Der Softwarekonzern Oracle hat die Wall Street mit einem dramatischen Wachstum seines Auftragsbestands verblüfft. Zu verdanken hat er das seinem Geschäft mit Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Analysten überschlugen sich während einer Telefonkonferenz mit Lob für das Unternehmen, einer von ihnen sagte: „Wir stehen alle unter Schock, und zwar in sehr positivem Sinne.“ Der Aktienkurs von Oracle sprang am Mittwoch um mehr als 40 Prozent auf rund 340 Dollar. Er hat sich damit nun seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Der Börsenwert stieg auf mehr als 950 Milliarden Dollar, Oracle nähert sich damit also der Marke von einer Billion Dollar.
Davon profitiert Larry Ellison, der 81 Jahre alte Mitgründer und Technologievorstand, der mehr als 40 Prozent der Anteile am Unternehmen hält. Er war auch bisher schon die Nummer zwei im „Bloomberg Billionaires Index“, einer Liste der reichsten Menschen der Welt, und nun rückt er deutlich an den Spitzenreiter Elon Musk heran, den Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla. Ellisons Vermögen erhöhte sich demnach um rund 100 Milliarden auf 393 Milliarden Dollar, Musk liegt bei 384 Milliarden Dollar. Ellison ist zwar seit 2014 nicht mehr Vorstandschef, bleibt aber noch immer eng ins Geschehen involviert.
Partner im Gemeinschaftsunternehmen Stargate
Die heute Vorstandschefin Safra Catz sprach jetzt von einem „erstaunlichen Quartal“. Oracle habe in den vergangenen drei Monaten Verträge mit einem „Who’s who der KI“ unterschrieben, darunter Open AI, X.AI, Meta, Nvidia und Advanced Micro Devices. Der Auftragsbestand sei auf 455 Milliarden Dollar angeschwollen, vor drei Monaten seien es noch 138 Milliarden Dollar gewesen. Diese Auftragsflut lässt Oracle jetzt in seiner Sparte für Cloud Computing mit einem rasanten Wachstum rechnen. Für das laufende Geschäftsjahr, das am 31. Mai 2026 endet, wird nun ein Plus von 77 Prozent auf 18 Milliarden Dollar erwartet. Für die kommenden vier Geschäftsjahre werden weitere Steigerungen vorhergesagt, auf 32 Milliarden, 73 Milliarden, 114 Milliarden und 144 Milliarden Dollar. Oracle hatte schon Ende Juni mitgeteilt, einen Auftrag unterschrieben zu haben, der vom Geschäftsjahr 2027/28 an jährlich mehr als 30 Milliarden Dollar Umsatz einbringen soll. Das Unternehmen verriet damals nicht, mit wem der Vertrag geschlossen wurde, Medienberichten zufolge soll es sich aber um Open AI handeln.
Open AI und Oracle sind auch Partner im Gemeinschaftsunternehmen Stargate, das US-Präsident Donald Trump im Januar angekündigt hat. Im Rahmen dieses Projekts sollen 500 Milliarden Dollar in die KI-Infrastruktur in den USA investiert werden. Ellison hat allgemein ein gutes Verhältnis zu Trump, der Präsident hat ihn einen Freund genannt. Vorstandschefin Catz war in der vergangenen Woche zusammen mit anderen ranghohen Vertretern der Technologieindustrie zu einem Abendessen mit Trump im Weißen Haus. Neben ihr waren unter anderem die Vorstandschefs von Open AI, Meta, Microsoft und Apple dabei.
Oracle wurde 1977 gegründet, zunächst noch unter dem Namen Software Development Laboratories. Das Unternehmen war traditionell vor allem für Programme zur Verwaltung von Datenbanken bekannt, hat sich aber im Laufe der Jahre immer breiter aufgestellt. Es hat verstärkt auf Cloud Computing gesetzt, wenn auch später als manche Wettbewerber, und im Moment richtet es sich immer mehr auf KI aus. Zu den Konkurrenten von Oracle gehört der deutsche SAP-Konzern. Inmitten seines rasanten Wachstums will Oracle nun deutlich mehr investieren. Für das laufende Geschäftsjahr sind 35 Milliarden Dollar angepeilt, bislang war von 25 Milliarden Dollar die Rede. Damit bleibt Oracle aber noch immer deutlich hinter den Investitionen einiger anderer Techgiganten wie Meta, Google, Microsoft oder Amazon zurück.



