SpaceX-Börsengang enthüllt Milliardenverluste, massive KI-Ambitionen und drohende Konflikte um xAI-Rechenzentren

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SpaceX hat seinen IPO-Antrag bei der SEC eingereicht und dabei detaillierte Finanzzahlen offengelegt. Die xAI-Sparte verbrennt Milliarden, Anthropic zahlt 15 Milliarden Dollar jährlich für Rechenleistung, und Elon Musk sichert sich nahezu unanfechtbare Kontrolle.

SpaceX hat öffentlich Unterlagen für den potenziell größten Börsengang der Geschichte bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Unternehmen will unter dem Symbol SPCX an der Nasdaq debütieren und bis zu 75 Milliarden US-Dollar einsammeln, bei einer angestrebten Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar.

Die Einreichung offenbart ein Unternehmen, das schnell wächst, aber ebenso schnell Geld verbrennt. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete SpaceX laut dem Filing einen Nettoverlust von 4,28 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 4,69 Milliarden. Im Gesamtjahr 2025 stieg der Umsatz auf 18,7 Milliarden Dollar, doch das Unternehmen rutschte von einem Gewinn von 791 Millionen Dollar (2024) in einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden.

KI-Sparte verschlingt den Großteil der Investitionen

Der mit Abstand größte Kostentreiber ist die KI-Sparte, die nach der Übernahme von xAI in SpaceX integriert wurde. Mehr als die Hälfte der Investitionsausgaben, die sich 2025 auf 20,74 Milliarden Dollar fast verdoppelten, entfiel auf das KI-Geschäft. Die Verluste der KI-Sparte stiegen laut Filing von 1,56 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf 6,36 Milliarden im Jahr 2025.

Zusätzlich plant SpaceX die Übernahme des KI-Startups Cursor für 60 Milliarden Dollar, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Börsengang abgeschlossen werden soll. Scheitert der Deal, steht Cursor eine Auflösungsgebühr von 1,5 Milliarden Dollar in bar sowie 8,5 Milliarden Dollar als "deferred services fee" zu.

Anthropic zahlt 1,25 Milliarden Dollar monatlich für Rechenleistung

Aus dem IPO-Filing geht laut Axios auch hervor, dass Anthropic im Rahmen eines Compute-Deals 1,25 Milliarden Dollar pro Monat an SpaceX zahlt, insgesamt rund 15 Milliarden Dollar jährlich bis Mai 2029. Die Zahlungen für Mai und Juni fallen etwas geringer aus, da der Deal noch hochfährt.

Anthropic expandiert dabei von SpaceX Colossus-1-Anlage auf Colossus 2. "Wir erweitern unsere Partnerschaft mit SpaceX und werden im Juni auf GB200-Kapazität in Colossus 2 hochskalieren", schrieb Anthropic-Mitgründer und Chief Compute Officer Tom Brown auf X. Beide Seiten können den Vertrag mit 90 Tagen Frist kündigen. SpaceX erklärte im Filing, weitere ähnliche Verträge abschließen zu wollen.

Starlink treibt den Umsatz, Raumfahrt bleibt defizitär

Etwa zwei Drittel der Umsätze im ersten Quartal 2026 stammen aus dem Starlink-Satelliteninternet. Die Abonnentenzahl hat sich laut Filing von 2,3 Millionen (2023) über 4,4 Millionen (2024) auf 8,9 Millionen (2025) vervielfacht. Die Betriebseinnahmen von Starlink erreichten 4,42 Milliarden Dollar im Jahr 2025, nach 2 Milliarden im Vorjahr.

Das eigentliche Raumfahrtsegment hingegen arbeitet weiterhin mit Verlust. Im ersten Quartal 2026 generierte es 619 Millionen Dollar Umsatz bei einem Betriebsverlust von 662 Millionen Dollar. Die Starship-Rakete, die SpaceX als zentral für alle weiteren Pläne beschreibt, ist noch nicht voll einsatzfähig. Mehr als 15 Milliarden Dollar hat SpaceX bereits in das Programm investiert.

Weltraum-Rechenzentren mit 28,5 Billionen Dollar Marktpotenzial

SpaceX formuliert im Filing auch die Vision, jährlich 100 Gigawatt an KI-Rechenkapazität auf solarbetriebenen Satelliten ins All zu bringen. Das entspräche laut Unternehmensangaben etwa einem Fünftel der gesamten US-Stromproduktion des Jahres 2025. Den gesamten adressierbaren Markt beziffert SpaceX auf 28,5 Billionen Dollar.

Ob Investoren diese Ambitionen in eine Bewertung von 2 Billionen Dollar übersetzen, bleibt offen. Analysten und Beobachter haben laut Bloomberg bereits zuvor Bewertungen von über 1,25 Billionen als schwer zu rechtfertigen bezeichnet, da der Umsatz primär von Starlink stammt und xAI massiv Geld verbrennt.

Musk sichert sich nahezu absolute Kontrolle mit Dual-Class-Struktur

Elon Musk sichert sich mit der angekündigten Börsenstruktur nahezu absolute Kontrolle über SpaceX. Das Unternehmen gibt zwei Arten von Aktien aus: gewöhnliche Class-A-Aktien mit einer Stimme und sogenannte Class-B-Aktien, die jeweils zehn Stimmen tragen. Musk hält den Großteil dieser stimmgewichteten Class-B-Aktien und kommt so auf 85,1 Prozent der Stimmrechte – obwohl er weit weniger Aktien besitzt. Er kann damit nach dem Börsengang praktisch nicht abgesetzt oder überstimmt werden. Zusätzlich stellt ihm SpaceX bis zu eine Milliarde weitere Aktien als Bonus in Aussicht, wenn er bestimmte Ziele erreicht – darunter eine Mars-Kolonie mit mindestens einer Million Einwohnern.

