OpenAI kündigt an, in den kommenden Wochen Werbung in ChatGPT zu testen. Die Anzeigen sollen helfen, die enormen Investitionen zu refinanzieren; trotz früherer Bedenken von CEO Sam Altman.
OpenAI wird Werbung in ChatGPT einführen. Das Unternehmen plant, in den kommenden Wochen Tests mit eingeloggten erwachsenen Nutzern in den USA zu starten. Betroffen sind zunächst nur die kostenlose Version und das neue Go-Abonnement, nicht jedoch die teureren Pro-, Business- und Enterprise-Tarife.
Die Anzeigen sollen am Ende von ChatGPT-Antworten erscheinen, wenn ein relevantes Produkt oder eine Dienstleistung zur aktuellen Konversation passt. OpenAI betont, dass Werbung stets klar gekennzeichnet und von den eigentlichen Antworten getrennt sein werde und diese nicht beeinflusse.
OpenAI zeigt ein Beispiel für Werbung in ChatGPT: Nach einer Anfrage zu mexikanischen Rezepten erscheint eine gekennzeichnete Produktempfehlung. | Bild: OpenAINutzer könnten zudem erfahren, warum sie eine bestimmte Anzeige sehen, und diese ablehnen. Gespräche mit ChatGPT blieben privat und würden nicht an Werbetreibende verkauft.
Während der Testphase sollen keine Anzeigen in Konten erscheinen, bei denen der Nutzer angibt oder OpenAI vorhersagt, dass er unter 18 Jahre alt ist. Auch bei sensiblen Themen wie Gesundheit, psychischer Gesundheit oder Politik soll keine Werbung ausgespielt werden.
Werbung trotz früherer Ablehnung
Der Schritt markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende. In der Vergangenheit sagte CEO Sam Altman, er wolle schon aus ästhetischen Gründen keine Werbung in ChatGPT. Man könne sich zudem leicht eine dystopische Zukunft vorstellen, in der ChatGPT einem sage, welches Produkt man kaufen oder wohin man in Urlaub fahren solle.
Nun argumentiert OpenAI anders: Die Einführung von Werbung diene dazu, KI zugänglicher zu machen. Mehr Menschen könnten von den Tools profitieren, ohne bezahlen zu müssen oder mit strengen Nutzungslimits konfrontiert zu sein. Angeblich bezahlen nur rund fünf Prozent der Nutzer für ChatGPT.
OpenAI sieht in KI-gestützter Werbung Potenzial für neue Formate. Konversationelle Schnittstellen ermöglichten es Nutzern, über statische Nachrichten und Links hinauszugehen. Bald könnten Nutzer eine Anzeige sehen und direkt die Fragen stellen, die sie für eine Kaufentscheidung benötigten, so das Unternehmen.
OpenAI plant interaktive Werbeformate: Nutzer sollen künftig direkt mit Werbetreibenden chatten können. | Bild: OpenAIVor kurzem berichtete The Information, dass OpenAI bereits prüfe, ob ChatGPTs Memory-Funktion zur Personalisierung von Werbung genutzt werden könne. Diese Funktion greift persönliche Details aus Gesprächen auf – etwa Wohnort, Namen oder Haustiere – und könnte theoretisch für noch gezieltere Produktempfehlungen eingesetzt werden.
Auch Google testet derzeit eine "Persönliche Intelligenz", bei der Nutzer dem KI-System Zugang zu allen bei Google vorhandenen Daten geben können. Letztlich dürfte Google diese Vermischung früher oder später ebenfalls für zielgerichtetere Werbung nutzen. Dass Anzeigen zunächst harmlos beginnen und dann durch Wachstumszwänge getrieben eskalieren können, zeigen Produkte wie die Google-Suche und YouTube.
Extreme Investitionen erfordern neue Einnahmequellen
Hinter der Entscheidung steht wirtschaftlicher Druck. OpenAI muss seine Bewertung von rund 500 Milliarden US-Dollar gegenüber Investoren rechtfertigen; und möglicherweise demnächst sogar bis zu 750 Milliarden US-Dollar. Um die damit verbundenen Prognosen zu erfüllen, benötigt das Unternehmen in den kommenden Jahren ein bislang unerreichtes Umsatzwachstum.
OpenAI bezeichnet das eigene Enterprise- und Abonnement-Geschäft zwar als stark, sieht Werbung aber als Teil eines diversifizierten Umsatzmodells. Die Anzeigen sollen dazu beitragen, "Intelligenz für alle zugänglicher zu machen", wie es in der Ankündigung heißt.
ChatGPT Go startet weltweit
Parallel zur Werbeankündigung erweitert OpenAI den Zugang zu seinem günstigeren Abonnement ChatGPT Go. Das Angebot ist seit August in 171 Ländern verfügbar und startet nun auch in den USA sowie überall dort, wo ChatGPT erhältlich ist, also auch in Deutschland. Für 8 Euro pro Monat erhalten Nutzer erweiterten Zugang zu Messaging, Bilderstellung, Datei-Uploads und der Memory-Funktion.
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