Palantir-Software für Polizei umstritten

4 months ago 6

Wie war das mit Huawei?

Irgendwie absurd. Beim Ausbau der Telekommunikation und des 5G-Netzes will Deutschland Bauteile von Huawei nicht mehr verwenden, um nicht von China großflächig ausspioniert zu werden. Sollte man dann nicht aus ganz ähnlichen Gründen konsequenterweise auch auf die Nutzung der Palantir-Software des US-Tech-Milliardärs und rechtslibertären Demokratiefeindes Peter Thiel verzichten, mit dessen KI-Programmierung deutlich mehr möglich ist, als die reine Verbrechensbekämpfung?

Manfred Jagoda, Ismaning

Vorsicht, Sperre!

Insbesondere der Artikel zur unterschiedlichen Haltung der Länder bezüglich Palantir ist für mich Hinweis auf die Gefährlichkeit dieses Big-Data-Tools. Wenn da geschrieben steht, dass es Sperren gibt, die zum Beispiel von Karlsruhe für den Einsatz in Hessen verlangt werden, wird einem, der selbst schon Applikationen entwickelt hat, die sich auf Datenbankabfragen stützen – Palantir ist nichts anderes –, klar, dass es sicher sogenannte Switches für die Nutzung gibt, mit denen man die Sperren öffnen kann.

Denn a) wird es diese Sperren im US-Einsatz nicht geben. Sie wurden also für Hessen hinzuprogrammiert, und b) entwickelt ein vorausschauender Software-Entwickler so, dass er keinesfalls bestehende Fähigkeiten „wegprogrammiert“ oder löscht, sondern indem er sie wirklich nur sperrt. Diese Sperren wird der Schutzmann um die Ecke sicher nicht öffnen können, aber womöglich ein Administrator in Polizeidiensten und mit Sicherheit der Palantir-Mitarbeiter und das innerhalb von Sekunden. Es könnte ja sein, dass es zu einer echten Gefahrenlage kommt und ein Innenminister auf die Schnelle eine Auskunft benötigt, die bei Umgehung einer Sperre hilfreich sein könnte. Nur: Wer überwacht das im Polizei-Umfeld?

Horst Karbaum, Dortmund

Google für mehr als die Polizei

Palantir wurde geschaffen, um Daten zu korrelieren. Die Formulierung „Google für Polizei“ trifft soweit zu, sofern Palantir von der Polizei benutzt wird. Es gibt aber keinen technischen Grund, dass dies so bleibt. Wir beobachten, dass rechtsstaatliche Verfahren sich zunehmend unter Druck sehen. Über die einzelnen Gründe mag man spekulieren. Am Ende geht es nur um Kontrolle und Macht. Der Begriff „Sicherheitspaket“ erfährt ja nicht zuletzt wegen der Debatte um „Systemrelevanz“ eine Öffnung, die bedacht werden muss: Sicherheit ist auch Angelegenheit von Grundversorgung und funktionsfähigem Staat.

Unter Bedingungen von Ressourcen-Engpässen, knappen Kassen und den unabsehbaren Folgen der Erderwärmung und Massenfluchten betrifft der Begriff Sicherheit alle Lebensvollzüge. Der Staat wird sich gezwungen sehen, das Verhalten der Bürger zu messen und zu steuern. Ein mächtiges Tool, wie Palantir wird seine Konjunktur erst vor dem Hintergrund der Daseinsfürsorge voll entfalten.

Es ist absehbar, der Begriff „Polizei“ wird in Krisen wieder seine ursprüngliche Bedeutung „Staatsverwaltung“ annehmen. Eine Volkswirtschaft ist am Ende auch nur ein komplexes Datenmodell, das Auskunft gibt über Angebote und Nachfragen. Unerlaubtes Verhalten zu erkennen und zu sanktionieren, ist nur ein Teilbereich von Big Data. Ein Tool wie Palantir ist auch geeignet, gewünschtes Verhalten zu produzieren und Ressourcen zielgerichtet zuzuteilen.

Aus den genannten Gründen wird die aktuelle Debatte um Palantir der wirklichen Herausforderung nicht gerecht: Sie muss, schon mit Blick auf die liberären Urheber dieses Tools, vor allem vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Interessen geführt werden. Der Finanzminister und der Wirtschaftsminister sind bedeutende Stakeholder des Projekts. Aber man redet nur über den Innenminister. Am Ende muss das Parlament entscheiden, wie weit das soziale Gefüge Deutschlands von einer Maschine US-amerikanischer Post-Demokraten konstruiert werden soll. Der Elefant im Raum ist, natürlich, die AfD.

Klaus-Jürgen Falk, Buchbach

Verräterische Namen

Würden Sie mit einer Firma namens „Mafia“ oder „Die Paten“ Geschäfte machen? Nun geht es also um Geschäfte mit einer Firma, die sich die „sehenden Steine“ aus dem Herr der Ringe als Namen und Motto gegeben hat.

Wir erinnern uns: Mit einem dieser Palantirs manipulierte der Oberbösewicht Sauron einen ehemals guten Zauberer (Sauruman), säte Angst und Schrecken und setzte diesen zur Überwachung und Manipulation in seinem Reiche ein.

Die zur Debatte stehende Software aus dem Haus „Palantir“ trägt den Namen „Gotham“. Wir erinnern uns: Dies ist die kaputte Megacity aus den „Batman“-Filmen, Schauplatz monströser Verbrechen und dem ewigen Kampf des Helden gegen die Feinde aus dem Reich des ultimativen Bösen. Die kleinen und schwachen Menschlein werden dazwischen meist nur zerrieben.

Also ich würde mit dieser Firma keine Geschäfte machen.

Dr. Thomas Lukowski, München

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