Salesforce und Anthropic haben ihre Partnerschaft unter dem Namen Claudeforce erweitert. Kern der Ankündigung ist „Salesforce in Claude“: Ein Plugin bringt Salesforce-Daten und -Funktionen direkt in den Anthropic-KI-Assistenten. Damit lassen sich beispielsweise Verkaufs-Chancen analysieren, Kundentermine vorbereiten oder Daten im CRM aktualisieren, ohne dafür die Salesforce-Oberfläche zu öffnen. Zum Start enthält das Plugin 37 vorkonfigurierte Funktionen, etwa für Pipeline Reviews, Deal Health oder Meeting-Vorbereitungen.
Die technische Grundlage dafür ist Headless 360. Über APIs und MCP-Server stellt Salesforce dann die Daten, Workflows, Geschäftslogik und Aktionen auch außerhalb der eigenen Bedienoberfläche bereit. Claude wiederum ist bereits in verschiedenen Salesforce-Diensten integriert. Auch über Amazon Bedrock lässt sich das Modell innerhalb der Salesforce Trust Boundary einsetzen. In Slack soll Claude zum Standardmodell unter anderem für Slackbot und weitere KI-Funktionen werden.
(Bild: Salesforce)
Die Salesforce-Oberfläche wird entbehrlich
Interessanter als die einzelnen neuen Funktionen ist die strategische Ausrichtung. Mit Claudeforce können die Anwender viele Aufgaben erledigen, ohne noch mit der klassischen Salesforce-Oberfläche zu arbeiten. Claude stellt die Fragen, sammelt die erforderlichen Informationen aus Salesforce und führt anschließend Aktionen aus. Salesforce wird damit vom Arbeitsplatz zur darunterliegenden Daten- und Prozessplattform.
„Wir haben die Entwickler bereits bei der Vorstellung von Headless 360 ausdrücklich dazu ermuntert, Salesforce über agentische Interfaces statt über die Salesforce-Oberfläche zu verwenden“, sagt Patrick Stokes, President of Applications and Marketing bei Salesforce. „Der Wert von Salesforce liegt nicht in der Benutzeroberfläche“, so Stokes weiter. Entscheidend seien vielmehr Daten, Metadaten sowie die über Jahre aufgebauten Workflows und Geschäftsprozesse.
Doch diese Entwicklung ist keineswegs risikolos. Wer die Bedienoberfläche kontrolliert, kontrolliert einen wichtigen Teil der Kundenbeziehung. Bei Claudeforce liegt diese Oberfläche jetzt bei Anthropic, beziehungsweise bei Claude. Bei Salesforce meint man aber, dass der eigentliche Burggraben an einer anderen Stelle liegt: Ein KI-Modell kann eine neue Oberfläche generieren, besitzt aber nicht automatisch die über Jahre angesammelten Kundeninformationen, Datenmodelle, Zugriffsregeln und Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Genau diese Schicht will Salesforce weiterhin kontrollieren und sie gleichzeitig für unterschiedliche KI-Systeme zugänglich machen.
Wie weit reicht der Datenzugriff?
Doch das wirft eine andere Frage auf: Auf welche Unternehmensdaten greift Claude zu? Laut Salesforce hat die KI keinen pauschalen Zugriff auf sämtliche in Salesforce gespeicherten Informationen. Jede Anfrage und jede Aktion soll unter den vorhandenen Berechtigungen des jeweiligen Salesforce-Nutzers laufen. Der MCP-Server übernimmt unter anderem Rollen-, Freigabe- und Zugriffsregeln aus Salesforce. Kann ein Mitarbeiter einen bestimmten Datensatz oder ein Feld in Salesforce nicht einsehen oder verändern, soll dies auch über Claude nicht möglich sein. Grundsätzlich kann der für Claude verfügbare Kontext dennoch weit über einzelne CRM-Datensätze hinausgehen.
Salesforce beschreibt Headless 360 als Zugang zu Daten, Workflows, Geschäftslogik und Aktionen. Beim Einrichten von Salesforce in Claude kann das System zudem Kontext aus Salesforce, Slack und anderen mit Claude verbundenen Datenquellen berücksichtigen. Perspektivisch soll Data 360 Daten aus weiteren Quellen zusammenführen und ebenfalls für agentische Anwendungen bereitstellen. Damit entsteht weniger ein vollständiger Datenabzug aus Salesforce als ein bedarfsgesteuerter Zugriff auf verschiedene Unternehmensdaten. Salesforce verspricht dabei „Zero Data Retention“.
Dennoch müssen Daten an Claude übermittelt und dort verarbeitet werden: Die KI muss schließlich die für eine Aufgabe benötigten Informationen verarbeiten, um daraus Antworten oder Aktionen abzuleiten. Bemerkenswert ist zudem ein Zusatz auf der Claudeforce-Produktseite: Salesforce und Anthropic arbeiten noch an weiteren Enterprise-Kontrollen, unter anderem darüber, „wo Daten gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann“. Einige für regulierte Unternehmen wichtige Governance-Fragen sind damit offenbar noch nicht abschließend gelöst.
„Salesforce in Claude“ steht zunächst ausgewählten Pilotkunden zur Verfügung, eine offene Beta-Version ist für September geplant. Weitere Funktionen sollen ab Ende 2026 folgen.
(axk)



