SteelSeries Arctis Nova Elite: Gaming-Headset der Luxusklasse im Test

1 month ago 6

SteelSeries hat im letzten Jahr mit dem Arctis Nova Elite ein neues Gaming-Headset der Oberklasse veröffentlicht. Eigentlich muss man schon Luxusklasse sagen, denn das gute Stück kostet happige 649,99 Euro. Ihr zahlt also mehr für dieses Zubehör als für z. B. eine PlayStation 5 oder Xbox Series X. Doch dafür will der Hersteller euch auch einiges bieten – z. B. Hi-Res Audio Wireless und vielfältige Verbindungsoptionen dank einer externen Station (GameHub). Inzwischen konnte ich mir das Arctis Nova Elite auch für euch anhören.

Ein wenig werde ich dabei mit dem Razer Kraken V4 Pro vergleichen, denn jenes Modell nutzt ebenfalls einen externen Verbindungs-Hub. Dank des sogenannten GameHubs können vier Zuspieler gleichzeitig angeschlossen bzw. verbunden werden – per USB-C (gleich dreimal), Bluetooth 5.4, 2,4 GHz und 3,5-mm-Klinke. Kabellos bietet man euch nicht nur SBC und AAC als Codecs an, sondern auch LC3+. SteelSeries bindet am Arctis Nova Elite auch aktive Geräuschunterdrückung (ANC) ein. So bringt man ins Spiel, dass das Gaming-Headset für euch auch einfach unterwegs als Over-Ear-Kopfhörer dienen kann.

Technische Eckdaten des SteelSeries Arctis Nova Elite

Kategorie Spezifikation
Kompatibilität PC (ChatMix über Sonar, Win 10+)
PS4 | PS5 (ChatMix über System)
Xbox Series X|S
Mac (kein ChatMix)
Switch | Switch 2 (USB-C Wireless / BT)
iPhone USB-C (USB-C Wireless / BT)
Android (USB-C, Wireless / BT)
Tablet USB-C (USB-C Wireless / BT)
Handheld (USB-C, Wireless / BT)
Meta Quest 2 | 3 (USB-C Wireless / BT, nur Audio)
Software Arctis Companion App (iOS 15.6+, Android 9+)
GG + Engine (Windows 8.1+, macOS 10.13+)
GG + Sonar (Windows 10+, erforderlich für ChatMix)
Lautsprechertreiber 40-mm-Kohlenstofffaser-Treiber
2-teiliges Design (Messing-Sicke + Carbonfaser-Treiber)
Frequenzgang (Kopfhörer) 10–40.000 Hz
Empfindlichkeit 101 dBSPL @ 1 kHz / 1 mW
Impedanz 38 Ohm
Klirrfaktor (THD) < 1 %
360°-Raumklang Tempest 3D, Windows Sonic, SteelSeries Sonar Surround, DTS Headphone, Dolby Atmos
Mikrofone ClearCast Gen 2.X (Boom + On-Ear Beamforming, Smart-Switching)
Richtcharakteristik: Boom bidirektional, On-Ear omnidirektional
Frequenzgang (Wireless): 100–14.000 Hz
Empfindlichkeit: -14 dBV/Pa
Bandbreite: 32 kHz / 16 Bit
Geräuschunterdrückung 4-Mikrofon-Hybrid-ANC
Transparenzmodus
KI-Rauschunterdrückung (alle Systeme) + Sonar-Software (PC)
Akkulaufzeit Infinite Power System: 2 Hot-Swap-Akkus, je 30 h (gesamt 60 h)
Schnellladung: 15 min = bis zu 4 h
Akku: Lithium-Ionen
Drahtlos Hi-Res Wireless zertifiziert
2,4-GHz-Gaming-Wireless
Bluetooth 5.3 + LE Audio (SBC, LC3, LC3+, MultiPoint bis 10 Geräte)
OmniPlay: bis zu 4 Quellen gleichzeitig (USB1 + USB2/3 + BT + Line-In)
On-Ear-Bedienelemente Lautstärke / ChatMix
Source Mix
Power / Pairing / Quick-Switch
Stummschaltung
Bluetooth-Mediensteuerung
Multifunktionsrad (GameHub-Steuerung)
Lieferumfang Arctis Nova Elite Headset
Arctis Nova Elite GameHub
3× USB-C-zu-USB-A-Kabel (1,5 m)
Mikrofon-Popfilter
Reinigungstuch
Transportbeutel
Gewicht Kopfhörer: 380 g
GameHub: 169 g
Tragetasche: 143 g

Ihr könnt über das Gaming-Headset auch 3D-Audio in Form von z. B. Windows Sonic Spatial und Tempest 3D Audio verwenden. Dolby Atmos und DTS:X sind ebenfalls möglich, da müsst ihr euch dann aber separat die passenden Lizenzen kaufen. Beeindruckend: In Sachen Klang sind bis zu 24-bit Klangtiefe bei 96 kHz machbar. Hinweis dazu: An den Spielekonsolen ist bei maximal 16-bit und 48 kHz Schluss, weil die Plattformen nicht mehr unterstützen.

