Russlands Amateur-Saboteure in Europa

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Stand: 12.10.2026, 17:45 Uhr

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Die estnische Police and Border Guard Board (PPA) ist in Alarmbereitschaft.

Die estnische Police and Border Guard Board (PPA) ist in Alarmbereitschaft. © IMAGO/Mihkel Maripuu

Die Strategie des Kremls ist in eine gefährliche neue Phase eingetreten, sagt Estlands Spionageabwehrchef.

Während eine russische Sabotagekampagne über Europa hinwegfegt, beobachtet Estland eine Verschiebung bei den Zielen, die Moskau ins Visier nimmt. Das erklärte der Spionageabwehrchef der baltischen Nation Foreign Policy in einem Interview.

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Dieser Artikel war zuerst im Magazin ForeignPolicy.com erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

„Anfangs richteten sich diese Angriffe eher gegen symbolische Objekte“, sagte Margo Palloson, der seit 2023 als Generaldirektor des estnischen Sicherheitspolizeiamtes (Kaitsepolitseiamet) amtiert. Zu diesen Angriffen gehörten der Vandalismus an den Autos estnischer Meinungsbildner, das Verbrennen ukrainischer Flaggen und ein Brandanschlag auf ein ukrainisches Restaurant.

Ein Angriff russisch gesteuerter Saboteure im August auf das estnische Robotikunternehmen Milrem, das die ukrainischen Streitkräfte beliefert, markiere eine neue Phase, sagte er. „Jetzt hat sich das Spiel ein wenig geändert – wir schätzen den Zweck klar so ein, dass alle Lieferungen“ an die Ukraine gestört, eingeschränkt oder unterbunden werden sollten. Reuters berichtete diese Woche, dass Russland Rüstungsunternehmen in Dänemark ins Visier genommen hat, einem weiteren starken Unterstützer der Ukraine. Hinzu kam der versuchte Sprengstoffanschlag russischer Geheimdienstagenten Anfang August auf ein Flugzeug in Deutschland.

Die Anschläge haben sich als neue Kreml-Strategie herausgebildet, während die Ukraine Russland auf dem Schlachtfeld blockiert oder gar zurückdrängt. Dänische Beamte erklärten unabhängig voneinander, Russland werde die Zahl der Sabotageakte und anderer Angriffe auf Europa in den kommenden Monaten wahrscheinlich erhöhen.

Diese Operationen setzen zunehmend Sprengstoff ein, merkte Palloson an, was die Gefahr für Zivilisten erhöhe. Botschafter der Europäischen Union trafen sich kürzlich, um die Möglichkeit eines Massenanfalls von Opfern durch Sabotage oder andere Formen staatlich geförderter Gewalt zu erörtern, wie Politico am Mittwoch berichtete.

Um der Bedrohung entgegenzuwirken, steht die estnische Regierung in engem Austausch mit dem Verteidigungssektor des Landes und berät Unternehmen unter anderem in Fragen der physischen Sicherheit, so Palloson.

Spionageabwehr an den Grenzen, Rekrutierung von Amateuren und das lukrative Geschäft mit der Sabotage

Estland stoppt Spionage auch direkt an der Grenze. Seit 2025 hat Estland 20 Personen festgenommen, die nach Russland gereist waren und dort vom russischen Geheimdienst rekrutiert wurden, sagte Palloson. Diese Möchtegern-Spione stammten nicht aus dem Militär- oder Geheimdienstbereich, sondern seien Zivilisten gewesen, die Russland später hätte anweisen können, für Geheimdienstzwecke nützliche Jobs innerhalb Estlands anzunehmen, fügte er hinzu.

Russlands zunehmender Rückgriff auf kriminelle Gruppen und Amateure, darunter über soziale Medien rekrutierte Ukrainer, erschwert die Nachverfolgung potenzieller Saboteure und Spione. Diese Netzwerke können die Verbindung zu Russland verschleiern, wobei sich bis zu sieben Zwischenstufen zwischen dem Saboteur und Russland befinden können, sagte Palloson.

Ukrainische Flüchtlinge, die Russland instrumentalisiert, wüssten unterdessen womöglich gar nicht, dass sie für den Kreml arbeiten, und glaubten in einigen Fällen sogar, für den eigenen inneren Sicherheitsdienst der Ukraine tätig zu sein, fügte er hinzu. Die Ukraine wird in Europa viel seltener der Sabotage beschuldigt, allerdings sollen ukrainische Militärangehörige hinter einem Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 gesteckt haben, die russisches Gas nach Deutschland transportierten.

Der Einsatz krimineller Gruppen verleiht den Angriffen zudem eine kommerzielle Dimension, da manche kriminellen Vereinigungen Russland neue Operationen vorschlagen, um Einnahmen zu erzielen, erklärte Palloson. „Manche Gruppen, die diese Anschläge verüben, erkennen, dass dies auch eine Möglichkeit ist, gutes Geld zu verdienen“, sagte er.

Vorerst zeigte sich Palloson zufrieden mit der Reaktion Estlands auf die neue Welle von Sabotagetaktiken sowie mit dem ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Rahmen. In einigen europäischen Ländern, die er nicht beim Namen nannte, wächst jedoch der Frust über die Befugnisse des Spionageabwehrpersonals.

„Ich habe von einigen europäischen Kollegen gehört, dass sie das Gefühl haben, nicht über die richtigen rechtlichen Werkzeuge zu verfügen, um damit umzugehen“, sagte er. Das Vereinigte Königreich nahm im September zunächst sieben Personen fest, die im Verdacht standen, mit einem iranischen Komplott gegen einen US-Luftwaffenstützpunkt in England in Verbindung zu stehen, und ließ sie später wieder frei.

Ungebrochene Unterstützung für Kiew, Lehren aus der Ukraine und Europas Schutzstrategien

Trotz der Angriffe sah Palloson keine Anzeichen dafür, dass die russische Sabotage die Unterstützung für die Ukraine schwäche. „[Die Unterstützung] ist nach wie vor sehr hoch und wird von Tag zu Tag stärker. In der estnischen Gesellschaft gibt es weder Angst noch Panik“, sagte er.

Das Albtraumszenario für Estland wäre natürlich eine russische Invasion. Im Vorfeld der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 arbeiteten die russischen Sicherheitsdienste daran, die Grundlage für eine einfache Übernahme zu schaffen. Sie schleusten vorab Mordkommandos ein und bestachen ukrainische Beamte, damit diese wenig Widerstand leisteten.

Estlands Militär- und Geheimdienste sehen kaum Anzeichen dafür, dass Russland einen ähnlichen Angriff auf Estland vorbereitet. Dennoch lerne das Land aus den Erfahrungen der Ukraine, sagte Palloson.

„Alle [Geheim-]Dienste in Europa versuchen zu studieren, wie sie ihre Gesellschaften vor Geheimdienstaktivitäten, Einflussnahme und Sabotage schützen können.“ (von Sam Skove)

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