Solche Mehrklassen- oder Dual-Class-Strukturen mit ungleichen Stimmrechten sind auch von Unternehmen wie Alphabet, Meta, Snap und Ford bekannt, wobei die genaue Ausgestaltung je nach Unternehmen unterschiedlich ist. Im Fall von Musk stößt sie auf Kritik: Große Pensionsfonds aus New York und Kalifornien haben das Modell laut Bloomberg bereits angeprangert, da normale Anleger faktisch kein Mitspracherecht haben.

Bis zu 30 Prozent der Aktien sollen über Plattformen wie Robinhood, Fidelity und Charles Schwab an Privatanleger gehen, also direkt an Kleinanleger statt nur an große institutionelle Investoren. Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan begleiten den Börsengang als federführende Banken. Das formelle Marketing für die Aktie soll laut Bloomberg ab dem 4. Juni beginnen, der endgültige Ausgabepreis könnte ab dem 11. Juni festgelegt werden.

Offen ist bisher aber, wie schnell SpaceX in wichtige US-Aktienindizes aufgenommen wird. Wird eine Aktie in einen großen Index wie den S&P 500 aufgenommen, müssen Fonds, die diesen Index abbilden, sie kaufen – das kann erheblichen zusätzlichen Kaufdruck und damit Kursanstiege erzeugen. Allein an den S&P 500 sind laut Bloomberg Intelligence rund 24 Billionen Dollar gebunden. Bislang gilt jedoch eine Wartefrist von mindestens zwölf Monaten nach einem Börsengang. Hinzu kommen Anforderungen an Streubesitz und Profitabilität, die für SpaceX zumindest Hürden darstellen könnten.

S&P Dow Jones Indices prüft derzeit Regeländerungen, die Mega-IPOs wie SpaceX schneller indexfähig machen könnten – etwa eine Verkürzung der Wartefrist auf sechs Monate sowie Ausnahmen bei den Profitabilitäts- und Streubesitzkriterien. Eine automatische Aufnahme wäre damit aber nicht garantiert, die Entscheidung läge weiterhin beim Index-Komitee. Nasdaq hat bereits eine Fast-Entry-Regel eingeführt, nach der sehr große neue Listings, sofern sie die übrigen Kriterien erfüllen und unter die Top 40 fallen, bereits nach 15 Handelstagen in den Nasdaq-100 aufgenommen werden können.

xAI kauft Gasturbinen für 2,8 Milliarden, trotz laufender Klage

Das Filing enthüllt auch, dass SpaceX xAI-Sparte in den nächsten drei Jahren Gasturbinen im Wert von 2,8 Milliarden Dollar für ihre KI-Infrastruktur kaufen will, davon 2 Milliarden für "mobile Gasturbinen". Die NAACP hatte xAI erst kürzlich wegen des Betriebs von knapp 30 ungenehmigten Gasturbinen am Rechenzentrum nahe Memphis verklagt. Die US-Umweltbehörde EPA stellte bereits fest, dass xAI die Turbinen unter Verstoß gegen Bundesrecht betreibt.

SpaceX räumt das Risiko im Filing ein: Einstweilige Verfügungen oder entzogene Genehmigungen "würden unser KI-Geschäft nachteilig beeinflussen".

Rechenzentren heizen Nachbarschaften messbar auf

Eine neue Studie der Arizona State University gibt solchen "Risiken" neues Futter. Die Forscher zeigen, dass neben den bereits bekannten Problemen von Strom- und Wasserverbrauch, sowie Verschmutzung von Luft und Wasser, solche KI-Rechenzentren ihre Umgebung aufheizen. Im Großraum Phoenix, der heißesten Metropolregion der USA, lagen die Lufttemperaturen in Windrichtung von Rechenzentren im Durchschnitt 0,7 bis 0,9 Grad Celsius über den Werten in Gegenwindrichtung, mit Spitzen von bis zu 2,2 Grad Celsius. Der Effekt war bis zu rund 540 Metern entfernt messbar. Laut Studienleiter David Sailor kann die Abwärme eines einzelnen Rechenzentrums die Abwärme von 40.000 Haushalten übertreffen.

Die Forscher warnen vor erheblichen Folgen für die betroffenen Nachbarschaften: Höhere Außentemperaturen erhöhen den Kühlbedarf in umliegenden Wohngebäuden und können damit auch die Stromrechnungen der Anwohner steigen lassen. Dabei entsteht eine Art Teufelskreis: Klimaanlagen laufen bei zusätzlicher Wärme länger oder mit höherer Leistung. Sie transportieren die Wärme aus den Innenräumen nach außen und geben dort zusätzlich auch die für den Betrieb aufgewendete elektrische Energie als Abwärme ab. Dadurch heizen sie die Umgebung weiter auf, was den Kühlbedarf in der Nachbarschaft erneut erhöhen kann.

Gleichzeitig verschärft die zusätzliche Wärme gesundheitliche Risiken, insbesondere in ohnehin hitzegeplagten Regionen wie Phoenix, wo extreme Hitze bereits jetzt zu den tödlichsten Wetterereignissen zählen. Sailor betont zudem, dass sich die Effekte einzelner Rechenzentren in Clustern verstärken können – ein Problem, das mit dem geplanten Ausbau weiter wachsen dürfte: Die US-Rechenzentrumskapazität soll sich bis 2030 mehr als verdoppeln.

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