Ausstattung und Verarbeitung

Der dänische Hersteller SteelSeries, seit einigen Jahren im Übrigen Teil des GN-Konzerns zu dem auch Jabra gehört, will sich mit dem Arctis Nova Elite zur absoluten Spitzenklasse vorarbeiten. Deswegen bietet man euch nicht nur eine Desktop-App zur weiteren Konfiguration an. Unter Android und Apple iOS könnt ihr den Klang ebenfalls über die Begleit-App Arctis abstimmen. Ein spannendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der breiten Konkurrenz: Im laufenden Betrieb könnt ihr den Akku austauschen (Hot-Swap). Es liegen daher auch gleich zwei Akkuexemplare bei, die je 30 Stunden Betriebsdauer gewährleisten.

Für meinen Test hat mir die Farbvariante in Sage & Gold vorgelegen. Dabei ist die Verarbeitung durchaus eine Hausnummer. So nutzt SteelSeries nicht nur für den Rahmen Metall, was mich direkt an die Aventho 300 von beyerdynamic erinnert hat, sondern auch für den Lautstärkeregler an der linken Ohrmuschel. Im Übrigen erfolgt die Größenverstellung stufenlos, wird also nicht eingerastet. Die Ohrpolster sind übrigens überdurchschnittlich dick und sehr fluffig. Sie schirmen daher auch schon passiv verdammt gut ab und verhindern exzellent Druck auf den bzw. um die Ohren.

Der Tragekomfort wird auch durch das aufhängbare Innenkopfband gestärkt. Da muss ich schon einmal an dieser Stelle sagen, dass das SteelSeries Arctis Nova Elite für mich tatsächlich das ergonomischste Gaming-Headset darstellt, das ich bisher getragen habe. Beim Auspacken wird aber auch schnell klar, dass SteelSeries hier mehr als ein reines Gaming-Headset liefern will. Dank des Hubs erhaltet ihr ein anspruchsvolles Gesamtpaket. Dieses Allrounder-Flair wird auch dadurch verstärkt, dass der Anbieter auf RGB-Bling-Bling verzichtet. Auch die Basisstation wirkt angenehm unaufgeregt. Sie ersetzt nicht nur anderweitige USB-Dongles, sondern verfügt auch über ein monochromes OLED-Display und Bedienmöglichkeiten für Lautstärke, Abmischung, Wechsel der Eingänge und mehr.

Im Paket befinden sich auch mehrere USB-Kabel, ein 3,5-mm-Kabel sowie ein Popschutz fürs Mikro und natürlich eine Anleitung. Auch eine kleine Tasche liegt bei. Ich vermisse hier aber ein Hardcase, was bei der Preisempfehlung von 649,99 Euro schon hätte möglich sein können. Auch ein Mikrofasertuch zur Reinigung der Ohrmuscheln ist dabei.

Die Ohrmuscheln des SteelSeries Actis Nova Elite lassen sich leicht anwinkeln, ein Zusammenfalten der Kopfhörer ist jedoch nicht möglich. Beim Tragekomfort hilft auch das bereits erwähnte Textilband, das letzten Endes auf eurem Kopf aufliegt. Dieses ist elastisch und hilft bei der Gewichtsverteilung. Es lässt sich innen über mehrere Stufen verstellen. Ein Nachteil der verwendeten Materialien: SteelSeries nutzt Kunstleder statt Stoff für die Ohrmuscheln als Bezug, wodurch man eher „heiße Ohren“ bekommt. Wie schon beschrieben, dichtet das Headset aber bereits passiv hervorragend ab, sodass ANC meistens für euch gar nicht nötig sein dürfte.

Auch ohne die Basisstation könnt ihr direkt über die Bedienelemente an den Ohrmuscheln einiges einstellen – die Lautstärke und die Stummschaltung des Mikrofons etwa. Schön gelöst: Der Mikrofonarm an der linken Ohrmuschel lässt sich komplett in das Gehäuse schieben. Er lässt sich dennoch flexibel justieren. Den Akku könnt ihr im Übrigen beim laufenden Betrieb tauschen, indem ihr die magnetische Abdeckung der rechten Ohrmuschel entfernt. Darunter sitzt dann der Akku und kann leicht entnommen werden. Unter dem Magnet-Cover der linken Ohrmuschel verbirgt sich im Übrigen der USB-C-Ladeanschluss.

