Quellen und Links sind nur noch Teil der Suche: Google rückt weiter vom offenen Web ab

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Man kann Google dabei zusehen, wie der Konzern sein Narrativ über die Beziehung zum offenen Web verändert.

In der Vergangenheit bemühte sich Google noch, zumindest den Eindruck zu erwecken, das offene Web sei ein Partner für die eigenen KI-Angebote und werde fair behandelt. In einem aktuellen Podcast nach der I/O klingt Google-CEO Sundar Pichai deutlich zurückhaltender.

Auf die Frage, ob Google in Zukunft noch Links ausspielen werde, antwortet Pichai, "Quellen und Links" würden immer Teil der Suche bleiben. Teil der Suche, wohlgemerkt. Nicht ihr Fundament.

Das ist bemerkenswert, weil Googles KI-Antworten weiterhin auf Inhalten aus dem Web beruhen, diese in der neuen Suchoberfläche aber zunehmend hinter die Antwortmaschine zurücktreten. Gleichzeitig sagte Pichai, die Reaktionen auf die KI-Suche seien in den langfristigen Produktmetriken klar positiv. Nutzerinnen und Nutzer würden die Funktionen zunehmend annehmen.

Auch die jüngsten technischen Änderungen deuten darauf hin, dass Google seine Zukunft als Antwortmaschine sieht. Ein Beispiel ist das Feature "bevorzugte Quellen", die von Nutzenden festgelegt werden können. Das klingt zunächst nach mehr Kontrolle. Tatsächlich ist die Funktion ein Feigenblatt, weil nur wenige Nutzer sie einsetzen werden. Google kann dennoch darauf verweisen, dass Nutzer ihre Quellen selbst wählen könnten. So verschafft sich der Konzern eine legitim wirkende Argumentationsbasis. Außerhalb der bevorzugten Quellen kann Google die Sichtbarkeit des Webs in der Suche mit KI nach eigenen Regeln verteilen.

Eine weitere Neuerung zeigt Webseiten direkt im Chat an. Sie sorgt dafür, dass Nutzer das Google-Ökosystem nicht mehr verlassen müssen.

Die auf der I/O angekündigten KI-Neuerungen zeigen in dieselbe Richtung. Google entwickelt die Suche weg vom Linkverzeichnis, hin zu einem System, das Antworten liefert, Aufgaben erledigt und Nutzer möglichst lange in der eigenen Oberfläche hält. Das nähert sich der ursprünglichen Gründer-Vision einer Maschine an, die Antworten direkt gibt.

Es geht um mehr als die Einnahmen von Webseitenbetreibern

Die möglichen wirtschaftlichen Folgen für das Web sind nur eine Seite. Dann stirbt es halt, mag sich der ein oder andere denken, nichts ist für immer. KI-Antworten sind praktisch und gut genug. Einverstanden.

Mindestens ebenso relevant ist aber der gesellschaftliche Effekt. Google ist schon als reiner Traffic-Verteiler extrem mächtig. Der Konzern entscheidet faktisch mit, welche Informationen sichtbar werden. Dabei kann er sich zumindest auf das Nutzerinteresse und etablierte Medien berufen. Gute Ergebnisse führen zu Klicks. Wenn Nutzer dort finden, was sie suchen, kehren sie zur Google-Suche zurück.

Mit der KI-Suche verschiebt sich diese Logik. Wenn Google Antworten selbst formuliert und Quellen, die ohnehin fast nie angeklickt werden, nur noch als Bestandteil der eigenen Oberfläche ausspielt, wird die Quellenauswahl zur redaktionellen Machtfrage.

Entscheidend ist dann nicht mehr nur, welche Seiten Google findet. Ebenso wichtig wird, welche Stimmen Google in seine Antwortmaschine einbaut (und hinter verschlossenen Türen dafür bezahlt) und welche verschwinden. Google wird damit vom Informationsvermittler zum Publizisten, dessen redaktionelle Auswahl ein zentraler Algorithmus trifft.

Das Risiko ist offensichtlich. Ein von Google kuratierter Ausschnitt des Webs konkurriert um ein winziges Fenster Sichtbarkeit innerhalb der KI-Antwort. Für eine Gesellschaft, die einen Großteil ihrer Informationssuche über diesen einen Zugang organisiert, ist das eine bedenkliche Entwicklung.

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