Rente richtig planen: Probleme bei der Vorsorge und wie KI helfen kann

4 months ago 6
Glückliches Seniorenpaar plant die Rente am Laptop.

(Bild: PeopleImages.com - Yuri A / Shutterstock.com)

Viele Menschen unterschätzen ihre Lebenserwartung und tun sich schwer, die Rente zu planen. Digitale Tools und KI-Systeme könnten hier bald Abhilfe schaffen.

Wer im Alter finanziell abgesichert sein möchte, muss rechtzeitig vorsorgen. Doch viele Menschen tun sich schwer damit, ihre finanzielle Situation im Ruhestand realistisch einzuschätzen.

Laut einer repräsentativen Befragung unter 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, darunter 674 Personen, die bislang nicht in Rente oder Ruhestand sind, wünschen sich rund zwei Drittel der Deutschen eine einfache digitale Übersicht über alle Alterseinkünfte.

Unter den Befragten, die bisher nicht in Rente sind, sind es sogar 77 Prozent.

Wunsch nach digitaler Rentenplanung wächst

Insgesamt 46 Prozent der Deutschen möchten ihre Altersvorsorge komplett online erledigen können, so die Bitkom-Umfrage. Bei den Noch-nicht-Rentnern ist es mehr als jeder Zweite.

"Viele Menschen wissen nicht, welche Ansprüche sie im Alter haben. Dabei sind fundierte Entscheidungen über die Vorsorge wichtiger denn je", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Digitale Angebote könnten hier für mehr Durchblick sorgen.

Seit 2023 gibt es mit der Digitalen Rentenübersicht zwar ein kostenloses Online-Portal, das alle Säulen der Altersvorsorge zusammenfasst. Doch bisher kennt nicht mal die Hälfte der Deutschen das Angebot.

Mehr Informationen zum Online-Portal der Rentenversicherung gibt es hier.

Künstliche Intelligenz als Rentenberater?

Gleichzeitig sind immer mehr Menschen offen für neue digitale Beratungsformen: 42 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, sich von einer Künstlichen Intelligenz (KI) zur Altersvorsorge beraten zu lassen. Unter den Befragten ohne Altersbezüge ist sogar eine Mehrheit von 53 Prozent dafür aufgeschlossen.

Allerdings sagen auch 45 Prozent der Deutschen und 52 Prozent der Noch-nicht-Rentner, dass Vorsorgeprodukte so kompliziert seien, dass sie diese digital nicht ohne Hilfe abschließen könnten.

"Gerade bei der oft komplexen Altersvorsorge sollten digitale und persönliche Beratung eng verzahnt werden", meint Rohleder. KI-Systeme könnten dabei helfen, viele Daten auszuwerten und Entscheidungen zu unterstützen.

Jüngere unterschätzen Lebenserwartung

Ein weiteres Problem bei der Rentenplanung: Viele Menschen – vor allem Jüngere – unterschätzen ihre Lebenserwartung. Das zeigt eine Vorabauswertung der DIA-Studie 50plus des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die als Kombination aus Online- und Telefonbefragung durchgeführt wurde.

Fast jeder fünfte Befragte unter 50 glaubt demnach, nur 70 Jahre oder weniger alt zu werden. Bei den über 50-Jährigen sind es nur sieben Prozent.

Tatsächlich haben etwa 40-Jährige in Deutschland aber noch eine fernere Lebenserwartung von knapp 40 Jahren.

Übersicht, wie die einzelnen Alterskohorten ihre Lebenserwartung einschätzen. (Bild: Deutsches Institut für Altersvorsorge)

"Viele haben als gedanklichen Anker für die Abschätzung der eigenen Lebenserwartung die Lebensdauer ihrer Eltern oder Großeltern", erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern.

Da die Lebenserwartung seit Jahrzehnten steige, führe das zu einer zu niedrigen Annahme – im Schnitt um sieben Jahre.

Sozialer Status beeinflusst Lebenserwartung

Auch der soziale Status spielt eine Rolle: Nur 17 Prozent der Befragten aus der selbst eingeschätzten Unterschicht gingen davon aus, 80 bis 89 Jahre alt zu werden. In der Mittel- und Oberschicht waren es dagegen 35 und 32 Prozent.

"In diesem Fall stimmen individuelle Vermutungen und wissenschaftliche Erkenntnisse überein", sagt Morgenstern. "Es ist erwiesen, dass die Lebenserwartung in Korrelation zu den finanziellen Verhältnissen steht."

Die komplette DIA-Studie mit detaillierten Auswertungen wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht. Für eine solide Rentenplanung ist es aber schon jetzt wichtig, von einer realistischen Lebenserwartung auszugehen.

Hier könnten digitale Helferlein und KI-gestützte Prognosen in Zukunft wertvolle Dienste leisten. Zusammen mit einer verständlichen Übersicht aller Ansprüche würde das vielen Menschen die Vorsorge erleichtern. Denn je früher man sich mit dem Thema beschäftigt, desto besser ist man im Alter abgesichert.

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