Praxistest des SteelSeries Arctis Nova Elite

Wie eingangs beschrieben ist der Hub des SteelSeries Arctis Nova Elite eine praktische Sache. Er erlaubt es z. B., dass ihr vom Gaming-PC Audio per 2,4 GHz zuspielt, während gleichzeitig auch euer Smartphone via Bluetooth für Anrufe verbunden bleibt. Wo der Hub vielseitig ist, bleibt das Headset an sich glücklicherweise auf das Wesentliche beschränkt. Wie schon erwähnt, verzichtet man nicht nur auf eine RGB-Beleuchtung, sondern fokussiert sich auch bei den Bedienelementen auf wenige Buttons – für Bluetooth, die Mikrofon-Stummschaltung, Power und das Lautstärkerad. Letzteres finde ich besonders praktisch, da es leicht zu ertasten ist und nicht versehentlich mit den anderen Tasten verwechselt werden kann.

Was ich am Gesamtpaket weniger durchdacht finde: Der GameHub ist zugleich Bedien- und Ladestation, was aber auch heißt, dass man im Alltag häufig daran Herumtatschen wird. Gleichzeitig zieht die Klavierlack-Hochglanz-Oberfläche aber geradezu magisch Fingerabdrücke und Staub an. Hier wäre mattes Material schlichtweg pragmatischer gewesen. Zumal man vollkommen auf Kunststoff setzt. Bei dem ausgerufenen Preis hätte es auch gerne eine Kombination aus Metall und Glas dein dürfen. Auch mit dem Hub kommt ihr aber zur Nutzung des vollen Funktionsumfangs nicht an der Begleit-App von SteelSeries vorbei – dem Programm GG. Letzteres könnt ihr, habt ihr noch andere Peripherie der Marke oder plant, jene anzuschaffen, auch zur Steuerung entsprechender Mäuse und Tastaturen nutzen.

Über GG könnt ihr dann auch den Audiobereich Sonar verwenden, der es euch erlaubt, Soundprofile zu erstellen, den Audiomix zwischen Chat und Spieleton zu optimieren oder Filter auf das Mikrofon zu legen. Eher unverständlich: Während ihr GG für Firmware-Updates und Grundeinstellungen ohne Konto nutzen könnt, benötigt ihr für den Sonar-Bereich ein SteelSeries-Account. Das finde ich persönlich unschön, denn im Ergebnis könnt ihr das Arctis Nova Elite nur voll ausnutzen, wenn ihr euch ein Konto beim Hersteller aufzwingen lasst.

Die Software an sich empfinde ich, wie z. B. auch Razer Synapse, als etwas überladen. Ja, es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten, das ist gut. Aber man fühlt sich anfangs regelrecht erschlagen. Immerhin hat SteelSeries auch an Details gedacht. Beispielsweise könnt ihr einrichten, dass sich das OLED-Display der Bassisstation nach einiger Zeit automatisch abdimmt bzw. einen Screensaver nutzt. Auch könnt ihr Feinheiten justieren – etwa wie stark die Gaming-Lautstärke automatisch sinken soll, wenn ein Anruf an eurem Smartphone eingeht.

Während an Spielekonsolen mit dem SteelSeries Arctis Nova Elite ohnehin nur 48 kHz möglich sind, nutzt auch Windows 11 dies übrigens zunächst aus Kompatibilitätsgründen als Standard. Wollt ihr mit vollen 96 kHz reinhauen, müsst ihr manuell in den Audioeinstellungen eingreifen. Ehrlicherweise ist das aber mehr ein Marketing-Argument, denn ich wünsche euch viel Spaß bei der Suche nach Content, der davon profitiert. Gerade bei Spielen bringt das im Grunde nichts. Wo wir endlich bei Spielen sind: Sowohl der Klang der Kopfhörer an sich als auch der des Mikrofons sind „gesoundet“, und damit fürs Gaming abgestimmt. Für das Mikro bedeutet das etwa, das der Tieftonbereich abgeschwächt wird, damit z. B. eure Atemgeräusche und Vibrationen weniger durchdringen. Die Sprachverständlichkeit ist dabei exzellent, erwartet aber nicht, dass eure Stimme komplett unverfälscht beim Gegenüber ankommt.

