Russische Drohnen nahe polnischer Grenze

1 month ago 12

In der Nacht zu Sonntag hat es nach Angaben aus Warschau und Kyjiw eine Drohnenattacke der Truppen von Kremlchef Wladimir Putin in unmittelbarer Nähe zur Grenze des EU- und Nato‑Mitglieds Polen gegeben.

Dabei wurde Medienberichten zufolge am frühen Morgen auf ukrainischem Gebiet, rund 800 Meter vom Grenzübergang Jagodyn-Dorohusk entfernt, ein Lkw getroffen.

Jagodyn-Dorohusk ist einer der wichtigsten Grenzübergänge für die Ukraine. Hier passieren jeden Tag unzählige Lastwagen die Außengrenze der EU: Westliche Militärhilfe sowie viele Waren werden so in die Ukraine transportiert und viele Exporte verlassen das Land. Bekannt wurde er in den vergangenen Jahren auch durch die wiederholte Blockade durch polnische Lkw-Fahrer.

Eine Drohne traf einen Lastwagen, der zerstört wurde.

Dariusz Sienicki, Sprecher des regionalen polnischen Grenzschutzes

Der Sprecher des regionalen polnischen Grenzschutzes, Dariusz Sienicki, bestätigte den Treffer. „Eine Drohne traf einen Lastwagen, der zerstört wurde“, zitierte ihn der Sender RMF24. Auch das polnische Innenministerium erklärte nach Angaben des Portals „Onet“, dass es russische Drohnenangriffe auf der ukrainischen Seite der Grenze gegeben habe.

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Die ukrainische Nachrichtenagentur Euromaidan veröffentlichte demnach online ein Video, das einen brennenden Lastwagen zeigt. Dem Portal „UNN“ zufolge soll eine Tankstelle getroffen worden sein.

Die Agentur Reuters berichtete unter Berufung auf polnische Angaben ebenfalls von einem Einschlag nahe der Grenze. Der Grenzübergang sei während des Angriffs vorübergehend geschlossen worden. Über die Grenzübergänge zu Polen gelangt ein Großteil der westlichen Militärhilfe und humanitären Güter in die Ukraine.

Unklar blieb zunächst, ob es auf ukrainischer Seite Opfer gab. Nach Angaben des polnischen Innenministeriums wurde auf polnischer Seite niemand verletzt.

Ukrainische Grenzübergänge Richtung Westen werden seit dem Sommer immer wieder von russischen Truppen angegriffen. Diese liegen zwar weit entfernt von der Front, sind aber für die Wirtschaft des Landes eminent wichtig. Innerhalb der vergangenen Wochen wurden so mehrere Übergänge zu den Nachbarländern Moldau und Rumänien angegriffen.

 AleksandrxGusev

Eine russische Kampfdrohne ist in der Ukraine zu sehen.

© Imago/Pacific Press Agency/Aleksandr Gusev

Auf der anderen Seite attackiert die Ukraine seit Monaten immer wieder Warenlager des Onlinehändlers Wildberries, der als das „Amazon Russlands“ gilt. Vorsätzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur gelten völkerrechtlich als Kriegsverbrechen.

„Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato ‚klopft‘. Russische Barbaren stehen vor euren Toren, liebe Partner“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X.

Wegen der russischen Angriffe auf die Westukraine ließ die polnische Luftwaffe dem Sender RMF24 und „Onet“ zufolge Kampfjets aufsteigen. In mehreren grenznahen Landkreisen wurden demnach Warnmeldungen verschickt, Sirenen seien zu hören gewesen.

In der Grenzregion Wolyn wurde zudem die Lokomotive eines Personenzugs zwei Kilometer vor der polnischen Grenze entfernt von einer Drohne angegriffen, wie die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja Reuters zufolge mitteilte. Verletzte habe es nicht gegeben.

Merz-Berater saß offenbar im Zug

Von der russischen Attacke war dem „Spiegel“ zufolge auch einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betroffen. Günter Sautter, außen- und sicherheitspolitischer Berater im Kanzleramt, war demnach in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit einem Nachtzug von Kyjiw in Richtung Polen unterwegs.

Gegen fünf Uhr morgens sei der privat gecharterte Zug unweit der polnischen Grenze gestoppt worden. Wegen der Drohneneinschläge in der Grenzregion seien Teile des Zugs evakuiert worden.

Sautter hatte dem Bericht zufolge in der ukrainischen Hauptstadt gemeinsam mit den Sicherheitsberatern aus Großbritannien, Frankreich und Italien und der Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj über mögliche Friedensverhandlungen mit Russland beraten. Am Samstag hat er auch die internationale Sicherheitskonferenz YES besucht, die im Bunker eines Luxushotels stattfand.

09.09.2026, GER, Berlin, 92. Sitzung des Deutschen Bundestages im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes. / Robin Wagener Bündnis 90/Die Grünen, steht am Rednerpult, Gestik, Mimik, Emotionen *** September 9, 2026, GER, Berlin, 92nd session of the German Bundestag in the plenary hall of the Reichstag building Robin Wagener of Alliance 90/The Greens stands at the lectern, gesturing, with facial expressions and emotions Copyright: xnordphotoxGmbHx/xChristianxSchulzex

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Diese Drohnenangriffe sind blinder Terror gegen ukrainische Zivilisten und eine gefährliche Eskalation in Putins Krieg.

Robin Wagener, Bundestagsabgeordneter der Grünen

An Bord des Sonderzugs war demnach auch Robin Wagener, der für die Grünen im Bundestag sitzt. Der Abgeordnete zeigte sich nach den Attacken schockiert. „Diese Drohnenangriffe sind blinder Terror gegen ukrainische Zivilisten und eine gefährliche Eskalation in Putins Krieg“, sagte Wagener dem Magazin.

Der Parlamentarier wertet die Angriffe als Provokation gegen die Unterstützer der Ukraine. „Russland wird immer skrupelloser und zündelt direkt an der Grenze zur Europäischen Union und Nato. Wir müssen diesem Terror endlich klare Grenzen setzen“, forderte Wagener.

Polens Premier Tusk warnte vor Attacken Russlands

Erst am Donnerstag hatte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk eindringlich vor einem russischen Angriff auf die EU-Ostflanke gewarnt. Er habe von der CIA einen „ziemlich präzisen Bericht“ über mögliche Ereignisse in den kommenden Monaten erhalten, sagte er dem Magazin „Politico“ zufolge auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Visegrád-Gruppe am Donnerstag in Bratislava.

„Wir müssen von verschiedenen Szenarien ausgehen“, so Tusk. „Sowohl Polen als auch ganz Europa müssen auf unterschiedliche Möglichkeiten hinsichtlich der Lage nicht nur an der russisch-ukrainischen Front, sondern auch entlang der Ostflanke der EU vorbereitet sein.“

Bereits am Mittwoch sei es zu einem Vorfall gekommen, hieß es in dem Bericht weiter. Tusk zufolge sei am Mittwochabend an einem Grenzübergang zur Ukraine eine „direkte Bedrohung“ abgewehrt worden. Um welchen der 18 Grenzübergänge zwischen Polen und der Ukraine es sich handelte, sagte er nicht.

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