Der Olares One ist ein relativ kompakter Rechner, der KI-Modelle und selbst gehostete Dienste im eigenen Netz betreiben soll. Das Ganze ist vor einiger Zeit als Kickstarter-Projekt gestartet und hat im Prinzip den Fokus, den interessierten Nutzer von den KI-Abos loszueisen. Statt jede Anfrage an einen Cloud-Anbieter zu schicken, beantwortet die Hardware die Anfragen im eigenen Netz, via Tailscale, Cloudflare-Tunnel etc. Ich habe das Gerät zu einem längeren Test hier und wollte mal meinen ersten Eindruck loswerden.
Das Gerät ist 320 × 197 × 55 Millimeter groß und wiegt ohne Netzteil 2,15 Kilogramm. Es sieht aus wie ein platt gesessener Mac Mini und passt easy in ein Regal oder auf den Schreibtisch. Im Inneren arbeitet ziemlich potente Hardware, muss ja, wenn man KI lokal halbwegs schnell betreiben möchte. Konkret werkelt hier ein Intel Core Ultra 9 275HX mit 24 Kernen, 96 GB DDR5-Arbeitsspeicher und eine 2-TB-NVMe-SSD. Dazu kommt eine RTX 5090 Mobile mit 24 GB Grafikspeicher. Auf das "Mobile" sollte man achten. Das ist die Notebook-Variante, keine Desktop-Karte mit 32 GB. Für die Speicherplanung großer Modelle ist der Unterschied wichtig.
Als Betriebssystem läuft Olares OS, eine Open-Source-Plattform für lokale Sprachmodelle, Agenten und selbst gehostete Anwendungen. Darunter steckt die Container-Lösung Kubernetes, ohne dass man als Nutzer direkt etwas davon zu sehen bekommt. Der App-Marktplatz den das OS anbietet, verspricht mehr als 200 Apps, die sich per Klick installieren lassen. Dazu kommt der Begleitclient LarePass, der die Olares-ID verwaltet, das Gerät aktiviert und den Zugang vom Handy oder Desktop herstellt, unterwegs über ein VPN auf Tailscale-Basis. Vorinstalliert sind unter anderem Files für Dateien, Vault für Zugangsdaten und Einmalcodes, der Market selbst sowie Control Hub und Dashboard für Dienste und Ressourcen.
Neben dem Rechner liegen ein Stromkabel und ein externes Netzteil in dem Karton. Dazu kommen eine Kurzanleitung, ein Recovery-Blatt und eine Mitgliedskarte. Für den Aufbau braucht man also kein weiteres Zubehör. Monitor und Tastatur sind nicht nötig, die Einrichtung läuft über die LarePass-App. Das ging beim ersten Setup auch relativ gut von der Hand. Die App verbindet sich per Bluetooth mit dem Gerät und los geht es. Ich hätte hier aber lieber ein Setup über den Browser gehabt, in dem das Gerät lokal im Netz gefunden wird und dann über den großen Bildschirm eingerichtet werden kann.
Doch was lässt sich damit nun konkret machen? Mit passenden Sprachmodellen könnt ihr etwa einen lokalen Chatbot betreiben. Dafür könnt ihr beispielsweise Ollama installieren. Hermes, Openclaw und Co. laufen da natürlich auch. Eigene Dokumente lassen sich als Wissensbasis für einen KI-Assistenten einbinden, damit der bei Fragen auf eure Unterlagen zurückgreifen kann. Für Bilder gibt es ComfyUI, auch Spracherkennung und mehr gehört zu den Einsatzmöglichkeiten. Theoretisch könnt ihr auch eine Windows VM darauf ballern und mit der Hardware zocken.
Dazu kommen die klassischen Aufgaben einer persönlichen Cloud. Ihr könnt Dateien und Fotos ablegen, zwischen Geräten synchronisieren oder die eigene Mediensammlung als Streamingdienst bereitstellen. Wer gern selbst hostet, kann auch weitere Dienste auf dem Rechner betreiben. Man muss sich also nicht auf KI beschränken. Komplett ohne Cloud geht aber nicht automatisch alles. Olares bietet über den Webdienst Olares Space etwa optionale Cloud-Funktionen für Backups und eigene Domains an. Welche Dienste ihr einrichtet, sollte man sich deshalb genauer anschauen, statt vom lokalen Rechner pauschal auf einen vollständig lokalen Betrieb zu schließen.
Nach ein paar Tagen ist mein erster Eindruck bisher zwiegespalten. Die Hardware wirkt durchdacht, und die Idee, Dienste einfach auf eigener Hardware zu betreiben, ist sympathisch und ohnehin gerade aktuell. In der Bedienung holpert es aber an mehreren Stellen, speziell wenn man von Systemen wie Synology oder UGREEN kommt.
Am deutlichsten wird das bei LarePass. Die Companian-App macht das ganze System sicherer, aber einfache Verwaltungsaufgaben umständlich. Wer beispielsweise das SSH-Passwort ändert, setzt es zunächst am Olares neu und muss den Vorgang anschließend per QR-Code in der Handy-App bestätigen. Ich möchte selbst entscheiden können, wann eine zusätzliche Bestätigung nötig ist und wann nicht. Die systemweite Anmeldung lässt sich zwar zwischen Ein- und Zwei-Faktor umstellen. Das ersetzt aber nicht die Freigabe einzelner Verwaltungsaktionen.
Dazu kommt der Eindruck, dass die Apps an vielen Stellen bisher nicht fertig sind. Einstellungen liegen an unterschiedlichen Orten, mal im Browser, mal in LarePass, mal in der jeweiligen Anwendung. Die Bedienlogik erschließt sich nicht immer von selbst. Manche Apps öffnen auch nicht im Desktop, sondern in neuen Browser-Tabs. Auch die verschiedenen URLs für unterschiedliche Funktionen dürften viele Nutzer verwirren. Der Hersteller dokumentiert inzwischen mehrere Wege: Standardadresse, lokale .local-Adresse, Host-Einträge über LarePass und lokales DNS. Technisch nachvollziehbar, für den Einstieg aber viel. Für den Otto-Normalverbraucher möglicherweise viel zu viel. Das Teil will kein NAS sein, könnte sich aber mehr von den Verwaltungsoberflächen eines UGREEN oder einer Synology abschauen.
Der Preis liegt bei rund 4.550 Euro. Für gezielte lokale KI und eigene Dienste ist das eine interessante Kombination. Wer vor allem einen wartungsarmen Chatbot sucht, sollte aber noch warten. Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen mal etwas Last auf das Gerät bringen und nachvollziehen, was gut geht und was weniger gut geht. Habt ihr Fragen oder Themen, die ich im Test beleuchten sollte? Lasst gern einen Kommentar da.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kauft ihr darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision - ohne Aufpreis für euch und ohne Einfluss auf unsere redaktionelle Meinung.

1 week ago
14