Selbiges gilt grundsätzlich auch für die Audiowiedergabe von Spielen. So entsteht ab Werk ein ziemlich wuchtiger Sound, der in Action-Spielen richtig Laune macht, aber auch eine gute Stereo-Separation und Ortbarkeit von Umgebungsgeräuschen sicherstellt. Glücklicherweise habe ich mir bereits vor einigen Jahren eine Dolby-Atmos-Lizenz für Windows gekauft, denn auch der immersive Klang kommt gut zur Geltung. Bis zu einem gewissen Grad bleibt das zwar ein Gimmick, denn mit „echtem“ 3D- oder Surround-Sound hat das wenig zu tun, es entsteht aber eine breite Bühne, die in Spielen wie „Crimson Desert“ tatsächlich hilft, etwa Gegner zu orten.

Wenn euch der Klang des SteelSeries Arctis Nova Elite ab Werk zu aggressiv erscheint, könnt ihr natürlich auch über GG bzw. eben dessen Sonar-Unterbereich persönliche Anpassungen vornehmen. Doch schon wer dazu zu faul ist, erhält in Games satten, dynamischen Klang. Ihr habt da glücklicherweise die Wahl, wie intensiv ihr ins Klangbild eingreifen wollt bzw. ob ihr eher möglichst natürlichen oder eher funktional angestimmten Sound wünscht – z. B., um in Multiplayer-Titeln einen Vorteil zu haben.

Bei Videos sieht es übrigens ähnlich aus, wenn man das Headset etwas zähmt und die Bässe zurückfährt. Da kann man sich durchaus schonmal Abends eine actiongeladene Serie wie „Spartacus: House of Ashur“ mit dem Arctis Nova Elite ansehen und viel Spaß haben. Auch die Musikwiedergabe habe ich mit dem Modell von SteelSeries natürlich ausprobiert. Hier sind die Kopfhörer zwar „gut“, aber da solltet ihr bedenken, dass dies nicht die Paradedisziplin dieses Produkts ist. Gerade meine bevorzugten, melodiebetonten aber noisigen Genres wie Shoegaze klingen aufgrund der Sound-Abstimmung etwas zu anstrengend über das Headset.

So sorgt das SteelSeries Arctis Nova Elite für eine gefühlt eher „harten“ und kühlen Klang, der gerade zu akustischer Musik oder flirrendem Noise nicht so recht passen will. Man kann zwar nachregeln, aber am Ende bekommt ihr zum ausgerufenen Preis von 649 Euro bereits Einstiegs-Hi-Fi-Kopfhörer die bei der Musikwiedergabe haushoch überlegen sind.

Mein Fazit

Das SteelSeries Arctis Nova Elite ist zum Preis von 649 Euro ein Gaming-Headset der Oberklasse, das auch als Allrounder funktioniert. Allerdings sind Spiele hier wirklich die Paradedisziplin, denn wer viel Wert auf die Musikwiedergabe legt, findet in dieser Preisklasse bereits deutlich überlegene Kopfhörer am Markt. Auch gibt es kleine Schwächen in der Ausstattung: Der GameHub ist zwar eine vielseitige Bedienstation, das man aber für die Vorderseite ausgerechnet Hochglanz-Plastik im Klavierlack-Look genutzt hat, das quasi nach dem Auspacken schon schmuddelig wirkt, ist schwer zu verzeihen.

Dafür ist das Konzept mit den beiden, im Betrieb austauschbaren Akkus, ein echter Segen. So könnt ihr beim Zocken sicher sein, dass euch nie der Saft ausgeht. Zumal es auch cool ist, dass ihr gleichzeitig Gaming-Audio vom PC oder der Konsole nutzen könnt, während ihr z. B. über das Smartphone telefoniert. Als größten Pluspunkt möchte ich den Tragekomfort erwähnen: Die fluffigen Ohrpolster und das aufgehängte Kopfband haben das Arctis Nova Elite für mich persönlich zum bequemsten Headset gemacht, das ich bisher genutzt habe.

Auch die GG-Software von SteelSeries ist insgesamt gelungen, wenn auch leicht überladen und mit Kontozwang für den Sonar-Bereich versehen. Für Voice-Chats ist das Arctis Nova Elite hervorragend geeignet, während Spiele eine enorme Wucht entfalten. Selbst das Ansehen eines Films oder einer Serie macht Laune. ANC hätte ich bei so einem Modell nicht unbedingt gebraucht, es geht aber zumindest in Ordnung. Bereits die passive Abschirmung ist wirklich gut. Im Gesamtbild hat SteelSeries hier ein exzellentes, allerdings auch kostspieliges Headset veröffentlicht. Hier sind anspruchsvolle Gamer die Zielgruppe, die den vollen Funktionsumfang nutzen möchten.

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