OpenAI KI-Chipentwickler der ersten Stunde geht zu Konkurrent Anthropic

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Clive Chan, nach eigenen Angaben der zweite Hardware-Mitarbeiter in OpenAIs Custom-Chip-Programm, wechselt zu Anthropic. Der Abgang fällt in eine Phase, in der beide Unternehmen ihre Börsengänge vorbereiten und Anthropic Berichten zufolge eigene Chips erwägt.

In einem öffentlichen Post schreibt Chan, er sei stolz darauf, Teil des Programms gewesen zu sein. Die "Dichte an Hardware-Talent" in diesem Team sei außergewöhnlich. "Ich glaube nicht, dass es irgendwo ein besseres Chip-Design-Team gibt." Die dort entwickelten Chips würden "einer der wichtigsten Motoren für AGI" werden.

Trotz dieser offenbar exzellenten Voraussetzungen wechselt er jetzt zu Anthropic, dem größten Konkurrenten von OpenAI, der wie Chans alte Firma kurz vor dem Börsengang steht. Bei OpenAI arbeitete Chan an der Entwicklung eigener Chips von Grund auf und war an der strategischen Zusammenarbeit zwischen OpenAI und Broadcom beteiligt.

Ob Anthropic Chan für die Entwicklung eigener Chips oder für die Software-Optimierung bestehender Hardware einsetzt, ist nicht bekannt. Seine LinkedIn-Rollenbeschreibung "perplexity per picojoule" lässt beides zu. Perplexität ist eine gängige Metrik für die Vorhersagequalität von Sprachmodellen, ein Pikojoule eine winzige Energieeinheit.

Die Formel beschreibt also das Ziel, möglichst viel Modellleistung pro eingesetzter Energieeinheit herauszuholen. Das kann durch effizientere Nutzung vorhandener GPUs und TPUs auf Software-Ebene gelingen oder durch maßgeschneidertes Silizium für Anthropics Modelle.

Eigene Chips als Margenhebel

Laut Reuters erwägt Anthropic, eigene KI-Chips zu designen, so wie OpenAI oder Meta es bereits tun. Die Pläne befinden sich in einem frühen Stadium, ein dediziertes Team gebe es bisher nicht, hieß es im April 2026. Chan könnte dabei helfen, dieses Team aufzubauen.

Anthropic nutzt derzeit Googles TPUs und Amazon-Chips, um Claude zu betreiben. Kürzlich unterzeichnete das Unternehmen einen langfristigen Deal mit Google und Broadcom als Teil einer Zusage, 50 Milliarden Dollar in US-Recheninfrastruktur zu investieren.

Eigene Chips wären für Anthropic ein wirtschaftlich bedeutsamer Hebel. Gerade bei der Inferenz könnten maßgeschneiderte Chips langfristig größere Margen ermöglichen. Das gilt besonders, wenn generative KI zunehmend zu einem Infrastrukturthema wird und weniger von Forschungsdurchbrüchen abhängt.

Vom Tesla-ASIC über OpenAI zu Anthropic

Chan bringt einschlägige Erfahrung im Bereich KI-Hardware mit. Vor seinem Wechsel zu OpenAI im Januar 2024 arbeitete er laut LinkedIn rund zweieinhalb Jahre bei Tesla in der Autopilot-Abteilung. Dort arbeitete er an einem maßgeschneiderten Chip für ML-Training, unter anderem an Software-Framework-Bringup, Datacenter-Codesign und energieeffizienten Zahlenformaten.

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