Palantir: US-Überwachung in Deutschland

5 months ago 7

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1. Das lidlose Auge

Auch einem gottgleichen Superschurken wie Sauron aus dem Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe« ist ja mal langweilig. Alle Orks aus dem Haus (Krieg), die Ringgeister sind beim, äh, Elternabend und bis Netflix dauert es noch so 6000 Jahre. Für diese Momente gibt es den Palantir, eine schwarze Kristallkugel. Sie dient als eine Art Videotelefon, allerdings werden nicht nur Bild und Ton, sondern auch Gedanken übertragen. Und noch mehr: »Ein Palantir ist ein gefährliches Werkzeug«, warnt völlig zu Recht Gutzauberer und Sauron-Bekämpfer Gandalf.

Es ist also kein Zufall, dass eines der derzeit mächtigsten Unternehmen des Planeten nach den finsteren Kugeln benannt ist: Palantir analysiert riesige Datenmengen und spuckt Empfehlungen aus, für Unternehmen oder für Geheimdienste. Für das Pentagon etwa wertet der Konzern im großen Stil Drohnenvideos aus. Das lidlose Auge.

Palantir »macht Amerika tödlicher«, sagt Firmenboss Alex Karp in einer Mischung aus Chuzpe und Größenwahn. Er hat einst in Frankfurt Philosophie studiert, posiert gern mit großkalibrigen Schusswaffen und verdient 6,8 Milliarden Dollar pro Jahr (hier mehr dazu ). Auch deutsche Behörden haben seine Überwachungssoftware eingekauft, in Hessen, NRW und Bayern etwa wird damit digital ermittelt. »Palantir-Fans verweisen auf Fahndungserfolge und Zeitgewinn«, so mein Kollege Marcel Rosenbach. »Aber wer bei Palantir bestellt, bekommt nicht nur Software sondern Palantir-Mitarbeiter, sogenannte ›Forward Deployed Software Engineers‹ ins Haus, die Zugang zu sensibelsten Datenbanken haben.«

Wie warnt Zauberer Gandalf in »Herr der Ringe« vor dem Palantir? »Wir wissen nicht, wer sonst noch zuschaut«.

2. Schluss mit kratzig

30 Sekunden, mehr Zeit nimmt sich Jette Nietzard nicht, um ihre Videos aufzunehmen und hochzuladen. So hat es die Co-Chefin der Grünen Jugend zuletzt beim Mitte-Ost-Kongress erzählt: »Seid nicht zu perfektionistisch«, rief sie den Zuhörern zu. Wut first, Bedenken second.

Das Video, das sie heute Morgen auf Instagram teilte, war dann doch deutlich länger: In zwei Minuten und 49 Sekunden erklärte Nietzard, dass sie bei der Wahl für den Vorstand der Grünen Jugend im Oktober nicht wieder antreten werde (hier mehr). Und warum: »Bei den Grünen sind meine Gedanken nicht immer auf Gegenliebe gestoßen, mal wurde ich in Fraktionssitzungen ausgebuht«, erzählt die 26-Jährige. Nietzard versteht es, zu provozieren. Ein paar Beispiele?

  • An Silvester schreibt sie auf X »Männer die ihre Hand beim Böllern  verlieren können zumindest keine Frauen mehr schlagen«.

  • Sie trägt einen Pullover mit der Aufschrift A.C.A.B. (freundlich übersetzt: »Alle Polizisten sind Mistkerle«).

  • Sie bezeichnet den Terrorangriff der Hamas als »militärische Operation«.

Sie sammelt damit Fans und Follower. Aber macht sich vor allem neue Feinde. Auch in der eigenen Partei: »Nietzards Schritt war seit Wochen in der Grünen Jugend ein offenes Geheimnis, auch der SPIEGEL konfrontierte sie mit ihren Plänen«, schreibt mir mein Kollege Severin Weiland, der Nietzards Kurzkarriere beobachtet hat. Viele Grüne seien nach der Ankündigung nun erleichtert: »Nietzard begreift sich als Linke innerhalb der Grünen. Für viele war sie nur eines – eine schrille Selbstvermarkterin.«

3. Wenn die Frau mehr verdient als der Mann

Heather Sundell ist genervt. Von ihrem Mann: »Wenn ich nach Hause kam und sah, dass er dort zwar den ganzen Tag gewesen war, aber nichts im Haushalt erledigt hatte«, bekennt die Deutschamerikanerin, die in Los Angeles lebt. Trotz ihres Vollzeitjobs musste sie auch noch die Supermarkteinkäufe übernehmen. Und sei nicht in der Lage gewesen, »mein Geld für die schönen neuen Schuhe auszugeben, die ich so gern haben wollte«.

Mein Kollege Markus Becker hat mit Sundell gesprochen. Sein Thema: Wenn Frauen mehr verdienen als der Mann. In Deutschland noch eher die Ausnahme: Nur in rund zehn Prozent der Haushalte tragen Frauen mehr zum gemeinsamen Einkommen bei als Männer. Bei den Sundells hatte sich der Mann gerade selbstständig gemacht, die Aufträge blieben aus. Plötzlich Hauptverdienerin. Die Beziehung hat gehalten, inzwischen haben die beiden zwei Kinder, Heather Sundell kann allerdings noch immer wütend werden, wenn es um die gerechte Arbeitsaufteilung zu Hause geht. Was auch daran liegt, »dass ich mich ursprünglich nicht für einen Job als Hausfrau gemeldet habe«.

Markus hat für seine Geschichte Studien ausgewertet und Psychotherapeuten interviewt, es geht um archaische Beuteschemen und moderne Geschlechtsidentitäten. »Ich wusste von Forschungsergebnissen, laut denen auch Frauen ihre Probleme mit der Vorstellung haben, einen Mann an ihrer Seite zu haben, der weniger verdient«, schreibt er mir. »Die Recherche führte dann zu spannenden Gesprächen und erstaunlichen Zahlen, die zeigen, dass dieses wichtige Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden kann und auch sollte«. Geld regiert das Herz.

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Klaus Stuttmann

Und heute Abend?

Wagen wir zusammen einen Sprung ins erfrischende Talerbad von Dagobert Duck, der reichsten Ente des Planeten: Das Lustige Taschenbuch feiert die 600. Ausgabe. Ich bin ungefähr bei Nummer 100 eingestiegen und war von den Geschichten zwischen gaga und genial ebenso fasziniert wie meine Kollegin Eva Thöne, die die ducksche Gesamtausgabe hier angemessen würdigt. Das lag natürlich auch an dem Sprachwitz der Übersetzerin Erika Fuchs: »Seufz«, »Stöhn«, »Gähn«. Als Hommage an deren Kreativität haben wir die Überschrift zu Evas Geschichte heute alle halbe Stunde verändert, hier eine kleine Auswahl der Zeilen, wenn Sie so wollen, jede Menge gemischtes Duck:

Foto: DER SPIEGEL

Haben Sie einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Jens Radü, Chef vom Dienst

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