ablesen an der Anzahl der Finanzierungsrunden, Neugründungen und Jobwechsel, die in diesen Tagen verkündet werden. Wie immer haben wir uns alles angeschaut und die wichtigsten Technews für Euch zusammengetragen.

Das sind unsere Topthemen diese Woche:

  • Die irre Kernfusionswette vom Münchner Start-up Marvel Fusion

  • Neu-Einhorn: Warum sich das Quanten-Start-up IQM von seinem chinesischen Investor trennte

  • Google muss Chrome und Android doch nicht abgeben – aber seine Daten teilen

Exklusive Recherche: Die irre Kernfusionswette von Marvel Fusion

 Marvel-Fusion-COO Heike Freund sieht in der Kernfusion eine Milliardenchance

Energiebündel: Marvel-Fusion-COO Heike Freund sieht in der Kernfusion eine Milliardenchance

Foto:

Julian Baumann / manager magazin

Die Theorie der Kernfusion geht so: Energie soll auf dieselbe Art entstehen wie in der Sonne – durch die Verschmelzung von Atomkernen, nicht wie bei der Atomkraft durch deren Spaltung. An diesem heißen Versprechen arbeiten weltweit viele hoch finanzierte Start-ups und liefern sich ein irres Wettrennen um die Energie der Zukunft. Ganz vorn mischt eine Deutsche mit: Heike Freund (40). Sie ist Mitgründerin und COO von Marvel Fusion aus München, einer der bestfinanzierten Kernfusionsfirmen Europas.

 CEO von IQM Jan Goetz

Quantenmechaniker: CEO von IQM Jan Goetz

Foto: Sven Hoppe / dpa / picture alliance

Nach der Raketenfirma Isar Aerospace rückt nun auch das deutsch-finnische Quanten-Start-up IQM in den Kreis der mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerteten Firmen auf. In einer Finanzierungsrunde sammelte es 320 Millionen Dollar ein. Ein sehr interessantes Detail fiel uns dabei auf: Im Zuge der Runde trennte sich die „europäische Antwort auf IBM“ von einem chinesischen Investor, der WeChat-Mutter Tencent Holdings. Wie die geopolitische Lage den Gründer und CEO Jan Goetz (39) zum Umbau im Gesellschafterkreis brachte, hat er mir hier erklärt .

Köpfe: Lea-Sophie Cramer ++ Verena Pausder ++ Richard Socher ++ Ralf Weitz ++ Tu Nguyen ++ Daniel Hopp

 Investorin Lea-Sophie Cramer

Sportbegeistert: Investorin Lea-Sophie Cramer

Foto: Cornelius / ddp
  • Lea-Sophie Cramer (38), Start-up-Veteranin, macht jetzt in Sport. Gemeinsam mit drei ehemaligen Kollegen aus dem Rocket-Internet-Kosmos startet sie mit Epix Sports eine eigene Beteiligungsfirma  für Unternehmungen aus dem Sportbereich. Erstes Investment: die Padel-Firma Mitte von Bastian Krautwald (28), wo – wie meine Kollegin Hannah Schwär kürzlich exklusiv berichtete – ja schon etliche andere Promi-Investoren dabei  sind.

  • Verena Pausder (46), Cramers Podcastkollegin und Chefin des Startup-Verbandes, ist derweil frustriert. Es sei immer noch nicht klar, wer sich in der Bundesregierung um ihre Branche kümmere: Wirtschaftsministerium oder doch Forschungsministerium? „Was richtig nervt, ist das Kompetenzgerangel“, sagte Pausder in dieser Woche in einem Pressegespräch in Berlin. Die ersten 100 Tage der neuen Regierung empfindet sie als verlorene Zeit: In Sachen Start-up-Förderung sei „nichts vorangegangen“.

  • Richard Socher (42), deutscher Gründer im Valley, hat eine Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Dollar  für seine KI-Firma You.com eingesammelt. Die Investoren bewerteten das Unternehmen mit insgesamt 1,5 Milliarden Dollar.

  • Ralf Weitz (47), CEO von Scout24, ist seit dieser Woche Chef eines echten Dax-Konzerns. Scout stieg diese Woche in den höchsten Börsenindex auf. Daher empfehle ich noch mal die spannende Recherche meines Kollegen Caspar Schlenk zum Geschäftsmodell: „Eine fucking Gelddruckmaschine“ 

  • Tu Nguyen, Finanzmanagerin, hat einen neuen Job . Sie wechselt als Chief Financial Officer ins Managementteam von Hanno Renner (40) bei Personio. Bislang war sie als CFO bei dem französischen Start-up Sorare tätig.

