Russlands Kriegsgewinne verpuffen

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Stand: 16.07.2026, 15:26 Uhr

Von: Christoph Gschoßmann

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Der Kreml muss öffentlich ein Kraftstoff-Defizit einräumen – und Benzin per Schiff importieren. Die Kriegswirtschaft zeigt immer deutlichere Risse.

Moskau – Als die USA und Israel Ende Februar 2026 den Iran angriffen und die Straße von Hormus für den Weltölhandel sperrten, klingelte in Moskau die Kasse. Die Ölpreise schnellten in die Höhe: Der russische Urals-Rohölpreis stieg auf 117 Dollar je Barrel – nach nur 40 Dollar im Dezember 2025. Der Londoner Thinktank Chatham House bezifferte den Effekt auf bis zu zehn Milliarden Dollar Zusatzeinnahmen pro Monat.

Immer wieder brennen in Russland Öldepots nach ukrainischen Angriffen – jetzt in der Region Wolgograd (Archivbild).

Immer wieder brennen in Russland Öldepots nach ukrainischen Angriffen. (Archivbild) © IMAGO/Alexander Reka

Chatham-House-Analyst Timothy Ash brachte es auf den Punkt: „Der US-israelische Krieg gegen den Iran war ein willkommenes Geschenk für Russlands Präsidenten Wladimir Putin.“ Laut dem Analysten Phillips P. Obrien in der Asia Times flossen Russland bis Mai 2026 durch den Iran-Krieg rund 15 Milliarden Dollar Zusatzeinnahmen zu. Trumps gleichzeitige Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland verstärkte den Effekt.

Ukraine-Drohnen als Wirtschaftswaffe gegen Russland

Doch die Ukraine ließ den Geldsegen nicht ungestört kassieren. Allein im Mai 2026 traf die Ukraine mindestens 16 Raffinerien, darunter acht der zehn größten des Landes, wie Newsweek berichtet. Im Juli eskalierte die Kampagne weiter: In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli traf die Ukraine Russlands viertgrößte Raffinerie in Kstovo östlich von Moskau – sie stellte daraufhin den Betrieb ein. Kurz zuvor hatte eine Drohne den Ufa-Raffinerienkomplex in Baschkortostan getroffen – rund 1300 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Mitte Juni brannte die Moskauer Raffinerie Kapotnja – Hauptversorger der Hauptstadt – zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Genau diese Angriffe zwangen Putin zur ersten öffentlichen Einräumung eines Kraftstoff-„Defizits“, während Vizepremier Alexander Novak erwog, Dieselexporte auszusetzen. Russland, einer der weltgrößten Energieexporteure, war gezwungen, Benzin per Schiff zu importieren. Obrien warnt in der Asia Times zudem: Russland hat bislang kein erkennbares Gegenmittel gegen die ukrainische Langstreckenkampagne entwickelt – und Anpassungszyklen bei solchen Waffensystemen dauern erfahrungsgemäß Jahre, nicht Wochen.

Die Zahlen sind eindeutig: Russlands Bundeshaushalt wies im ersten Quartal 2026 ein Defizit von 4,6 Billionen Rubel auf – bereits größer als das für das Gesamtjahr geplante Defizit –, weil die Öl- und Gaseinnahmen um 45 Prozent einbrachen, so Newsweek. Das Wirtschaftswachstum für 2026 korrigierte Vizepremier Novak auf nur noch 0,4 Prozent – nach 4,3 Prozent im Jahr 2024, berichtet Business Insider. Zusätzlich bricht der Arbeitsmarkt ein: Ukrainischen Schätzungen zufolge belaufen sich die russischen Kriegsverluste auf über 1,3 Millionen Soldaten – ein Tempo, das die monatliche Rekrutierung übersteigt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.

Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington kommt in einem Fortune-Bericht zu einem vernichtenden Urteil: „Gewöhnliche Russen leiden unter einer stotternden Wirtschaft. Der Moment ist reif für eine Druckkampagne, die die russische Wirtschaft in die Erschöpfung treibt.“ Und weiter: „Ohne höhere Kosten an Blut und Kapital wird Putin wahrscheinlich weiterkämpfen – auch wenn er sein Land dabei in einen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Abgrund treibt.“ Russland vollzog im Krieg mit der Ukraine zuletzt eine entscheidende verbale Wende. (Quellen: Chatham House, Asia Times, Newsweek, Business Insider, Fortune/CSIS) (cgsc)

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