Stand: 03.07.2026, 13:00 Uhr
Von: Lukas Richter
Nach dem Angriff auf Kiew kündigt Selenskyj Vergeltung an. Dabei macht er auch die westlichen Partner für die Tragödie verantwortlich.
Kiew – Nach dem schwersten russischen Angriff auf Kiew in diesem Jahr hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Vergeltung angekündigt. In der Hauptstadt wurden bei dem Angriff in der Nacht auf Donnerstag (2. Juli) nach ukrainischen Angaben 30 Menschen getötet, 91 weitere verletzt. Mehr als 130 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rief für Freitag einen Trauertag aus. Der Angriff traf mehrere Stadtteile der Millionenmetropole. Russland kündigte zugleich an, den Druck auf die Ukraine weiter zu erhöhen.

Russland habe in der Nacht mehr als 70 Raketen unterschiedlicher Typen auf die Ukraine abgefeuert, sagte Selenskyj in einer Stellungnahme. Fast die Hälfte davon seien ballistische Raketen gewesen. Dazu seien fast 500 Angriffsdrohnen gekommen, darunter auch schnellere Shahed-Varianten mit Strahlantrieb. Das Hauptziel sei Kiew gewesen.
Kiew zählt Tote und zerstörte Häuser
Selenskyj sagte, die Ukraine werde „definitiv“ reagieren. Zugleich machte er die westlichen Partner mitverantwortlich für das Ausmaß der Schäden. „Wenn unsere Partner ihre Zusagen rechtzeitig erfüllt hätten, hätten wir heute meiner Meinung nach mehr Häuser und Leben retten können“, so der Präsident. Man verlange nicht mehr, sondern nur, dass Vereinbartes umgesetzt werde.
Auf seinen offiziellen Kanälen schrieb Selenskyj, Russland habe „kein anderes Argument“ für den Krieg mehr als ballistische Raketen. Putin wolle weiter Wohnhäuser „besiegen“, statt den Krieg zu beenden. Die Formulierung zielte auf die russischen Angriffe auf zivile Wohngebiete; unabhängig überprüfen lassen sich einzelne Zielangaben im laufenden Krieg oft nicht.
Selenskyj fordert mehr Flugabwehr
Selenskyj drängte erneut auf mehr Schutz gegen Raketen. In den kommenden Tagen stünden ein NATO-Gipfel und weitere Treffen an. Dort müsse die Luftverteidigung eines der wichtigsten Ergebnisse werden, ergänzte er. Dann fügte er eine Spitze gegen die Verbündeten an: „Wenn NATO den Alliierten natürlich noch etwas bedeutet.“
Der ukrainische Präsident forderte Europa auf, eigene Fähigkeiten gegen alle Arten von Bedrohungen aufzubauen, darunter russische ballistische Raketen. Auf seinen offiziellen Kanälen verwies er auf Gespräche mit den USA über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Systemen. Gemeint sind Abwehrraketen und Startgeräte, mit denen ballistische Raketen abgefangen werden können.
Selenskyj dankte Ländern, die über das PURL-Programm helfen. Damit kann die Ukraine Abfangraketen für Patriot-Systeme kaufen. Dauerhaft brauche man aber eigene Produktion, schrieb er. Diese könne in der Ukraine oder gemeinsam mit Partnern entstehen. Er hoffe auf eine positive Antwort von US-Präsident Donald Trump.
Kreml spricht von mehr Druck
Moskau stellte den Angriff als Reaktion auf ukrainische Drohnenangriffe gegen Russland dar. Der Kreml erklärte, russische Militärkommandeure hätten Präsident Wladimir Putin über die Angriffe auf Kiew informiert.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nach Angaben aus Moskau in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, Russland werde den Druck auf die Ukraine weiter erhöhen, um seine Ziele zu erreichen. Er warf Europa vor, die Spannungen zu verschärfen. Russland könne solche Schritte nicht ignorieren, sagte Peskow. Quellen: Offizielle Kanäle von Wolodymyr Selenskyj, The Independent, Dmitri Peskow/Kreml, eigene Recherche



