Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.
1. Das lidlose Auge
Auch einem gottgleichen Superschurken wie Sauron aus dem Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe« ist ja mal langweilig. Alle Orks aus dem Haus (Krieg), die Ringgeister sind beim, äh, Elternabend und bis Netflix dauert es noch so 6000 Jahre. Für diese Momente gibt es den Palantir, eine schwarze Kristallkugel. Sie dient als eine Art Videotelefon, allerdings werden nicht nur Bild und Ton, sondern auch Gedanken übertragen. Und noch mehr: »Ein Palantir ist ein gefährliches Werkzeug«, warnt völlig zu Recht Gutzauberer und Sauron-Bekämpfer Gandalf.
Es ist also kein Zufall, dass eines der derzeit mächtigsten Unternehmen des Planeten nach den finsteren Kugeln benannt ist: Palantir analysiert riesige Datenmengen und spuckt Empfehlungen aus, für Unternehmen oder für Geheimdienste. Für das Pentagon etwa wertet der Konzern im großen Stil Drohnenvideos aus. Das lidlose Auge.
Palantir »macht Amerika tödlicher«, sagt Firmenboss Alex Karp in einer Mischung aus Chuzpe und Größenwahn. Er hat einst in Frankfurt Philosophie studiert, posiert gern mit großkalibrigen Schusswaffen und verdient 6,8 Milliarden Dollar pro Jahr (hier mehr dazu ). Auch deutsche Behörden haben seine Überwachungssoftware eingekauft, in Hessen, NRW und Bayern etwa wird damit digital ermittelt. »Palantir-Fans verweisen auf Fahndungserfolge und Zeitgewinn«, so mein Kollege Marcel Rosenbach. »Aber wer bei Palantir bestellt, bekommt nicht nur Software sondern Palantir-Mitarbeiter, sogenannte ›Forward Deployed Software Engineers‹ ins Haus, die Zugang zu sensibelsten Datenbanken haben.«
Wie warnt Zauberer Gandalf in »Herr der Ringe« vor dem Palantir? »Wir wissen nicht, wer sonst noch zuschaut«.
Lesen Sie hier, was mögliche Alternativen zum US-Unternehmen sind .
2. Schluss mit kratzig
30 Sekunden, mehr Zeit nimmt sich Jette Nietzard nicht, um ihre Videos aufzunehmen und hochzuladen. So hat es die Co-Chefin der Grünen Jugend zuletzt beim Mitte-Ost-Kongress erzählt: »Seid nicht zu perfektionistisch«, rief sie den Zuhörern zu. Wut first, Bedenken second.
Das Video, das sie heute Morgen auf Instagram teilte, war dann doch deutlich länger: In zwei Minuten und 49 Sekunden erklärte Nietzard, dass sie bei der Wahl für den Vorstand der Grünen Jugend im Oktober nicht wieder antreten werde (hier mehr). Und warum: »Bei den Grünen sind meine Gedanken nicht immer auf Gegenliebe gestoßen, mal wurde ich in Fraktionssitzungen ausgebuht«, erzählt die 26-Jährige. Nietzard versteht es, zu provozieren. Ein paar Beispiele?
An Silvester schreibt sie auf X »Männer die ihre Hand beim Böllern verlieren können zumindest keine Frauen mehr schlagen«.
Sie trägt einen Pullover mit der Aufschrift A.C.A.B. (freundlich übersetzt: »Alle Polizisten sind Mistkerle«).
Sie bezeichnet den Terrorangriff der Hamas als »militärische Operation«.
Sie sammelt damit Fans und Follower. Aber macht sich vor allem neue Feinde. Auch in der eigenen Partei: »Nietzards Schritt war seit Wochen in der Grünen Jugend ein offenes Geheimnis, auch der SPIEGEL konfrontierte sie mit ihren Plänen«, schreibt mir mein Kollege Severin Weiland, der Nietzards Kurzkarriere beobachtet hat. Viele Grüne seien nach der Ankündigung nun erleichtert: »Nietzard begreift sich als Linke innerhalb der Grünen. Für viele war sie nur eines – eine schrille Selbstvermarkterin.«
Lesen Sie hier mehr dazu: Schrille Auftritte, schriller Abgang
3. Wenn die Frau mehr verdient als der Mann
Heather Sundell ist genervt. Von ihrem Mann: »Wenn ich nach Hause kam und sah, dass er dort zwar den ganzen Tag gewesen war, aber nichts im Haushalt erledigt hatte«, bekennt die Deutschamerikanerin, die in Los Angeles lebt. Trotz ihres Vollzeitjobs musste sie auch noch die Supermarkteinkäufe übernehmen. Und sei nicht in der Lage gewesen, »mein Geld für die schönen neuen Schuhe auszugeben, die ich so gern haben wollte«.
