OpenAI macht ChatGPT zum persönlichen Finanzberater mit direktem Kontozugang

3 weeks ago 11

OpenAI integriert eine neue Finanzfunktion in ChatGPT, über die Nutzer ihre Bankkonten verbinden und personalisierte Finanzanalysen erhalten können. Zum Start ist das Feature nur für Pro-Nutzer in den USA verfügbar.

Pro-Nutzer können ihre Finanzkonten mit dem Chatbot verbinden, ein Dashboard mit Ausgabenübersicht nutzen und ChatGPT Fragen auf Basis ihrer tatsächlichen Finanzdaten stellen. Das Feature ist zunächst auf Web und iOS verfügbar. OpenAI will aus der frühen Nutzung lernen und das Feature verbessern, bevor es auf Plus-Nutzer ausgeweitet wird. Langfristiges Ziel sei es, die Funktion für alle zugänglich zu machen.

ChatGPT soll bei Finanzfragen konkreter antworten

Laut OpenAI nutzen bereits mehr als 200 Millionen Menschen ChatGPT monatlich für Budgetfragen, Investitionsüberlegungen und Finanzplanung. Die neue Funktion soll diese Gespräche mit realen Kontodaten unterfüttern, statt nur generische Ratschläge zu liefern.

Der Unterschied zwischen der Nutzung mit und ohne verbundene Konten ist erheblich. Ohne Kontodaten liefert ChatGPT allgemeine Spartipps wie "reduziere Essensbestellungen" oder "automatisiere deine Sparrate". Mit verbundenen Konten analysiert das System dagegen die tatsächlichen Ausgaben der vergangenen Monate, identifiziert konkrete Kategorien mit Einsparpotenzial und schlägt personalisierte monatliche Obergrenzen vor.

Die Anbindung der Konten erfolgt über den Finanzdienstleister Plaid, der Verbindungen zu mehr als 12.000 Finanzinstitutionen ermöglicht. Eine Unterstützung durch Intuit soll folgen. Nach der Authentifizierung synchronisiert und kategorisiert ChatGPT die Finanzdaten, was laut OpenAI einige Minuten dauern kann.

Der Verbindungsprozess läuft über den Finanzdienstleister Plaid. | Bild: OpenAI

Finanz-Dashboard und Financial Memories als Kernelemente

Sobald die Konten synchronisiert sind, zeigt ein Dashboard den aktuellen Stand zu Portfolioleistung, Ausgaben, Abonnements und anstehenden Zahlungen. Nutzer können ChatGPT zusätzlichen Kontext über ihre finanzielle Situation mitteilen, etwa eine Hypothek, ein Sparziel oder eine geplante größere Anschaffung.

Die Funktion soll laut OpenAI etwa bei der Zielplanung für einen Hauskauf, bei der Analyse von Reiseausgaben, bei der Szenarioplanung oder bei der Überprüfung von Abonnements helfen. In einem von OpenAI gezeigten Beispiel errechnet ChatGPT auf Basis realer Ausgabendaten ein monatliches Einsparpotenzial von rund 705 Dollar. Die Summe ist nach Kategorien wie Gastronomie, Einkäufe, Transport und Lebensmittel aufgeschlüsselt.

ChatGPT speichert solche Angaben als sogenannte "Financial Memories", eine eigene Kategorie von gespeicherten Informationen, die künftige Finanzgespräche kontextbezogener machen soll. Nutzer können diese Erinnerungen jederzeit einsehen und löschen.

GPT-5.5 Thinking als technische Grundlage

Gespräche mit verbundenen Finanzkonten nutzen standardmäßig GPT-5.5 Thinking, OpenAIs aktuelles Reasoning-Modell. Laut OpenAI erfordern Finanzfragen ein hohes Maß an kontextabhängigem Denken, das Einkommen, Ausgaben, Schulden, Ziele und Zeitplanung berücksichtigen muss.

Um die Qualität zu messen, hat OpenAI einen internen Benchmark entwickelt und diesen laut eigenen Angaben mit mehr als 50 Finanzexperten aus führenden Institutionen evaluiert. GPT-5.5 Thinking erreicht demnach 79 von 100 Punkten, GPT-5.5 Pro sogar 82,5 Punkte. Das ältere Modell GPT-5.3 Instant kommt auf 59,4 Punkte. Der Score setzt sich laut OpenAI aus einer gewichteten Kombination von Antwortqualität und Antwortgenauigkeit zusammen.

Bild: OpenAI

OpenAIs langfristige Vision für die Finanzfunktion geht über reine Informationsvermittlung hinaus. In Zusammenarbeit mit dem Ökosystempartner Intuit soll ChatGPT künftig auch konkrete Aktionen ermöglichen. Als Beispiele nennt OpenAI den Übergang von einer Kreditkartenempfehlung zur tatsächlichen Antragstellung inklusive Genehmigungschancen. Ebenso soll eine Frage zu Steuerimplikationen eines Aktienverkaufs direkt zu einer Steuerberatung durch einen Experten führen. All das soll innerhalb von ChatGPT stattfinden.

Datenschutz: Kein Kontozugriff, keine Änderungen

OpenAI betont, dass ChatGPT zwar Salden, Transaktionen, Investments und Verbindlichkeiten einsehen kann. Vollständige Kontonummern sind dabei nicht sichtbar, Änderungen an Konten nicht möglich. Nutzer können Konten jederzeit trennen. Die synchronisierten Daten werden laut OpenAI innerhalb von 30 Tagen aus den Systemen gelöscht. Temporäre Chats greifen nicht auf Finanzdaten zu.

Die Gespräche mit verbundenen Konten folgen den gleichen Modelltrainingseinstellungen, die Nutzer in den Datenschutzoptionen von ChatGPT wählen. OpenAI empfiehlt zudem die Aktivierung der Multi-Faktor-Authentifizierung.

OpenAI weist ausdrücklich darauf hin, dass ChatGPT kein Ersatz für professionelle Finanzberatung ist. Der Dienst ist weder als Anlageberater lizenziert noch zur Erstellung von Steuererklärungen autorisiert.

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