19. November 2025 Bernd Müller
(Bild: xalien / Shutterstock.com)
Nvidia veröffentlicht Quartalszahlen. Analysten erwarten über 50 Prozent Wachstum. Doch Sorgen um Bewertungen und Großinvestoren-Verkäufe verunsichern.
Der Chiphersteller Nvidia gibt am Mittwoch nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das dritte Quartal bekannt. Analysten rechnen mit einem Wachstum bei Umsatz und Nettogewinn von jeweils über 50 Prozent.
Die Zahlen gelten als wichtiger Gradmesser für die gesamte Technologiebranche. "Wie es Nvidia geht, so geht es auch dem Markt", erklärt Scott Martin, Chef-Anlagestratege bei Kingsview Wealth Management, gegenüber Bloomberg.
Die Aktie des Unternehmens ist in diesem Jahr bereits um 37 Prozent gestiegen, deutlich mehr als der Nasdaq 100 mit knapp 17 Prozent. Doch nach einem Höchststand vor vier Wochen verlor die Aktie mehr als zehn Prozent.
Die Anleger werden nun genau prüfen, ob die Zahlen die hohen Erwartungen rechtfertigen – oder ob Warnzeichen für eine überhitzte Bewertung sichtbar werden.
Abhängigkeit von Tech-Giganten prägt das Geschäft
Nvidias Wachstum hängt stark von den Ausgaben großer Technologiekonzerne ab. Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta machen zusammen mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus, so Bloomberg.
Diese Unternehmen wollen laut Bericht ihre KI-Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten um 34 Prozent auf 440 Milliarden US-Dollar erhöhen. Das Risiko liegt darin, dass diese Zusagen auch wieder zurückgenommen werden könnten.
Michael O'Rourke, Chef-Marktstratege bei Jonestrading, warnt laut Bloomberg deshalb: "Diese Akteure im KI-Bereich haben sich sehr bemüht, die Erwartungen kontinuierlich zu steigern, und jetzt müssen sie nicht nur die Zahlen liefern, sondern auch die steigenden Erwartungen des Marktes weiter nähren". Das sei ein gefährliches Spiel für börsennotierte Unternehmen.
Blackwell-Serie soll nächste Wachstumsphase einleiten
Besonders aufmerksam werden laut Bericht Investoren, die Zahlen zur neuen Blackwell-Produktserie verfolgen. Diese Chips sollen die nächste Wachstumsphase des Unternehmens vorantreiben. Blackwell liefert laut Nvidia die 2,5-fache Leistung der Vorgängerserie Hopper beim Training von KI-Systemen.
Auch die Margenentwicklung im Geschäft der Rechenzentren wird genau beobachtet. Dieser Bereich machte im zweiten Quartal fast 90 Prozent des Umsatzes aus. Jake Seltz, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments, erwartet laut Bloomberg "ziemlich solide Zahlen". Entscheidend werde aber die Prognose für das nächste Quartal sein.
Analysten gehen davon aus, dass sich das Umsatzwachstum in den kommenden Jahren verlangsamen wird. Für das Geschäftsjahr 2026 wird ein Plus von fast 60 Prozent erwartet, gefolgt von 41 Prozent im Jahr 2027 und 22 Prozent im Jahr 2028.
Prominente Investoren ziehen sich zurück
Trotz der positiven Aussichten haben einige prominente Investoren ihre Positionen reduziert oder ganz aufgegeben. Der Hedgefonds von Peter Thiel etwa verkaufte seine gesamte Nvidia-Beteiligung im dritten Quartal. Auch die SoftBank Group gab ihre Position auf, um andere KI-Investitionen zu finanzieren.
Michael Burry, bekannt durch seine Wetten gegen den Immobilienmarkt während der Finanzkrise 2008, kaufte laut Bloomberg Put-Optionen auf Nvidia-Aktien. Er hatte zuvor vor einer Blase im Zusammenhang mit KI gewarnt.
Eine Analyse von 909 Hedgefonds zeigt, so heißt es bei Bloomberg, dass sich die Positionen in Nvidia im dritten Quartal fast gleichmäßig auf diejenigen verteilten, die ihre Anteile erhöhten, und jene, die sie reduzierten. Ob diese Verkäufe eher mit Gewinnmitnahmen oder einer pessimistischen Einschätzung zusammenhängen, bleibt offen.
Wettbewerb nimmt zu, Großkunden entwickeln eigene Chips
Nvidia dominiert den Markt für KI-Beschleuniger mit einem Anteil von etwa 90 Prozent. Doch der Wettbewerb nimmt zu. Advanced Micro Devices (AMD) hat Verträge mit OpenAI und Oracle abgeschlossen, was zeigt, dass das Unternehmen als Alternative an Glaubwürdigkeit gewinnt.
Gleichzeitig versuchen große Kunden wie Amazon, Google und Microsoft, ihre Abhängigkeit von Nvidia zu verringern, indem sie eigene Chips entwickeln. Nvidia reagierte darauf, indem es seine NVLink-Technologie für Produkte anderer Unternehmen öffnete.
Geopolitische Risiken belasten China-Geschäft
Ein weiteres Risiko sind die US-Handelsbeschränkungen. Im April musste Nvidia eine Wertberichtigung von 5,5 Milliarden US-Dollar vornehmen, weil ein US-Verbot die Lieferung des H20-Chips nach China untersagte.
Später wurde der Verkauf zwar wieder erlaubt, doch dann forderte die Regierung in Peking chinesische Unternehmen auf, Nvidias Produkte zu meiden.
Konzernchef Jensen Huang versucht, die US-Regierung davon zu überzeugen, dass mehr Geschäfte mit China im Interesse der nationalen Sicherheit der USA liegen. Eine konkrete Vereinbarung gibt es bisher aber nicht.