Mein Kollege Markus Becker hat mit Sundell gesprochen. Sein Thema: Wenn Frauen mehr verdienen als der Mann. In Deutschland noch eher die Ausnahme: Nur in rund zehn Prozent der Haushalte tragen Frauen mehr zum gemeinsamen Einkommen bei als Männer. Bei den Sundells hatte sich der Mann gerade selbstständig gemacht, die Aufträge blieben aus. Plötzlich Hauptverdienerin. Die Beziehung hat gehalten, inzwischen haben die beiden zwei Kinder, Heather Sundell kann allerdings noch immer wütend werden, wenn es um die gerechte Arbeitsaufteilung zu Hause geht. Was auch daran liegt, »dass ich mich ursprünglich nicht für einen Job als Hausfrau gemeldet habe«.
Markus hat für seine Geschichte Studien ausgewertet und Psychotherapeuten interviewt, es geht um archaische Beuteschemen und moderne Geschlechtsidentitäten. »Ich wusste von Forschungsergebnissen, laut denen auch Frauen ihre Probleme mit der Vorstellung haben, einen Mann an ihrer Seite zu haben, der weniger verdient«, schreibt er mir. »Die Recherche führte dann zu spannenden Gesprächen und erstaunlichen Zahlen, die zeigen, dass dieses wichtige Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden kann und auch sollte«. Geld regiert das Herz.
Lesen Sie hier, welchen Einfluss das Einkommen auf die Partnerwahl hat – und wie sich das in den vergangenen Jahren verändert .
Was heute sonst noch wichtig ist
Laura Dahlmeier bei Bergunfall in Pakistan verunglückt: Große Sorge um Laura Dahlmeier: Die Biathlon-Olympiasiegerin ist im pakistanischen Karakorum-Gebirge offenbar von einem Steinschlag getroffen worden. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf ihr Management.
Staatliche Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland auf Rekordhoch: Die deutsche Staatsverschuldung ist 2024 auf 2,51 Billionen Euro gestiegen. Heruntergerechnet wurde damit erstmals die Marke von 30.000 Euro pro Kopf überschritten. Besonders stark verschuldet sind die Kommunen und Stadtstaaten.
In Gaza droht laut Experten »das schlimmste Szenario einer Hungersnot«: Die Menschen in Gaza leiden unter extremer Versorgungsunsicherheit. Ein Expertenbericht warnt nun, die Region stehe an einer kritischen Schwelle.
Angriff am Holocaustmahnmal – Bundesanwaltschaft erhebt Anklage: Er soll im Stelenfeld des Holocaustmahnmals einen Touristen mit einem Messer angegriffen haben: Ein junger Mann wird angeklagt. Die Bundesanwaltschaft geht von einem islamistischen und antisemitischen Motiv aus.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Berliner Prinzenbad: Wirken die Maßnahmen des Senats für mehr Sicherheit, weniger Aggression?
Foto: Annette Riedl / picture alliance / dpaHitzköpfe am Beckenrand: Ausweiskontrollen, höhere Zäune, mehr Wachpersonal: Nach den Ausschreitungen 2023 haben die Berliner Freibäder aufgerüstet. Trotzdem ist die Gewalt zuletzt wieder gestiegen. Kein Grund zur Panik, sagen die Betreiber .
Was heute weniger wichtig ist
Beyoncé bei den iHeartRadio Music Awards in Los Angeles (2024)
Foto:Mario Anzuoni / REUTERS
Yiiiehaa: R’n'B-Ikone und Großentertainerin Beyoncé, 43, bricht mit ihrer »Cowboy Carter«-Tour Rekorde. Mit mehr als 400 Millionen Dollar ist sie die erfolgreichste Country-Tournee aller Zeiten, 32 ausverkaufte Stadionshows in Nordamerika, Großbritannien und Europa. Die Sängerin selbst kommentiert den atemberaubenden Erfolg – selbstverständlich – musikalisch: Beim Abschlusskonzert in Las Vegas performte sie mit ihren Ex-Bandkolleginnen von Destiny’s Child ihren Hit »Lose my breath«. Zentrale Textzeile: »Can you keep up?« (»Kannst Du mithalten?«)
Mini-Hohlspiegel
Anzeige auf immoscout24.de
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Wagen wir zusammen einen Sprung ins erfrischende Talerbad von Dagobert Duck, der reichsten Ente des Planeten: Das Lustige Taschenbuch feiert die 600. Ausgabe. Ich bin ungefähr bei Nummer 100 eingestiegen und war von den Geschichten zwischen gaga und genial ebenso fasziniert wie meine Kollegin Eva Thöne, die die ducksche Gesamtausgabe hier angemessen würdigt. Das lag natürlich auch an dem Sprachwitz der Übersetzerin Erika Fuchs: »Seufz«, »Stöhn«, »Gähn«. Als Hommage an deren Kreativität haben wir die Überschrift zu Evas Geschichte heute alle halbe Stunde verändert, hier eine kleine Auswahl der Zeilen, wenn Sie so wollen, jede Menge gemischtes Duck:
Haben Sie einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Jens Radü, Chef vom Dienst