  • Daniel Hopp (44), Sohn des SAP-Mitgründers, steigt über seine Westend Bank mit 10 Prozent beim Mannheimer Start-up Risiq ein. Der Anbieter für KI-gestützte ESG-Risikoanalyse-Software soll dabei angeblich mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet worden sein.

Mein Lesetipp: Künstliche Kolleginnen

KI ist längst keine Hilfskraft mehr, sondern wird zunehmend zum digitalen Teamkollegen. Deshalb müssen Führungskräfte jetzt lernen, gemischte Teams aus Menschen und KI-Agenten zum Erfolg zu führen. Wie das funktionieren kann, dafür liefern Jen Stave, Ryan Kurt und John Winsor von der US-Universität Harvard und von Salesforce bei uns im Harvard Business manager eine Anleitung .

Round-up: Google ++ PayPal ++ Anthropic ++ Klarna ++ Saint Sass

 CEO Sundar Pichai muss Chrome und Android nicht losschlagen, dafür aber Daten teilen

Teile und herrsche: CEO Sundar Pichai muss Chrome und Android nicht losschlagen, dafür aber Daten teilen

Foto: REUTERS/Brandon Wade/File Photo
  • Die Zerschlagung hat sich zerschlagen: Google muss seine Sparten Chrome und Android doch nicht verkaufen. Das urteilte der zuständige Richter Amit Mehta (54) – wir sparen uns hier mal den Wortwitz in Bezug auf die Facebook-Mutter Meta – im „Prozess des Jahrzehnts“. Künftig soll der Konzern jedoch Daten mit der Konkurrenz teilen. Google-CEO Sundar Pichai (53) hatte sich zuletzt vor Gericht auch gegen diese Forderung ausgesprochen.

  • PayPal-CEO Alex Chriss (47) war angetreten, um den angeschlagenen Zahlungsriesen neu auszurichten. Doch eine Panne mit Millionen deutschen Accounts bedroht den Start von „PayPal 2.0“. Gegenüber meiner Kollegin Hannah Schwär hat das Unternehmen erstmals Details zu dem Vorfall genannt .

  • Neue Milliarden für Anthropic: Die KI-Firma hat bei einer neuen Finanzierungsrunde 13 Milliarden Dollar eingeworben und wird nun mit 183 Milliarden Dollar bewertet. Angeführt wurde die Runde von der Investmentfirma Iconiq. Zuletzt hatte es CEO Dario Amodei (42) in einem internen Memo noch bedauert, dass er bald auch Geld aus dem Nahen Osten annehmen müsse. Nun ist es so weit: Neben Lightspeed, Blackstone und Coatue investierte unter anderem auch die Qatar Investment Authority.

  • Das schwedische Fintech Klarna hat zum zweiten Mal seinen IPO an der Wall Street angekündigt. Mein Kollege Lukas Heiny stellt die größten Profiteure des Klarna-Börsengangs  vor. Denn Kasse machen dabei hauptsächlich Management und Investoren wie Anders Holch Povlsen (52) oder auch der Modekonzern H&M.

  • Mit provokanten Slogans auf Strumpfhosen waren die Gründerinnen von Saint Sass, Vivien Wysocki (29) und Larissa Schmid (30), erfolgreich. Dann postete Superstar Madonna ein Foto, auf dem sie die Strumpfhosen der Berlinerinnen trug. Ein Porträt meiner Kollegin Maren Jensen .

Error 404 – das hat noch gefehlt: 35.000 Dollar Praktikumsgehalt

 Auch als Praktikant kann man reich werden

Cashout mit 21: Auch als Praktikant kann man reich werden

Foto: RichVintage / Getty Images

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich erinnere mich noch gut an die Praktika, die ich in meiner Studienzeit absolviert habe. Geld gab es dabei meistens nicht und wenn doch, dann waren es oft nicht mehr als 300 Euro im Monat. An diese Zahl könnt Ihr jetzt noch zwei Nullen dranhängen, und es reicht immer noch nicht ganz heran an das Gehalt, das die Tradingfirma XTX Markets des russischen Milliardärs Alex Gerko (45) einem Praktikanten oder einer Praktikantin zahlen will: 12 bis 14 Wochen Praktikum im Bereich KI-Forschung sollen mit 35.000 Dollar monatlich  vergütet werden. Hinzu komme ein „großzügiger Bonus“, wenn man unterschrieben hat. Die „AI Talent Wars“ sind aber so was von real.

Nun wünschen wir Euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren können Ihr uns hier, damit Ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.

Und wie immer: Fragen, Anmerkungen oder Kritik gern an tech-update@manager-magazin.de .

Viele Grüße
Eure Sarah Heuberger

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