Putin: Bereitschaft für Krieg mit Europa

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Stand: 29.10.2026, 21:18 Uhr

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Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Zeremonie im Großen Kremlpalast in Moskau

Archivbild: Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Zeremonie zur Entgegennahme von Beglaubigungsschreiben ausländischer Botschafter im Großen Kremlpalast in Moskau (Archivfoto vom 15. Januar 2026). © RAMIL SITDIKOV/AFP

Kremlchef Wladimir Putin hat erklärt, Russland sei für einen Krieg mit Europa bereit. Zugleich warnt er: Bei einer Eskalation werde es keine Gewinner geben.

Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit neuen militärischen Drohungen gegen europäische Staaten für Beunruhigung gesorgt. Russland sei auf einen potenziellen Krieg mit Europa vorbereitet, wenngleich man einen solchen Konflikt nicht anstrebe, erklärte Putin am Donnerstag (29. Oktober). Sollten die Spannungen jedoch zu weit eskalieren, werde es am Ende überhaupt keine Gewinner geben, warnte der Kremlchef und fügte hinzu, niemand solle dies vergessen.

Wie die britische Zeitung The Independent berichtete, fielen Putins Äußerungen im Nachgang zu Telefonaten mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Putin betonte dabei, Moskau unterstütze Schritte zur Wiederherstellung der Beziehungen zu europäischen Staaten, warnte jedoch davor, die Ostsee in eine Konfliktzone wie die Straße von Hormus zu verwandeln.

Auch die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS verbreitete die Aussagen des Präsidenten im Anschluss an eine Pressekonferenz beim Russland-Afrika-Gipfel in Moskau. Dort erklärte Putin zudem, der Westen habe sein Ziel verfehlt, Russland eine strategische Niederlage beizubringen.

Abseits des Ukraine-Krieges: Zwischenfälle an der Ostflanke

Putins Drohungen treffen auf eine ohnehin angespannte Sicherheitslage in Europa, die in den vergangenen Monaten durch eine neue Welle hybrider Angriffe geprägt wurde. So machte die Bundesregierung Moskau für einen Sprengstoff-Drohnenangriff auf ein ukrainisches Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August 2026 verantwortlich – ein Ereignis, das Schwedens Militärgeheimdienstchef Thomas Nilsson als strategischen Wendepunkt russischer Sabotage in Europa einstufte. Anfang September 2026 deckte zudem der dänische Nachrichtendienst PET auf, dass Russland gezielt Sabotageakte gegen dänische Rüstungsbetriebe vorbereitet, wobei Bürger über digitale Plattformen angeworben wurden. Im Spätsommer 2026 folgten zudem Brandanschläge und Sabotageversuche gegen Rüstungs- und Drohnenhersteller in mehreren weiteren europäischen Staaten.

Währenddessen verschärfen sich im Ostseeraum die Spannungen im Bereich der maritimen Infrastruktur. Schiffe der russischen Schattenflotte nutzten wiederholt Schleppanker zur Beschädigung von Unterseekabeln und Pipelines wie der Stromleitung Estlink 2, während Moskau zivile Tankschiffe offen mit schweren Maschinengewehren bewaffnet. Am 1. Oktober 2026 setzte der russische Grenzschutz zudem einen deutschen Frachter im Finnischen Meerbusen für mehrere Stunden fest. Hinzu kommt ein systematisches Blockieren und Manipulieren von Navigationssignalen (GPS-Jamming und Spoofing) im baltischen und skandinavischen Raum.

Die jüngsten Vorfälle reihen sich in eine Serie von Zwischenfällen an den Außengrenzen europäischer Staaten ein: Bereits in den vorausgegangenen Monaten und Jahren war es zu wiederholten Verletzungen des alliierten Luftraums durch russische MiG-31-Jets im Baltikum sowie Drohneneinschlägen in Polen und Rumänien gekommen, woraufhin Polen damals NATO-Konsultationen nach Artikel 4 beantragt hatte und das Bündnis Schutzmaßnahmen wie die Initiative „Eastern Sentry“ einleitete.

Experten warnen vor Aufrüstung und Destabilisierung

Sicherheitsexperten und Militärs blicken mit wachsender Besorgnis auf Moskaus Kriegswirtschaft. Der deutsche Russland-Experte Janis Kluge bezifferte die Militärausgaben Moskaus für die erste Jahreshälfte 2026 auf 111,3 Milliarden Euro. Nach Berechnungen von Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer könnte Russland ab 2029 über das strukturelle Potenzial für einen großangelegten konventionellen Krieg gegen die NATO verfügen – asymmetrische Aktionen oder Störmanöver könnten jedoch schon deutlich früher erfolgen. Der Chef des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS, Michal Koudelka, warnte im Herbst 2026 vor russischen Eskalationsaktionen in einer Frist von „Monaten, nicht Jahren“.

Auch in aktuellen Interviews mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media warnen Experten vor den geopolitischen Konsequenzen. Im September 2026 betonte der russische Oppositionelle Michail Chodorkowski im Gespräch mit FR.de, dass Putins gesamtes politisches Schicksal an diesem Krieg hängt und der Kreml versuche, die Einheit Westeuropas zu spalten, weshalb jedes Zurückweichen wirkungslos sei. Der US-Ökonom Prof. Jeffrey D. Sachs wiederum warnte Ende Oktober im FR.de-Interview davor, dass durch zahlreiche Krisenherde und bereits viele Kriege die reale Gefahr eines Weltkriegs besteht. (Verwendete Quellen: The Independent, TASS, Bundesregierung)

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